SPÖ-Klubtagung (4): Soziale Frage bei Industrie 4.0 berücksichtigen

Verbreiterung der Bemessungsgrundlage und Arbeitszeitverkürzung zum Thema machen

Wien (OTS/SK) - Im Rahmen der Frühjahrstagung des SPÖ-Parlamentsklubs fand Montagvormittag eine Diskussionsrunde zu den Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Arbeitswelt und Wirtschaft statt. Dabei diskutierten Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Verkehrs- und Technologieminister Alois Stöger, SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter, SPÖ-Industriesprecher Rainer Wimmer und die Vizerektorin der TU Anna Steiger: "Industrie 4.0 bringt maßgebliche Veränderungen für die Zukunft der Arbeitswelt mit sich. Zentrale Herangehensweise der Sozialdemokratie ist es, diese industrielle Revolution als keine rein technische, sondern vor allem als soziale Herausforderung zu verstehen. Dabei soll das Wohl aller Menschen im Mittelpunkt stehen", waren sich die DiskutantInnen einig. ****

"Industrie 4.0 ist fokussiert auf die Produktion. Wenn schwere menschliche Arbeit durch Roboter ersetzt wird, sehen wir das grundsätzlich positiv. Soziale Auswirkungen von Technologie finden permanent statt. Wir müssen uns allerdings dafür einsetzen, die technischen Verbesserungen zum Wohle aller einzusetzen", führte Hundstorfer aus und schloss daraus: "Seit Oktober 2014 sind wir bei über einer Million Teilzeitbeschäftigen. Der Trend ist steigend. Es stellt sich zunehmend die Frage, wie ein Sozialstaat aufrechterhalten werden kann, wenn sich Arbeitsformen weiterentwickeln. Deshalb müssen wir zukünftig auch eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage der Sozialversicherungsbeiträge diskutieren."

"Wir sind in Österreich weit vorne, was die Industriepolitik anbelangt. Wir sind an der Spitze im Industrieanlagenbau und bei Autozulieferern. Es gibt kaum eine Weltraummission, wo keine Teile aus Österreich dabei sind. Wir müssen in Zukunft Industrie 4.0 in Österreich halten", zeigte sich Stöger zufrieden. "Wir müssen auf unsere Stärken aufbauen: Die Einbeziehung der sozialen Frage macht Österreich stark. Deshalb ist es mir wichtig, diese nicht nur den TechnikerInnen zu überlassen, sondern alle Interessensgruppen -Sozialpartner, Unternehmen und TechnikerInnen -
miteinzubeziehen. Wir haben eine neue Plattform für Industrie 4.0 geschaffen, um uns mit diesem Thema auseinanderzusetzen."

"Durch die Arbeitsteilung im Fließbandprozess finden Produktionsschritte stark abhängig voneinander statt. Wenn ein Arbeitsschritt ausfällt, steht das gesamte System. Ein relativ filigranes System ist also auf die menschliche Kooperation angewiesen. Durch die 4. Industrielle Revolution verändert sich nun das System wieder grundlegend: Die Nutzung von Schwarmintelligenz ermöglicht gänzlich neue Produktionsformen. Die Trennung in White und Blue Collar Jobs fällt weg. Die nachgefragte Arbeit verändert sich", erklärte Matznetter und forderte: "Eine Million Teilzeitbeschäftigte, hunderttausende neue Selbstständige in Form von Ein-Personen-Unternehmen und die Generation Praktikum: Eine Art neues wachsendes Lumpenproletariat wird dadurch hergestellt. Wir wollen in Wien demonstrieren, was das rote Wien nach dem 1. Weltkrieg geschafft hat: Eine grundlegende Neugestaltung der Verhältnisse, bei dem die Menschen im Mittelpunkt des Gestaltungswillens stehen. Dazu wird Arbeitszeitverkürzung unerlässlich."

"In den europäischen Krisenländern, wo die Deindustrialisierung am weitesten fortgeschritten ist, herrschen die größten sozialen Probleme. Wir müssen in diesem Zusammenhang Mitbestimmung neu definieren", unterstrich Wimmer. "Das österreichische Arbeitsrecht ist europaweit am flexibelsten. Obwohl wir in der Arbeitslosigkeitsbekämpfung in Österreich europaweit an der Spitze sind, haben wir gleichzeitig mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Wir müssen unsere Ausbildungssysteme für die Welt von Industrie 4.0 fit machen und brauchen gleichzeitig Perspektiven für jene, die mit den neuen Qualifikationsanforderungen nicht mithalten können. Jede industrielle Revolution hat dazu geführt, dass Menschen weniger arbeiten mussten. Wenn es möglich ist, dass man mit weniger Menschen mehr Wertschöpfung erzielt, dann muss die Arbeit auf mehr Menschen aufgeteilt werden. Elemente der Arbeitszeitverkürzung wie die Freizeitoption und die 6. Urlaubswoche für alle Beschäftigten sind Forderungen, die wir zukünftig verstärkt aufgreifen werden", betonte Wimmer.

2014 wurde vom Technologieministerium und der TU Wien die erste Pilotfabrik Österreichs für Maschinenbau, Fahrzeugbau, Hightech-Metallwaren und Umwelttechnologien gegründet, um die heimische Wirtschaft auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 zu unterstützen. "Kooperation zwischen Universität und Industrie sind hier besonders wichtig. Wir müssen gendersensible Technikentwicklung und Technikfolgenabschätzung speziell fördern. In den Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik haben wir nicht einmal zehn Prozent Frauen unter den Studierenden. Wir bemühen uns, intensiv junge Frauen in ihrem technischen Interesse zu bestärken. Hier sind zahlreiche Initiativen der Politik besonders wichtig, wie beispielsweise ‚FIT -Frauen in die Technik‘ von Frauenministerin Heinisch-Hosek, welches genau im entscheidenden Alter, der Pubertät, ansetzt", betonte Steiger. (Schluss) bj/ll/ve

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