„Kulturmontag“ am 20. April: Der kleine Prinz, John Cleese und Geschichtsaufarbeitung türkischer Künstler

Außerdem: TV-Premiere für soeben bei NY Festivals ausgezeichnete Kulturdokumentation „Zeichnen gegen das Vergessen“

Wien (OTS) - Clarissa Stadler blickt im "Kulturmontag" am 20. April 2015 um 22.30 Uhr in ORF 2 auf das Geschäft mit dem kleinen Prinzen -denn nach Ablauf der Urheberrechte setzt die Marketingmaschinerie rund um den Weltklassiker von Antoine de Saint-Exupéry wieder voll ein: Neuübersetzungen, Kinoadaptionen, Hörbücher bestimmen das Geschäft mit dem Sternenkind. Ebenfalls voll im Geschäft ist John Cleese. Seine Memoiren "Wo war ich noch mal?" sind auf dem Weg zum Bestseller - im "Kulturmontag" erzählt der Monty-Python-Star über sein Leben. Anlässlich des hundertsten Jahrestags des Massenmords an den Armeniern schaut der "Kulturmontag" in die Türkei und hat Künstler und Intellektuelle der Istanbuler Kunstszene aufgesucht, um zu erfahren, wie sie die dunkle Vergangenheit des Landes aufarbeiten.

Apropos Aufarbeitung: Nach dem Magazin steht die Kulturdokumentation "Zeichnen gegen das Vergessen" auf dem Programm (ca. 23.05 Uhr) Die Doku von Bärbel Jaks, vorgestern in New York mit drei "Gold World Medals" ausgezeichnet, zeigt Manfred Bockelmann und seine gleichnamige Porträtserie, mit der der österreichische Maler und Fotograf die unzähligen Kinder und Jugendlichen, die in den Jahren seiner Geburt und Kindheit dem Naziterror zum Opfer fielen, dem Strom des Vergessens entreißen will.

Herzens-Sache: Der kleine Prinz ist frei - Das Geschäft mit dem Sternenkind nach Ablauf der Urheberrechte

"Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" - ein Satz, millionenfach in Stammbüchlein verewigt, offiziell in 270 Sprachen und Dialekte übersetzt und bei einer nicht erfassbaren Zahl von Trauungen ausgesprochen. Er ist der surrealen Geschichte um einen kleinen Asteroidenbewohner entnommen, der in der Wüste landet und sich ein Schaf wünscht. "Der kleine Prinz" wird seit Jahrzehnten als philosophische Offenbarung gepriesen - und als unsäglicher Kitsch abgetan. Vor etwas mehr als 70 Jahren kehrte sein Schöpfer, der französische Aristokrat, Hasardeur, Kriegsreporter und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry von einem Aufklärungsflug nicht mehr heim. Mit Erlöschen des Urheberschutzes ist der kleine Prinz jetzt frei - das verheißt weniger neue interstellare Weisheiten als vielmehr ein klingendes Geschäft. Ein Wettlauf aller großen Verlagshäuser um Neuübersetzungen hat begonnen - die Resultate können mitunter recht ungelenk daherkommen: "Guck mit dem Herzen. Was die Augen sehen, reicht nicht, um das, worauf es ankommt, zu verstehen", formuliert etwa Thomas Pigor. Auch sonst läuft die Marketingmaschinerie auf Hochtouren: Hörbücher werden eingelesen, frisch animiert kommt er demnächst in die Kinos. Der "Kulturmontag" über das Geschäft mit dem kleinen Prinzen.

Lach-Erfolg: John Cleese im Interview - Der geniale Spötter legt seine Erinnerungen vor

