Brustkrebsfrüherkennung reduziert die Sterblichkeit

Wien (OTS) - Dienstag, 28. April 2015 - Die Mammografie ist die einzige Screening-Methode, die gesichert zu einer Abnahme der Sterblichkeit durch Brustkrebs führt. Wenn Brustkrebs früh erkannt wird, ist dieser in den meisten Fällen heilbar. Kleine Karzinome sind meist noch nicht tastbar und können daher nur mittels bildgebender Verfahren frühzeitig diagnostiziert werden.

Manche Kritiker der Brustkrebs-Früherkennung behaupten, dass beim Mammografie-Screening die potentiellen Risiken (Strahlenexposition, falsch-positive Befunde und Überdiagnose) den Nutzen überwiegen. Experten widersprechen diesen Ansichten jedoch entschieden:

"Die Strahlenexposition einer Mammografie entspricht ungefähr einem Viertel der jährlichen natürlichen Strahlenexposition, der wir alle in Österreich ausgesetzt sind. Da die Screening-Mammografie nur alle 2 Jahre durchgeführt wird, halbiert sich diese Dosis sogar noch", erklärt Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger, Leiter der Allgemeinen Radiologie der Medizinischen Universität Graz.

Falsch positive Befunde, d.h. verdächtige Mammografie-Befunde, die sich nach weiterer Abklärung mittels Ultraschall, Magnetresonanztomografie oder sogar einer Gewebeentnahme als gutartig herausstellen, sind in jedem Screening-Programm unvermeidlich. Wesentlich ist es, die Zahl dieser falsch-positiven Befunde möglichst klein zu halten. Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schima, Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft: "Dieser Thematik wird mit den hohen gerätetechnischen sowie individuellen Qualitätsstandards der RadiologInnen und RT im österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm Rechnung getragen". So erhält jede Teilnehmerin mit einem unklaren Befund in der Mammografie unmittelbar eine Ultraschalluntersuchung - viele Fragen können somit an Ort und Stelle beantwortet werden.

Bezüglich Überdiagnose - "harmlose Krebsarten" werden entdeckt, die für das Überleben der Frauen keine Bedrohung darstellen - stellt Univ.-Doz. Dr. Oswald Graf, Leiter der Arbeitsgruppe Mammadiagnostik der österreichischen Röntgengesellschaft, fest: "Viele Studien sind zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko der Überdiagnose sehr gering ist im Vergleich zu dem potentiell weit größeren Schaden, wenn Brustkrebs nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird."

Die Nutzen-Risiko-Relation für das Mammografie-Screening ist gut, der zu erwartende Nutzen wiegt die möglichen Nachteile deutlich auf.

Das Österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm startete am 1. Jänner 2014, seither werden Frauen zwischen 45 und 69 Jahren in einem Intervall von zwei Jahren zu einer Mammografie-Untersuchung eingeladen. Die ersten Ergebnisse des Mammografie-Screenings in Österreich aus dem Jahr 2014 bezüglich Teilnahme sind ernüchternd. Weniger als 30 Prozent der Frauen der Zielgruppe zwischen 45 und 70 Jahren sind tatsächlich zu einer Untersuchung erschienen; von der angestrebten Teilnahmerate von 70 Prozent sind wir derzeit noch meilenweit entfernt. Weniger als ein Prozent der Frauen, die zur Untersuchung gekommen sind, war zuvor noch nie bei einer Mammografie. Das Ziel, jene Frauen zu motivieren, die die Möglichkeit zur Früherkennung bisher noch nicht in Anspruch genommen haben, wurde bislang verfehlt.

Ein Rückgang von Untersuchungen zur Früherkennung könnte in der näheren Zukunft zu einem Anstieg an fortgeschrittenen Karzinomen führen. Bereits jetzt gibt es Hinweise dafür, dass die Zahl der früh entdeckten Brustkrebsfälle in Österreich abnimmt. "Wir müssen diese Entwicklung sehr genau beobachten, weil der Anteil der früh entdeckten Brustkrebsfälle direkt mit einer verminderten Brustkrebs-Sterblichkeit als Folge des Mammografie-Screenings zusammenhängt", so Doz. Dr. Willi Oberaigner, Leiter des Instituts für klinische Epidemiologie der TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalten).

Für ein effektvolles Mammografie-Screening in Österreich muss die Teilnahmerate signifikant erhöht werden. Am wichtigsten ist neben adäquaten PR-Maßnahmen die aktive Wiedereinbindung von Allgemeinmedizinern und Gynäkologen als Zuweiser.

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger,
Leiter der klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologie, Medizinische Universität Graz, Österreichische Röntgengesellschaft/Arbeitsgruppe Mammadiagnostik

Univ.-Doz. Dr. Oswald Graf,
Österreichische Röntgengesellschaft/Arbeitsgruppe Mammadiagnostik

Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schima,
Vorstand der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Krankenhaus Göttlicher Heiland Wien, Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft

Doz. Dr. Willi Oberaigner,
Leiter des Instituts für klinische Epidemiologie der TILAK - Tiroler Landeskrankenanstalten

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Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger
Leiter der klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologie, Medizinische Universität Graz, Österreichische Röntgengesellschaft/Arbeitsgruppe Mammadiagnostik
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