Industrie: Ein normaler Konjunkturaufschwung – nicht jedoch in Österreich

IV-GS Neumayer zu aktuellen Konjunkturdaten: Unsicherheit bei Standortbedingungen endlich überwinden – IV-Chefökonom Helmenstein: Österreich droht verlorene Dekade

Wien (OTS/PdI) - "In Kontrast zum europäischen Geleitzug befindet sich die österreichische Wirtschaft weiterhin auf der konjunkturellen Kriechspur. Während sich die allmähliche Aufhellung des konjunkturellen Gesamtbildes in Europa während der vergangenen Monate fortgesetzt hat, ist von einer Belebung in Österreich nach wie vor nichts zu spüren. Die konjunkturelle Lethargie hierzulande setzt sich fort - sie darf aber kein Dauerzustand werden. Und insbesondere darf sie nicht durch fortgesetzte standortpolitische Schnapsideen noch verstärkt werden. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die das Entstehen von Arbeitsplätzen ermöglichen und nicht behindern", brachte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein die Ergebnisse des aktuellen Konjunkturbarometers aus dem 1. Quartal 2015 heute, Dienstag, auf den Punkt.

"Es ist höchst an der Zeit, die hauptsächlich von der Bundesebene ausgehende Unsicherheit bezüglich der Verlässlichkeit der standortspezifischen Rahmenbedingungen in Österreich zu überwinden. Andernfalls läuft das Land Gefahr, in einen Teufelskreises zu geraten, bei dem sich die Stagnation selbst perpetuiert", betonte Neumayer. "Denn neben der seit Jahren anhaltenden Erosion der heimischen Wettbewerbsfähigkeit wurde in jüngerer Zeit das Vertrauen in den Standort durch eine Serie diskretionärer wirtschafts- und fiskalpolitischer Interventionen erheblich reduziert. Die dadurch ausgelöste Investitionsschwäche trübt die mittel- und langfristigen Wachstumsaussichten Österreichs und veranlasst die Investorinnen und Investoren zur Absenkung ihrer Absatzerwartungen. Dies wiederum macht eine Revision der Investitionspläne erforderlich, welche die Investitionsschwäche in Österreich abermals verschärft. Naturgemäß kostet das wiederum dringend benötigte Arbeitsplätze", so der IV-Generalsekretär.

Diesem vorgezeichneten Abgleiten in die Dauerkrise sei entschlossen entgegenzuwirken. "Sollte es nicht gelingen, der Abwärtsspirale zu entkommen, wird die noch vor wenigen Jahren unwirklich erscheinende historische Negativrekordmarke einer halben Million arbeitsloser Personen in Österreich trotz eines Konjunkturaufschwunges im übrigen Europa überschritten werden" so Neumayer. Helmenstein: "Inzwischen droht Österreich für den Erhalt und den Ausbau seines Kapitalbestandes die erste wirtschaftlich verlorene Dekade in Friedenszeiten."

Der Wert des IV-Konjunkturbarometers, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, erholt sich moderat nach +14 Punkten im Vorquartal auf nunmehr +18 Punkte. Zum selben Zeitpunkt des Vorjahres lag der betreffende Wert deutlich höher bei +26 Punkten, obwohl sich das konjunkturelle Umfeld in Europa insgesamt - angefangen vom Rohöl- und Rohstoffpreisniveau über den Euro-Wechselkurs bis zu den Finanzierungsbedingungen - derzeit günstiger als vor einem Jahr präsentiert. Dies unterstreicht die Einschätzung, dass vor allem Austriaca die konjunkturelle Schwäche bedingen, zumal die aktuelle Geschäftslage mit einem Wert von +22 Punkten sogar um 6 Punkte schwächer als noch vor einem Quartal eingeschätzt wird. Hingegen setzt sich bei der zweiten Komponente des Konjunkturbarometers die Aufwärtstendenz fort. Per saldo legen die Geschäftserwartungen um 13 Punkte zu, sodass erstmals nach einem Dreivierteljahr die Anzahl der Unternehmen, die eine Verbesserung der Geschäftslage erwarten, die Zahl derjenigen überwiegt, die mit einer Verschlechterung der Lage rechnen.

Während sich die Stimmungslage auf Sicht eines halben Jahres somit etwas aufhellt, lassen sich aus der Entwicklung der Auftragsbestände nach wie vor keine Hinweise auf eine Dynamisierung des Geschäftsganges ableiten. Die Gesamtauftragsbestände verharren nun schon seit einem Jahr auf einem mäßigen Niveau (Saldo +28 Punkte nach +30 Punkten im Vorquartal). Trotz der Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung und der daraus resultierenden absatzseitigen Preisvorteile bildet sich der Saldo der Auslandsaufträge sogar auf einen Wert von +27 Punkten nach zuvor +31 Punkten zurück.

Im Einklang mit der gedämpften Auftragslage gestalten die Unternehmen ihre Produktionsplanung weiterhin vorsichtig. Der saisonbereinigte Wert für die Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten legt auf +10 Punkte (nach +4 Punkten) zu und erreicht damit nahezu dasselbe Niveau wie vor einem halben Jahr.

Verhaltene Produktionserwartungen, eine abnehmende Auftragsreichweite und der zur Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit erforderliche Produktivitätsfortschritt ließen weitere Beschäftigungsverluste erwarten, doch werden diese durch die etwas günstiger als zuletzt eingeschätzten Perspektiven für den Geschäftsgang in sechs Monaten aufgewogen. Dementsprechend setzt sich der seit dem Herbst des Vorjahres zu beobachtende Beschäftigungsabbau praktisch nicht mehr fort. Der Saldo für den Beschäftigtenstand verbessert sich von -15 Punkten auf nunmehr -2 Punkte.

Unverändert ist die Situation bei den Verkaufspreisen. Hier schlagen sich nach wie vor die international weiterhin vorhandenen Überkapazitäten in einem äußerst hohen Preisdruck nieder (Saldo von 12 Punkten nach -14 Punkten im Vorquartal).

Im Einklang mit einer mäßigen Mengenkonjunktur und dem hohen Druck auf die Verkaufspreise fällt die aktuelle Ertragslage nach einer rohstoffkostenbedingten Entspannung im Vorquartal wieder auf das bereits seit zwei Jahren anhaltend niedrige Niveau zurück. Auf Sicht von sechs Monaten erwarten die Respondenten in Übereinstimmung mit der konjunkturellen Stimmungslage eine leicht verbesserte Ertragsentwicklung. Der Saldo für die Ertragsaussichten steigt von -2 Punkten auf +9 Punkte - zum selben Zeitpunkt des Vorjahres betrug dieser Wert +17 Punkte. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zuversicht somit auch bei den Ertragserwartungen markant abgenommen.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 411 Unternehmen mit rund 244.700 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung:
den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible "Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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