Er ist das, was man als popkulturelle Ikone bezeichnet: John Cleese, der perfekte Gentleman, der in Formvollendung Geschmacklosigkeiten platziert und bitterböse Pointen zündet - der Inbegriff tiefschwarzen britischen Humors. Ein Schlüssel zu eben jenem sei die Angst seiner Landsleute vor Peinlichkeit, sagt Cleese. Eben diesem Gefühl verdankt er auch seinen Namen: Seinem Vater war der ursprüngliche Nachname Cheese - Käse - schlicht zu peinlich. Spätestens seit die BBC 1969 die erste Episode von Monty Python’s Flying Circus ausstrahlte, ist Cleese ein Weltstar. Weil er nach einem Scheidungskrieg in finanzielle Nöte geriet, ist der 75-Jährige zur Freude seiner Fans in jüngster Zeit äußerst produktiv. Die erste der Reunion-Shows von Monty Python war im Vorjahr binnen 45 Sekunden ausverkauft, als Bestseller lassen sich jetzt seine Memoiren an: "So, Anyway ...", zu Deutsch "Wo war ich noch mal?", wird von Rezensenten als "explosiv komisches Meisterwerk" gelobt. Cleese schildert seine Jugend im "öden Ferienort" Weston-super-Mare als Sohn eines Versicherungsmaklers und einer dominanten Mutter, erste Erfolge als Komiker in Cambridge und die erste Tour, die ihn von Australien direkt an den Broadway führte. Überraschenderweise endet die Erinnerung vor dem Welterfolg mit Monty Python - das lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Der "Kulturmontag" hat John Cleese zum Interview getroffen.

Tabu-Thema: Der Massenmord an den Armeniern - Die türkische Zivilgesellschaft ist der Politik voraus

"Religiöser und kultureller Fanatismus", "beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus": Die Regierung der Türkei und ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan geben sich empört über den Papst und die EU-Resolution, den Völkermord an den Armeniern einzugestehen. Vor 100 Jahren - am 24. April 1915 - brach der Massenmord los. An diesem Tag wurden im Osmanischen Reich Hunderte armenische Intellektuelle festgenommen und später exekutiert. Bis 1917 wurden bis zu eineinhalb Millionen Armenier ermordet. Offiziell beschuldigte man sie als Kollaborateure der russischen Feinde. Doch wollte die fanatische politische Führung ganz Anatolien von Christen säubern. Und man hatte es auf das Vermögen wohlhabender Armenier abgesehen. Den Mord an den Armeniern als Genozid zu bezeichnen, ist zumindest theoretisch weiterhin in der Türkei strafbar. Doch die Zivilgesellschaft ist der offiziellen Politik des Landes voraus. In der Istanbuler Kunstszene ist die Auseinandersetzung mit dem Thema in vollem Gang. Der "Kulturmontag" hat Künstler und Intellektuelle aufgesucht, die die dunkle Vergangenheit des Landes aufarbeiten.

Die Massaker an den Armeniern sind auch Thema in der "Orientierung" am Sonntag, dem 19. April, um 12.30 Uhr in ORF 2.

Kulturdokumentation "Zeichnen gegen das Vergessen"

Beim New York Film Festival wurde der Film von Bärbel Jaks vorgestern in drei Kategorien (Dokumentation, Kamera, Musik) mit der höchsten Auszeichnung - der "Gold World Medal" - bedacht, am Montag, dem 20. April 2015, feiert "Zeichnen gegen das Vergessen" im "Kulturmontag" ab ca. 23.05 Uhr in ORF 2 in einer eigenen Fernsehfassung TV-Premiere: Manfred Bockelmann, österreichischer Maler und Fotograf, will die unzähligen Kinder und Jugendlichen, die dem Naziterror zum Opfer fielen, dem Strom des Vergessens entreißen. Er gibt ihnen wieder ein Gesicht. Mit Kohlestift auf grober Juteleinwand lässt er in horizontalen Linien ein übermanngroßes Porträt nach dem anderen entstehen. Erschütternde Bilder zeigt die Dokumentation in großer Nähe zu einem Künstler, der genau hinschaut, wo andere die Augen schließen. Der Film, den der ORF im Rahmen seines Programmschwerpunkts "Österreich ist frei!" zu den Republiksjubiläen 2015 präsentiert (Details unter http://presse.ORF.at), dokumentiert die Entstehung der gleichnamigen Werkreihe Bockelmanns und erinnert nicht nur an die ermordeten Kinder, sondern zugleich, mit den erschütternden Geschichten, an diejenigen, die überlebten und mit dem Unbegreiflichen bis heute leben. (Mehr zum Inhalt unter http://presse.ORF.at)

Der "Kulturmontag" - produziert in HD - wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

Das gesamte TV-Angebot des ORF - ORF eins, ORF 2, ORF III sowie ORF SPORT + - ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0009