ORF-DialogForum: Neue ORF-Studie „Public Network Value“ präsentiert

Internationale Expertinnen und Experten diskutierten die Medienzukunft

Wien (OTS) - Werden Google, Apple und Co. die digitale Welt von morgen beherrschen? Wie kann Qualitätsjournalismus überleben? Welche Zukunft hat der ORF im multimedialen Umfeld? Diesen Fragen widmete sich heute, am 28. April 2015, ein ORF-DialogForum unter dem Titel "Zukunft hoch drei - Public Network Value" in zwei international besetzten Experten-/Expertinnenpanels. Univ.-Prof. Dr. Thomas Steinmaurer stellte die neue ORF-Public-Value-Studie vor, die gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk in Auftrag gegeben wurde.

ORF-Studie "Public Network Value"

Die Studie spricht sich für ein starkes öffentlich-rechtliches Rundfunksystem in Europa respektive in Deutschland und Österreich aus. Der durch die Digitalisierung ausgelöste Wandel der Medien- und Kommunikationskultur müsse mit einem starken öffentlich-rechtlichen Netzwerk (Public Service Media Network) begleitet werden, um weiterhin rechtstaatliche und demokratische Teilhabe für alle Bürger zu ermöglichen. Nur ein auch im Internet starkes öffentlich-rechtliches Medienangebot garantiere diese Teilhabe und sei deshalb ordnungspolitisch aus nationaler sowie europäischer Sicht geboten. Das bedeute aber für das Public-Service-Media-System, einen Wandel zu Public-Service-Networks zu vollziehen. Auf die öffentlich-rechtlichen Anbieter kommen neben den alten Kernaufgaben des Public Values (Grundversorgung, Vielfalt, Unabhängigkeit, gesellschaftliche Integration und publizistische Qualität) neue für das Netz gültige hinzu: "network values".

"In einer digital vernetzen Welt können nur Public-Service-Medien eine Kompass-Funktion einnehmen und somit Mehrwert für die Userinnen und User - angesprochen als Bürgerinnen und Bürger - generieren", konstatierte Studienautor Univ.-Prof. Dr. Thomas Steinmaurer.

Panel 1: "Network Value - Qualitätskriterien für die digitale Zukunft"

Über "Network Value - Qualitätskriterien für die digitale Zukunft" diskutierten Sally Broughton Micova, London School of Economics; Ingrid Deltenre, EBU; Kati Förster, Universität Wien; und Graham Murdock, University of Loughborough London.

Für Sally Broughton Micova, London School of Economics, ist die zukünftige Herausforderung bei der Bereitstellung von Inhalten "nicht nur, die Information leicht auffindbar zu platzieren, sondern vor allem Information aus vertrauenswürdiger Quelle zu liefern, die die Menschen gerne mit ihren Freunden im sozialen Netz teilen".

Graham Murdock, University of Loughborough London, beschrieb die Herausforderungen so: "Öffentlich-rechtliche Medien haben die Chance aus dem großen öffentlichen Vertrauen, das sie genießen, einen Nutzen zu ziehen, indem sie zum Portal für jeden werden, der auf kritische und vertrauenswürdige Quellen zurückgreifen möchte."

Für EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre war zentral: "Die öffentlich-rechtlichen Medien liefern einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt, zum sozialen Zusammenhalt und einer funktionierenden Demokratie. Diese Werte gilt es auch in Zukunft zu betonen. Wir müssen die neuen technischen Möglichkeiten nutzen, um Inhalte zu produzieren, die berühren, und uns die Information und den Diskussionsstoff liefern, der die Gesellschaft weiterbringt."

"Die zwei wichtigsten Parameter für die Qualitätsmedien der Zukunft sind Zugänglichkeit und Relevanz", meinte Kati Förster, Universität Wien: "Die öffentlich-rechtlichen Medien müssen hier wie ein Leuchtturm fungieren, der Orientierung in dem unendlichen Pool an Informationen gibt."

Panel 2: "Wohin? Die Medienpraxis der Zukunft"

"Wohin? Die Medienpraxis der Zukunft" umrissen Andreas Bönte, BR; Peter Kropsch, APA; Nora Kajantie, YLE Finnland; Armin Thurnher, Falter; und Ina Zwerger, Ö1.

Angesprochen auf die Innovationsprojekte des Bayerischen Rundfunks, war für Andreas Bönte ganz klar: "Wir müssen zuerst schauen, wo die Menschen sind und wo sie sich hinbewegen. Und dann sollten wir sie den ganzen Weg mit neuen Ideen begleiten. Wir müssen viel mehr ausprobieren und viel mehr in die Innovation investieren. Dabei muss natürlich klar sein, dass keine Kommerzialisierung dahintersteht."

"Im Moment verlieren öffentlich-rechtliche Medien oft junges Publikum", resümierte Nora Kajantie, YLE Finnland: "Darum gilt es, dringend neue Wege zu finden, um es wieder zu erreichen. Wir müssen herausfinden, welche Inhalte die Jungen interessieren, und diese zu ihnen bringen. Das funktioniert am besten durch crossmediale Konzepte."

Ina Zwerger, Ö1, war sich sicher: "Qualitätsmedien werden in der neuen Medienumgebung wichtiger werden - und zwar nicht trotz, sondern wegen der Vernetzung. Denn das Bedürfnis nach Orientierung und Einordnung steigt."

"Die Herausforderungen der Nachrichtenagenturen an die Berichterstattung als ‚Großhändler für die Medien‘ sind, die Berichterstattung so weit als möglich in der Real-Time umzusetzen, komplizierte Sachverhalte zu erklären und zu visualisieren und soziale Medien als Quelle heranzuziehen, als Tipp-Geber, die es zu überprüfen gilt", sagte Peter Kropsch, Geschäftsführer der APA.

Angesichts der Devise vieler Medien "Online First" meinte "Falter"-Herausgeber Armin Thurnher: ",Online First‘ ist selbstkommerzialisierender Gehorsam. Man sollte sich auf seine Prinzipien besinnen. Daher arbeiten wir daran, unsere publizistische Aufgabe, die wir als Freiheitsaufgabe verstehen, möglichst gut zu machen."

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