Greenpeace: EU-Plastiksackerl-Richtlinie reicht nicht – Österreich muss weiter gehen

Umweltschutzorganisation wiederholt Forderung nach Rundem Tisch

Wien (OTS) - Das EU-Parlament hat in der heutigen Plenarsitzung die sogenannte Plastiksackerl-Richtlinie angenommen. Für Greenpeace ist die Richtlinie ein zu schwach geratener Kompromiss: "Im Laufe der Entstehung der Richtlinie wurde diese immer weiter aufgeweicht. Eine Reduktion auf 40 Plastiksackerl pro Person und Jahr bis 2025 ist ein zu schwaches Ziel in zu ferner Zukunft", so Hanna Simons, Direktorin für Umweltpolitik bei Greenpeace Österreich.

Für Österreich besteht der Richtlinie zufolge trotz rund einer Milliarde verbrauchter Plastiksackerl im Jahr kaum Handlungsbedarf. Anstatt den einzelnen EU-Ländern eine 80-prozentige Reduktion vorzugeben, wurde mit der aktuellen EU-Richtlinie beschlossen, dass die Gesamtzahl der Plastiksackerl nicht mehr als 40 pro Kopf und Land betragen darf. "Das ist zwar ein klar definiertes Ziel, hat aber einen Haken. Denn in Österreich wird offiziell immer wieder von 350 Millionen verbrauchten Plastiksackerl gesprochen. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass rund eine Milliarde pro Jahr in Österreich gratis ausgegeben werden. Basierend auf den offiziellen Zahlen entsteht laut Richtlinie für Österreich jedoch kaum Handlungsbedarf", erklärt Simons und rechnet vor: "Multipliziert man die vorgegebenen vierzig Plastiksackerl mit der Einwohnerzahl von Österreich, kommt man auf knapp 340 Millionen. Eine Einsparung von zehn Millionen Sackerln wäre ein Witz und kaum wahrnehmbar", betont Hanna Simons.

Hinzu kommt, dass die Richtlinie nicht für ganz dünne Obst- und Gemüsesackerl gelten soll bzw. dass es den Staaten freigestellt wird, diese vorerst von den Maßnahmen zur Erreichung der Verringerungsziele auszunehmen. "Obst- und Gemüsesackerl machen jedoch hierzulande einen Großteil des Plastiksackerlverbrauchs aus und sollten in der österreichischen Umsetzung der Richtlinie dringend auch berücksichtigt werden", fordert Simons.

Effektiver wäre daher eine Neuerhebung des Plastiksackerlverbrauchs durch das Umweltministerium, und eine Reduktion dieser Zahl um achtzig Prozent. "Dass dies machbar ist, zeigen Länder wie etwa Irland, wo eine Bepreisung der Sackerl zu einer massiven Reduktion auf nur 18 Sackerl pro Person und Jahr geführt hat", erklärt Simons und appelliert erneut an Minister Rupprechter: "Wir fordern Minister Rupprechter auf, die Richtlinie in Österreich nicht nur umzusetzen, sondern sie überzuerfüllen. Eine Reduktion um achtzig Prozent innerhalb der nächsten vier Jahre ist machbar."

Greenpeace begrüßt, dass Umweltminister Rupprechter im Dezember 2014 einen Runden Tisch mit großen Handelsvertretern und NGOs angekündigt hat. "Wir erwarten uns nun, dass dieses Versprechen von Minister Rupprechter bald umgesetzt wird", so die Greenpeace-Sprecherin abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Nunu Kaller
KonsumentInnensprecherin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel: +43 (0)664 61 26 731
E-Mail: nunu.kaller@greenpeace.org

Melanie Aldrian
Pressesprecherin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 61 26 725
E-Mail: melanie.aldrian@greenpeace.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP0002