ÖAMTC: Ankommen statt Umkommen – Fit für unfallfreies Motorradvergnügen

Motorradunfälle vermeiden durch richtige Selbsteinschätzung und regelmäßiges Training

Wien (OTS) - Endlich wieder trockene Straßen, Sonne und motorradausflugsfreundliche Temperaturen. Die pure Freude am Motorradfahren kann aber durch einen Unfall schnell nachhaltig getrübt werden. "Alleine im vergangenen Jahr wurden die Teams der 16 ÖAMTC-Notarzthubschrauber nach 355 Motorradunfällen alarmiert", zieht ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold Bilanz. "Bei 17 kam jedoch jede Hilfe zu spät." Auch heuer verunglückten bereits sechs Motorradfahrer tödlich (Stand 19.4., Motorrad und Leichtmotorrad; Quelle: BMI). Generell gilt, dass Risiken nie ganz ausgeschaltet werden können. Mit der richtigen Einstellung und regelmäßigen Trainings können sie jedoch nachhaltig minimiert werden. "Dabei unterstützen beispielsweise die unterschiedlichen Motorrad-Kurse in den ÖAMTC Fahrtechnik Zentren", erklärt Schmerold. "Jedes Jahr lernen auf diesem Weg etwa 13.000 Teilnehmer mehr über die Grenzen ihrer Maschinen und ihrer fahrerischen Möglichkeiten."

Noch immer endet eine Motorradausfahrt viel zu oft in einer gesundheitlichen Katastrophe. Die Aufzeichnungen der ÖAMTC-Flugrettung zeigen, dass Unfallopfer bei einem Sturz nur selten eine einzige Verletzung erleiden. "Bei knapp drei Viertel waren mehrere unterschiedliche Körperregionen betroffen", erläutert ÖAMTC-Notarzt Robert Mosser, der 338 Einsätze aus dem Jahr 2014 näher analysiert hat. Demnach sind Verletzungen der Extremitäten bei Bikern besonders häufig. "Das Spektrum reicht dabei von 'harmlosen' Brüchen über komplizierte Mehrfachfrakturen bis hin zu Abtrennungen", führt Mosser aus. Etwas weniger als ein Drittel der Patienten (108) erlitt Verletzungen des Brustkorbes. Dazu zählen schmerzhafte, aber weitgehend ungefährliche Rippenbrüche ebenso wie Gefäßverletzungen der Herzadern. Trotz Helm mussten 112 Biker wegen Kopfverletzungen versorgt werden. "Der Kopfschutz hat in vielen Fällen zumindest einen Teil der Aufprallenergie absorbiert und somit die Schwere der Verletzung verringert", ergänzt der ÖAMTC-Notarzt. Bei 22 Prozent wurde die Wirbelsäule bei einem Sturz in Mitleidenschaft gezogen. Bei einer Motorradfahrt kann aber gerade auch leichte Kleidung fatale Folgen haben. "Bei einem Ausrutscher kann die Haut bis auf den Knochen weggescheuert werden", warnt Mosser vor Leichtsinnigkeit. "Die richtige Bekleidung kann Verletzungen vielleicht nie ganz verhindern, diese jedoch beträchtlich abmildern."

Die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer ist sich ihrer fehlenden "Knautschzone" durchaus bewusst. Daher schützen sie sich mit adäquater Bekleidung und einem Sturzhelm. "Für die Ersthelfer nach einem Motorradunfall wird ein Helm jedoch psychologisch manchmal zu einem Problem", weiß der ÖAMTC-Notarzt. Neben unwahren Schauergeschichten wird auch immer wieder ins Treffen geführt, dass der Verunfallte bereits eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule haben und ein falscher Griff zu einer Lähmung führen könnte. "Unter bestimmten Umständen kann das zwar zutreffend sein", klärt Mosser auf. "Nimmt man aber den Helm nicht ab, sind die Risiken bei weitem größer." Denn ist der Verunfallte bewusstlos, kann seine Atmung nicht kontrolliert und auch Erbrochenes nicht entfernt werden. "Ohne Hilfe droht er dann zu ersticken", verdeutlicht der ÖAMTC-Notarzt.

