Flüchtlingsdrama: Samariterbund kritisiert halbherziges Vorgehen der EU

„Das reine Sicherheitsdenken, das Europa derzeit beherrscht, ist unmoralisch“, sagt Franz Schnabl, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs.

Wien (OTS) - "Wir müssen jetzt gemeinsam handeln! Es braucht endlich eine groß angelegte Seenothilfe. Das derzeit von der EU beschlossene Hilfskonzept ist mehr als halbherzig. Wir dürfen nicht länger tatenlos zu sehen, nun sind Zivilcourage und Menschlichkeit gefragt. Das reine Sicherheitsdenken, das Europa derzeit beherrscht, ist unmoralisch. Wir dürfen nicht länger zusehen, wie tausende Menschen vor Europas Grenzen elend ums Leben kommen", erklärt Franz Schnabl, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs.

Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs kritisiert die am gestrigen EU-Gipfel von den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beschlossene Ausweitung des Grenzüberwachungsprogramms Triton auf rund neun Millionen Euro heftig. Der Triton-Einsatz hat damit zwar das gleiche Budget wie das im vergangenen November eingestellte italienische Seenotrettungsprogramm "Mare Nostrum", jedoch einen geografisch viel zu eng gefassten Radius. Triton beschränkt seine Rettungsaktionen lediglich auf eine Dreißig-Meilen-Zone vor der EU-Küste. Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs fordert das Einsatzgebiet der EU-Seenotrettung auszuweiten. "Nur ein effektives Seenrettungsprogramm kann verhindern, dass sich solche Tragödien wie kürzlich in Zukunft vermeiden lassen", sagt Schnabl. "Gibt es bei den Gesprächen und Beschlüssen weiteren Zeitverlust, so wird großes Leid verursacht, tausende Menschen werden wieder im Mittelmeer sterben. Diese Verantwortung haben die Staats- Regierungschefs zu tragen. Das muss ihnen endlich Bewusst werden!"

Schnabl fordert zudem die schnellere Bearbeitung von Asylanträgen. 600.000 bis eine Million Menschen warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen. "Am Wichtigsten ist es jetzt, sich rasch auf einen gerechten Verteilungsschlüssel und faire und schnelle Asylverfahren zu verständigen und diese Maßnahmen auch umzusetzen."

"Der Samariterbund übernimmt in seinen Flüchtlingseinrichtungen Verantwortung. Bis zur Aufnahme der Flüchtlinge in unseren Einrichtungen haben die Menschen auf der Flucht bereits Unvorstellbares erlebt. Sie brauchen unsere Hilfe", so Schnabl. "Raschere Asylverfahren sind daher wichtig; besonders für die Altersgruppe zwischen 14 und 18 Jahren, für die es in Österreich noch besonders wenig Unterbringungs- und Betreuungseinrichtungen gibt. Das ist nicht nur im Sinne der Flüchtlinge, sondern im Interesse unserer gesamten Gesellschaft", so Schnabl abschließend.

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