„Menschen & Mächte“ ruft den vergessenen Alltag und den täglichen Überlebenskampf der „Trümmerfrauen“ in Erinnerung

Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts „Österreich ist frei!“

Wien (OTS) - Man kennt die Architekten der Zweiten Republik, die Männer der Stunde null im Jahr 1945. Der wichtige Anteil der Frauen am Wiederaufbau ist aus der öffentlichen Wahrnehmung überwiegend ausgeblendet. Andreas Novak versucht in seiner "Menschen & Mächte"-Dokumentation am Mittwoch, dem 29. April 2015, um 22.30 Uhr in ORF 2 - im Rahmen des Programmschwerpunkts "Österreich ist frei!" (Details unter http://presse.ORF.at) - den vergessenen Alltag der Trümmerfrauen und ihren täglichen Überlebenskampf in Erinnerung zu rufen. Zeitzeuginnen erzählen über einen Nachkriegsalltag, der in der heutigen Konsumgesellschaft kaum mehr vorstellbar erscheint. Frauen berichten über ihre vielfältigen gleichzeitigen Tätigkeiten als Mütter, Hausfrauen, Arbeitsuchende, Tauschhändlerinnen am Schwarzmarkt und als Spezialistinnen für Hamsterfahrten.

Die ins Haus gelieferten TV-Bilder über Kriege und Bombardements gleichen sich. Ob in Syrien, dem Irak, der Ukraine oder im ehemaligen Jugoslawien: Meist sind es Frauen und Kinder, die mit kleinen Resten geretteter Habseligkeiten einer ungewissen Zukunft entgegengehen. Ähnliches geschah in Österreich nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945. Doch im öffentlichen Gedächtnis blieben neben zerbombten Städten überwiegend die Männer "der ersten Stunde" haften, die politischen Architekten der Zweiten Republik. Doch die Fundamente des proklamierten "Neuen Österreich" schufen die Frauen. Die weiblichen Arbeitsleistungen sorgten für die ersten Spuren von Normalität im Nachkriegschaos. Die Frauen organisierten das tägliche Überleben in einer Zeit der Mangelwirtschaft, in einer Gesellschaft des Zusammenbruchs. Die Männer befanden sich in Kriegsgefangenschaft, waren an der Front gefallen oder galten als vermisst. Zur Organisation von Nahrung, Bekleidung und Arbeit gesellte sich für Frauen in den sowjetischen Zonen anfangs immer wieder die Angst vor Übergriffen russischer Soldaten.

"Diesen Frauen hat niemand ein Denkmal gesetzt", stellt Grete Mejer fest. Zwischen Bombenhagel und MG-Feuer brachte sie knapp vor Kriegsende ihren Sohn zur Welt. Die Niederösterreicherin Margarethe Hofka kam nach Kriegsende nach Wien, um Schutt zu beseitigen. Sieben Jahre wartete sie vergeblich auf die Heimkehr ihres Mannes aus der Sowjetunion. Lotte Treffer berichtet über die fantasievollen Methoden der Nahrungsmittelbeschaffung und die ungeschriebenen Gesetze des Schwarzmarktes. Die Wienerin Dagmar Ostermann überlebte das KZ Auschwitz. Nach ihrer Rückkehr unternahm sie eine Reihe von Hamsterfahrten aufs Land. Neben der Organisation des Überlebens musste sie mit dem Schrecken von Auschwitz fertig werden.

Andreas Novaks Dokumentation beleuchtet auch die Folgen des Krieges für Ehen und Partnerschaften. Die Städteruinen standen symbolhaft für die Krise zwischen den Geschlechtern. Selten deckten sich die Erwartungshaltungen der Heimkehrer mit der Realität. Kriegsbedingte oft lange Trennungen brachten Entfremdungen, Scheidungen und die Auflösungen traditioneller Geschlechterrollen. Kriegspsychosen und soziale Desorientierung fanden ihre Ventile in den Paarbeziehungen. Unterschiedliche männliche und weibliche Erfahrungswelten im Krieg fügten sich oft nur schwer in die versuchte Rekonstruktion des partnerschaftlichen Miteinanders. Psychologische Hilfe gab es keine. Novak begibt sich auf Spurensuche nach den oft vergessenen Trümmerfrauen, nach den Heldinnen der sogenannten "Heimatfront", die von der Zwangsrekrutierung in den NS-Rüstungsbetrieben nahtlos auf die Schutthalden der Städte wechselten.

Die Dokumentation ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream auf der ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) angeboten.

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