Prävention durch Fahrzeugbeherrschung und Gefahrenbewusstsein

Viele Unfälle könnten durch entsprechenden Schutz, Fahrzeugbeherrschung und Kenntnis über mögliche Unfallursachen jedoch vermieden oder zumindest die Unfallschwere drastisch gemildert werden. "Die größte Gefahr beim Motorradfahren ist der ungeübte Fahrer", bringt es Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik, auf den Punkt. "Wer wenig Übung hat, macht Fehler, schätzt Gefahren falsch ein und kann nicht adäquat reagieren." Die Statistik belegt: Ein Drittel aller tödlichen Motorradunfälle sind Alleinunfälle, ausgelöst durch einen Fahrfehler des Bikers. "Die Fahrer kommen in der Kurve von der Straße ab - durch unangepasste Geschwindigkeit, eine falsche Fahrlinie und Blicktechnik. Oder sie stürzen, z. B. durch Schreckbremsungen oder Bremsen in Schräglage."

Bei Kollisions-Unfällen wird der Motorradfahrer vom Unfallgegner oft übersehen. "Typische Unfallsituationen entstehen, wenn Linksabbieger einen entgegenkommenden Biker übersehen, oder wenn Autofahrer, die zum Überholen ansetzen, ein Motorrad, von dem sie gerade überholt werden, nicht wahrnehmen, weil es sich im 'toten Winkel' befindet", erklärt der ÖAMTC Fahrtechnik-Profi. Ebenfalls häufig sind Unfälle an Kreuzungen, wenn das Motorrad durch andere Verkehrsteilnehmer verdeckt wird. "Doch auch hier sind - abseits von der Schuldfrage - die Biker selbst gefordert. Denn wer als Motorradfahrer mit derartigen Situationen rechnet, kann oft einen Unfall vermeiden. Die häufigsten Fehler von Motorradfahrern bei Kollisionen passieren aus falscher Gefahreneinschätzung oder im Überraschungsmoment."

Kurvenfahren, Notbremsen, Ausweichen - Training macht sicher

Richtiges Kurvenfahren, Notbremsungen und Ausweichmanöver müssen regelmäßig trainiert werden, damit man in einer Gefahrensituation automatisch reagieren kann. Sie sind daher fixer Bestandteil aller Motorrad-Trainings in den ÖAMTC Fahrtechnik Zentren. "Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, muss sein Gerät beherrschen, sich möglicher Risikosituationen bewusst sein und Reserven halten, damit man im Ernstfall noch reagieren kann. So kann z. B. ein geübter Fahrer einem Hindernis in einer Kurve ausweichen, ohne von der Straße abzukommen, und auch Fahrfehler anderer Verkehrsteilnehmer ausgleichen", betont der Motorrad-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik.

Gleichzeitig muss man auch Autofahrer vermehrt auf diese Gefahren sensibilisieren. "Autofahrer müssen mit Zweiradfahrern rechnen und beim Abbiegen und Spurwechseln besser zweimal schauen. Doch auch Biker sollten sich der Gefahr, übersehen zu werden, bewusst sein -helle, reflektierende Bekleidung hilft da."

Kopf drehen, andere sehen - ÖAMTC-Initiative für mobiles Miteinander

Ein Aufruf für mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr ist auch die ÖAMTC- Kampagne "Kopf drehen, andere sehen". Mit der Initiative appelliert der Club an die Eigenverantwortung aller Verkehrsteilnehmer, sich mit einem Blick nach links und rechts zu versichern, dass sie niemanden übersehen. Gegenseitige Rücksichtnahme und gesteigerte Aufmerksamkeit - egal, ob man mit Auto, Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist - erhöhen die Verkehrssicherheit.

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