Ärzte-Fortbildung: Wissen und Wissenstransfer als ethische Pflicht

ÖÄK: Spitäler und Kassen müssen ärztliche Fortbildung zeitlich und finanziell ermöglichen

Wien (OTS) - Angesichts des steigenden Arbeitsdrucks in Krankenhäusern und Ordinationen sei es nicht einzusehen, dass Spitalsträger nach eigenem Gutdünken entscheiden, ob ärztliche Mitarbeiter für Fortbildungszwecke freigestellt oder Fortbildungskosten übernommen werden bzw. dass niedergelassene Ärzte ihre Fortbildung gänzlich selbst finanzieren müssen, erklärte Peter Niedermoser, Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Österreichischen Akademie der Ärzte und Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich, anlässlich einer Pressekonferenz am Mittwoch. Er forderte Spitäler und Kassen auf, Strukturen zu schaffen, die es Ärzten zeitlich und finanziell ermöglichen, ihre gesetzliche und standesethische Pflicht zur Fortbildung zu erfüllen.

Das Schlagwort vom "lebenslangen Lernen" sei vor gut 40 Jahren in arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Diskussionen aufgetaucht, sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger. "Eine gesetzliche Verpflichtung zur Fortbildung gibt es aber nur für ganz wenige Berufsgruppen, und bei keiner ist sie so weitreichend wie bei Ärzten." Davon unabhängig sei lebenslanges Lernen für Ärztinnen und Ärzte schon immer integraler Bestandteil des beruflichen und ethischen Selbstverständnisses gewesen. Denn, so Wechselberger und Niedermoser: Ärztliche Fortbildung sei kein Selbstzweck, sondern ziele immer darauf ab, kranke Menschen bestmöglich zu heilen bzw. zu betreuen sowie Erkrankungen vorzubeugen.

2014: 50 Stunden Fortbildung pro Arzt

Bereits 1995 hat die ÖÄK mit dem Diplom-Fortbildungs-Programm (DFP) festgelegt, dass ärztliche Fortbildung unabhängig, auf hohem wissenschaftlichen Niveau, international vergleichbar und frei von wirtschaftlichen Interessen Dritter zu sein hat. "Diesen Zielen ist auch die im Jahr 2000 gegründete Österreichische Akademie der Ärzte verpflichtet", so Wechselberger. Das Fortbildungsdiplom (DFP-Diplom) ist der nach außen sichtbare Nachweis dafür, dass ein Arzt auf dem aktuellen Wissensstand seines Faches ist. Ein DFP-Diplom erhält, wer die vorgeschriebene Mindestanzahl an durchschnittlich 50 Fortbildungspunkten pro Jahr nachweist. Das entspricht im Durchschnitt einer Woche Fortbildung pro Jahr, ein Arbeitsleben lang. Allein im Jahr 2014 wurden mehr als 2,7 Millionen Fortbildungspunkte elektronisch auf die Fortbildungskonten der heimischen Ärztinnen und Ärzte gebucht. Das entspricht bereits ca. 50 Stunden pro Arzt.

Einen Überblick über die absolvierten Fortbildungen gibt das von der Akademie bereitgestellte Online-DFP-Konto. "Mit elektronischen Services wie diesen nimmt Österreich in der ärztlichen Fortbildung international eine führende Position ein", so Niedermoser. Bereits drei Viertel aller Ärzte haben das Konto aktiviert. In nächster Zukunft werde man sich bemühen, auch jene Ärzte zur Eröffnung eines DFP-Kontos zu motivieren, die bis jetzt noch nicht dazugekommen seien, die Nachweise ihrer Fortbildungen zu dokumentieren. Denn ab September 2016 werde der Nachweis der absolvierten Fortbildungen gesetzlich verpflichtend, so Niedermoser.

Spitzenmedizin in die Breite tragen

Für wissenschaftlich tätige Ärzte wie Univ.-Prof. Michael Gnant, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie, besteht ein Gutteil der Fortbildungen in der Teilnahme und Organisation internationaler und nationaler Kongresse sowie in der Publikation ihrer Forschungsergebnisse. Gnant: "Österreichs klinische Forschung ist in einer Reihe von Fachgebieten Weltspitze. Vor allem aber sind wir wirklich gut darin, diese Spitzenmedizin auch in die Breite zu tragen, zu den vielen tagtäglich um die Versorgung von Patienten bemühten Ärztinnen und Ärzten." Immer wichtiger würden auch im Ausland absolvierte Kurse und Kongresse. Die Anerkennung internationaler Fortbildungsveranstaltungen durch die Akademie sei kein Problem, vorausgesetzt die Qualitätskriterien entsprächen jenen in Österreich, so Gnant.

E-Learning und Qualitätszirkel gut etabliert

Hausärztinnen und Hausärzten sei es hingegen nicht immer möglich, die Ordination für Kongresse zu schließen, sagte der Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), Reinhold Glehr. Umso wichtiger seien die qualitätsgesicherten E-Learning-Angebote der Akademie. Ärztliche Fortbildung besteht allerdings de facto zu einem Gutteil aus Präsenzveranstaltungen. "Hospitationen in Krankenhäusern, aber auch Qualitätszirkel spielen hier eine wichtige Rolle für Allgemeinmediziner. Ich selbst leite seit zwanzig Jahren einen Qualitätszirkel und nehme auch immer wieder an denen von Kollegen teil", so Glehr. Dabei besprechen Ärztinnen und Ärzte auf Basis von Wissenschaft und Erfahrung unter Anleitung eines ärztlichen Moderators z.B. das Erkennen und Behandeln bestimmter Erkrankungen oder die Frage, wie eine neue Leitlinie in einer bestimmten Region bestmöglich umgesetzt werden kann. "Qualitätszirkel eignen sich aber auch gut zur Aufarbeitung von Fehlern und sind damit ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung, das sich in Österreich hervorragend entwickelt hat", so Glehr. (ar)

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