Wiener Linien: So weiß die Tafel, wann die Bim kommt

Diesmal bringt die inwien.at-Serie stadtUNbekannt Licht ins Dunkel der Anzeigentafeln, die bei 5.000 oberirdischen Öffi-Haltestellen Informationen für Fahrgäste liefern.

Wien (OTS) - Wenn Drago Jambrek zum Diensttelefon greift, weil er akustisch eine Störung der Straßenbahn 42 durchgibt, hört das nicht nur sein Kollege Ender Nar, sondern alle Fahrgäste dieser Linie. "Bei den ersten Durchsagen haben die meisten ein mulmiges Gefühl. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, dass halb Wien mithört", sagen die beiden Mitarbeiter der Wiener Linien. Dank moderner Technik sind zwei Arbeitsplätze für die so genannte Fahrgastinformation in der Leitstelle ausreichend. Sie sind im Direktionsgebäude der Wiener Linien in Erdberg untergebracht und rund um die Uhr besetzt.

Ob es sich um die geplante Ringsperre wegen des Vienna City Marathons handelt, um die plötzliche Erkrankung eines Fahrgastes oder um einen Rettungs- oder Polizeieinsatz - dafür gibt es vorgefertigte akustische Lautsprecherdurchsagen. So sind im Ernstfall besonders schnell Informationen für die Öffi-NutzerInnen verfügbar. Noch überwiegen aber die Live-Meldungen. Denn bei speziellen Störungen greifen die zwei Personen in der Fahrgastinformation zum Hörer. Und wenn es einen einzelnen Straßenbahnwagen oder Bus betrifft, können die FahrerInnen selbst durchsagen.

Etwa 2.000 Lautsprecher

Im 24-Stunden-Dienstrad beobachten jeweils zwei MitarbeiterInnen der Fahrgastinformation gemeinsam mit 13 weiteren KollegInnen über unzählige Bildschirme und Pläne das Geschehen. Insgesamt sind es 70 MitarbeiterInnen die sich im Dienstrad abwechseln, um die oberirdischen Fahrzeuge wie Straßenbahnen und Busse im Blick zu haben. In Wien gibt es rund 5.000 Öffi-Haltestellen an der Oberfläche: 1.100 für Straßenbahnen und 3.900 für Busse. Diese Stationen können über zirka 2.000 Lautsprecher beschallt werden. Dabei wird die Nachtruhe der AnrainerInnen respektiert und nur von 6 bis 22 Uhr durchgesagt.

Zusätzlich zur akustischen Kommunikation informieren die Wiener Linien über sichtbare Anzeigentafeln. "Unsere visuelle Fahrgastinformation (VFGI) wird von einem ausgeklügelten Computerprogramm gesteuert", sagt Johanna Wiesholzer, Referatsleiterin des Störungsmanagements der Wiener Linien. Vor allem innerstädtisch sind bei den Haltestellen mehr als 850 VFGI-Säulen gleichmäßig verteilt, 18 weitere sind in Planung und vier werden gerade gebaut.

Moderne Technik verbindet

Alle oberirdischen Fahrzeuge der Wiener Linien sind mit dem zentralen Leitrechner verbunden. So kann jede Bim und jeder Bus jederzeit an den einzuhaltenden Fahrplan angeglichen werden. Dahinter stehe das Rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) das mit dem aktuellen Fahrplan hinterlegt sei und zusätzlich mit den Zugnummern gefüttert werde. "Permanent werden diese Daten per Funk abgeglichen. So wissen wir ständig wo zum Beispiel der Zug Nummer 725 ist und ob er fahrplanmäßig unterwegs ist", weiß Wiesholzer.

Was war eigentlich vor RBL? "Früher war natürlich nicht so viel Verkehr und die Knotenpunkte und Stationen waren personell anders besetzt. Die Disponenten haben das Geschehen vom Fenster aus beobachtet und wenn ein Stau war, sind sie rausgelaufen und haben dem Fahrer gesagt, dass er jetzt kurz fahren soll, also eine Ausweichroute als die planmäßige Strecke. Das kann man sich heutzutage bei dem Verkehr und dem Intervall der Öffis gar nicht mehr vorstellen", erzählt die Referatsleiterin.

Innovation für bessere Orientierung

Immer wieder werden auch innovative Ideen getestet. Zum Beispiel ist seit kurzem eine neue Anzeigentafel bei der Haltestelle Rathausplatz am Ring gegenüber des Burgtheaters: Die Tafel kommuniziert mehrere Linien und ist mit einer Uhr ausgestattet. Auch die Tafel bei der Schlachthausgasse ist neu. Dort wird informiert, welche Wagennummer als nächstes abfährt. Und am Praterstern kennzeichnen neben der Linie auf der Anzeigentafel Buchstaben den Abfahrtssektor zur einfacheren Orientierung. Laut Wiener Linien sind solche Neuerungen kein Problem: "Die Wiener Fahrgäste lernen schnell".

Kein Paralleluniversum mit Geisterbus

Vergeht die Zeit beim Warten ohnehin schon individuell unterschiedlich, wird es durch die Minutenangaben der Anzeigen noch spannender. Denn eine Minute auf der Tafel ist nicht immer eine Minute auf der eigenen Uhr. "Einfach erklärt, ergibt sich die Abweichung von der Zeitangabe aufgrund des Verkehrsaufkommens. Die Anzeige gibt an, wann das nächste Fahrzeug abfährt, würde es sich ohne Verzögerung annähern", erklärt Johanna Wiesholzer. Wenn also beispielsweise nach einer Störung drei Busse hintereinander unterwegs sind, wird der zweite verzögert - er wartet dann bei Kreuzungen etwas länger - der letzte Bus in der Reihe wird möglicherweise umgeleitet. "Und dann kann es sein, dass die VFGI diesen kurzfristig noch anzeigt, obwohl er gar nicht zu der Haltestelle kommt", so Wiesholzer weiter. Mit dem "Noch-einmal-die-Türe-öffnen" sei das so eine Sache:
Die Wartenden bei der nächsten Haltestelle sind dankbar, dass das Fahrzeug pünktlich kommt, andere haben den Eindruck die Öffis fahren ihnen vor der Nase davon. Es allen 931 Millionen Fahrgästen pro Jahr recht zu machen, wäre eine Kunst, die auch die Wiener Linien nicht vermögen.

Mehr Informationen: www.wienerlinien.at

Fotos und Video: www.wien.at/pressebilder

Dieser und weitere Artikel der stadtUNbekannt-Serie:
www.inwien.at/stadtUNbekannt-Wiener-Linien-Anzeigentafeln.html

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