Parlament: Buch und Film über Kärntens Altlandeshauptmann Hans Sima

Kärntner Zeitgeschichte im Spiegel eines Politikerlebens

Wien (PK) - Hans Sima wurde 1918 im heute zu Italien gehörenden Kanaltal geboren und fand nach dem Ersten Weltkrieg in Kärnten eine neue Heimat. Dort engagierte er sich als junger Mann für die Sozialdemokratie und verbüßte dafür unter Kanzler Kurt Schuschnigg mit siebzehn Jahren eine sechsmonatige Haftstrafe. Er wurde im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront verwundet und gründete nach der Heimkehr 1945 die Kärntner SPÖ mit. Er bemühte sich mit Erfolg um die Förderung benachteiligter Regionen des Landes sowie um Kunst, Kultur und Wissenschaft.

Sima suchte und fand den Dialog nicht nur mit den Nachbarn in Laibach/Ljubljana und Triest, sondern auch mit den Kärntner Slowenen. Manchen seiner Zeitgenossen ging seine Weltoffenheit aber zu weit. Als er auf der Grundlage des Österreichischen Staatsvertrages im Jahr 1972 im gemischtsprachigen Gebiet Kärntens zweisprachige Ortstafeln aufstellen ließ, löste er damit jenen Konflikt aus, der im "Ortstafelsturm" gipfelte und zu seinem vollständigen Rückzug aus der Politik führte. All das charakterisiert Hans Sima, den Kärntner Landeshauptmann der Jahre 1965 bis 1974, der - mit hohen Auszeichnungen geehrt - im Jahr 2006 hochbetagt starb.

Buch, Film und Podiumsdiskussion über einen Politiker mit Weitblick

Auf Einladung von Nationalratspräsidentin Doris Bures, der "Altlandeshauptmann Hans Sima Privatstiftung" und des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien werden heute im Sprechzimmer des Parlaments (17.00 Uhr) ein Buch und ein Film über das Leben Hans Simas präsentiert. "Hans Sima. Ein Politikerleben in turbulenter Zeit" ist der Titel einer ORF-Filmdokumentation, die am Samstag, dem 2. Mai 2015, um 22.00 Uhr, von ORF III ausgestrahlt wird. Das bei Böhlau erschienene Buch "Hans Sima: Ein politisches Leben" (Wien 2015) stammt aus der Feder der Zeithistorikerin Petra Mayerhofer, die die Lebensgeschichte Simas auf Basis bisher unbekannten Materials sowie des Nachlasses des ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns dargestellt hat.

Parlamentsdirektor Harald Dossi wird die Gäste begrüßen und der Historiker Oliver Rathkolb einleitende Worte sprechen. Nach der Präsentation der ORF-III-Doku werden Buchautorin Petra Mayrhofer, der Diplomat Wolfgang Petritsch, der Geschäftsführer von ORF III, Peter Schöber, der Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen in Kärnten, Marjan Sturm, und der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky eine Podiumsdiskussion bestreiten. Die Moderation der Veranstaltung obliegt der Enkelin Hans Simas, Ulli Sima. Sie ist Vorsitzende der Privatstiftung und Umweltstadträtin in Wien.

Hans Sima: Kärntner Zeitgeschichte im Spiegel eines Politikerlebens

Hans Sima wurde am 4. Juni 1918 in Saifnitz (heute Camporosso) im Kärntner Kanaltal in eine Kleinbauernfamilie geboren, in der teils deutsch, teils slowenisch gesprochen wurde. Nach der Besetzung des Kanaltales durch italienische Truppen im November 1918 fand Sima mit seinen Eltern im Kärntner St. Veit eine neue Heimat. Dort betätigte sich Hans Sima schon als Jugendlicher in der Sozialdemokratie und wurde unter der Regierung Schuschnigg 1935 für sein politisches Engagement zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Eine kaufmännische Ausbildung schloss Sima im Jahr 1937 ab.

Nach dem Krieg, in dem er als Wehrmachtssoldat an der Ostfront schwer verwundet wurde, zählte Sima mit Ferdinand Wedenig, Hans Herke und anderen zu den Wiederbegründern der Sozialdemokratie in Kärnten und übernahm 1945 das Landesparteisekretariat der SPÖ. 1949 wurde er in den Kärntner Landtag gewählt und fungierte dort auch als Klubobmann seiner Fraktion. Ab März 1953 vertrat Sima die Interessen seines Bundeslandes in Wien und gehörte bis Juni 1956 dem Bundesrat an. 1956 trat Hans Sima in die Kärntner Landesregierung unter Landeshauptmann Wedenig ein, avancierte 1963 zum Landeshauptmannstellvertreter und folgte Wedenig im April 1965 als Landeshauptmann von Kärnten nach.

Im Jahr 1972 ließ Sima, der den Dialog mit den Kärntner Slowenen suchte, gemäß Artikel 7 des Staatsvertrages im gemischtsprachigen Siedlungsgebiet zweisprachige topographische Tafeln aufstellen. Sima stieß jedoch auf erbitterten Widerstand deutschnationaler Kreise, der in der illegalen Demontage von Ortstafeln ("Ortstafelsturm") gipfelte. Auch Bundeskanzler Bruno Kreisky gelang es nicht, in diesem Konflikt zu vermitteln, der Hans Sima 1973 veranlasste, seine Funktion des Kärntner SPÖ-Vorsitzenden und 1974 das Amt des Landeshauptmann niederzulegen und sich - persönlich tief enttäuscht -weitgehend aus der Politik zurückzuziehen.

Für seine entschlossene Haltung wurde Hans Sima mehrfach geehrt, zuletzt 1995 durch die Ernennung zum Ehrensenator der Universität Klagenfurt, die in seiner Amtszeit als Landeshauptmann errichtet wurde. Hans Sima war ein Förderer der Kunst und ein Kosmopolit, der schon in seiner Antrittsrede als Kärntner Landeshauptmann im Jahr 1965 die zentrale Funktion Kärntens im Schnittpunkt dreier Kulturkreise betonte und eine rege Besuchsdiplomatie zwischen Klagenfurt, Laibach und Triest initiierte.

Mit seiner Privatstiftung zur Erforschung der Kärntner Zeitgeschichte und zur Förderung des Alpen-Adria-Gedankens hat sich Hans Sima bis zuletzt gegen die Gefahren einer politisch motivierten Umschreibung der Geschichte engagiert. Hans Sima starb am 13. Oktober 2006 und fand in Sankt Veit an der Glan seine letzte Ruhestätte. (Schluss) fru/app

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at.

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