„dok.film“-Präsentation „Aus den Trümmern“: Filmische Aufarbeitung von Österreichs kulturellem Neubeginn nach 1945

Doku von Nadia Weiss mit letztem TV-Interview von Udo Jürgens feiert TV-Premiere am 26. April in ORF 2

Wien (OTS) - Frühjahr 1945: Das nationalsozialistische Österreich wird von den alliierten Streitkräften nach und nach besetzt. Auf Tage des Chaos, der Angst, aber auch der Freude folgen Monate und Jahre, in denen die Bevölkerung langsam begreift, dass der Krieg tatsächlich zu Ende ist. Es beginnt eine Identitätssuche in den Trümmern, die ein verbrecherisches Regime hinterlassen hat, und eine allmähliche Annäherung zwischen Tätern und Opfern. Nadia Weiss beschreibt in ihrer ORF-Dokumentation "Aus den Trümmern" diese Periode des Übergangs: Zeitzeugen aus dem Kunst- und Kulturbereich erzählen aus sehr persönlicher Sicht vom Jahrzehnt zwischen Neubeginn des Kulturbetriebs nach Jahren der Diktatur und dem österreichischen Staatsvertrag - darunter auch der kurz vor Weihnachten 2014 verstorbene Udo Jürgens, der für den Film sein allerletztes TV-Interview gab.

Gestern, am Donnerstag, dem 16. April 2015, wurde der Film, für den von August bis Dezember 2014 an Schauplätzen in Wien und Niederösterreich gedreht wurde, im Novomatic-Forum in Wien präsentiert. Produzent Norbert Blecha und Regisseurin Nadia Weiss freuten sich über die Anwesenheit von "Hausherrin" Novomatic-Marketingchefin Aleksandra Izdebska sowie zahlreicher Ehrengäste, darunter die für den Film interviewten Zeitzeugen Lotte Tobisch, Senta Wengraf, Gustav Peichl und Karl Merkatz. Weiters u. a. der Präsident des Pensionistenverbandes, Karl Blecha, Herausgeber Christoph Dichand, Robert Dornhelm, ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz und ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl.

Die TV-Premiere von "Aus den Trümmern", die der ORF im Rahmen des Zeitgeschichte-Schwerpunkts "Österreich ist frei" ausstrahlt (Details auf presse.ORF.at) ist am Sonntag, dem 26. April, im "dok.film" um 23.05 Uhr in ORF 2 zu sehen. 3sat zeigt die Produktion am Samstag, dem 9. Mai, um 21.55 Uhr. In ORF III wird sie am Montag, dem 18. Mai, um 21.55 Uhr ausgestrahlt.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "Es gehört zum gelebten Selbstverständnis des ORF, im Jahr der zahlreichen Republiksjubiläen alle Facetten der prägenden Ereignisse der jüngeren Geschichte Österreichs auszuleuchten. Besonders wichtig erscheint es mir in diesem Zusammenhang, die Historie unseres Landes anhand persönlicher Schicksale und Lebenslinien zu erzählen. Gerade im Kunst- und Kulturbereich spiegelt sich die Identitätsfindung Österreichs mit allen Bruchlinien wider. Der Dokumentation von Nadia Weiss gelingt die Veranschaulichung des Neubeginns des kulturellen Österreichs dank zahlreicher hochkarätiger Interviewpartner eindrucksvoll. ‚Aus den Trümmern‘ ist ein wesentlicher Beitrag zum trimedialen Schwerpunkt ‚Österreich ist frei‘ - mit mehr als 190 Stunden Programm einer der größten in der Geschichte des ORF."

ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl erinnerte daran, wie wichtig es ist, einen Film wie "Aus den Trümmern" zu produzieren: "Am traurigen Umstand des Ablebens von Udo Jürgens während der Dreharbeiten erkennt man die Notwendigkeit des Aufzeichnens von Erinnerungen für die junge Generation. ‚Aus den Trümmern‘ macht das Leid, aber auch die Kraft des Neubeginns nach 1945 wieder erlebbar. Das ist zu einem Großteil den sehr hochkarätigen Zeitzeugen geschuldet, die für den Film gewonnen werden konnten. Statements wie Arik Brauers ,Nach Ausschwitz nur Kultur‘ verdeutlichen, dass Kunst und Kultur nach der Stunde null für viele Menschen eine Brücke bildeten - eine Brücke zurück ins Leben."

"Aus den Trümmern": Arik Brauer, Ingrid Burkhard, Friedrich Cerha, Udo Jürgens, Erich Lessing, Karl Merkatz, Gustav Peichl, Lotte Tobisch, Peter Weck und Senta Wengraf erinnern sich

Die Auswahl der Interviewpartner im Film erfolgte aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kultur: Film, Musik, Theater, Architektur und Malerei. Bedeutende Künstler/innen und Publikumslieblinge wie Lotte Tobisch, Karl Merkatz, Udo Jürgens, Ingrid Burkhard, Arik Brauer, Peter Weck, Senta Wengraf, Erich Lessing, Gustav Peichl und Friedrich Cerha blicken mit ganz persönlichen Eindrücken und Erinnerungen auf einen wesentlichen Teil ihrer Vergangenheit zurück, der den Aufbruch in eine neue Zeit markiert. Sie bieten damit, jenseits der tradierten Geschichtsbilder der Nachkriegsjahre in Österreich, die einzigartige Möglichkeit, ganz nahe am Erleben jener Jahre teilzuhaben, die für die Gründung der Zweiten Republik so bedeutsam werden sollten.

Eine Periode des Übergangs voller Mangel, Angst, Unsicherheit - und Hoffnung

Die Befreiung von den Zwängen des Nationalsozialismus wird nach Kriegsende von vielen als Neubeginn erlebt. Endlich darf man wieder frei atmen. Die alliierten Besatzungsmächte kümmern sich um Lebensumstände, die die ersten zarten Pflänzchen eines wieder erwachenden kulturellen Lebens zulassen. So manches, was dabei zum Vorschein kommt, berührt zutiefst und lässt erahnen, wie schwierig, geprägt von Mangel, Angst und Unsicherheit, aber auch von der Hoffnung an eine bessere Zeit, diese Periode des Übergangs - nach Jahren der Diktatur bis hin zum österreichischen Staatsvertrag - für viele Menschen war.

Udo Jürgens: "Die Kunst ist nicht umzubringen, nicht einmal durch einen Krieg"

Udo Jürgens, der während der Dreharbeiten zu dieser Dokumentation starb, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Die Hoffnung drückt sich in der Kunst aus - und sie drückte sich in dieser Zeit ganz extrem aus. Die Kunst ist nicht umzubringen, nicht einmal durch einen Krieg." Auch während des Krieges gab es Kunst: Nur waren viele Bereiche und damit Kunstschaffende von der Kunst, wie die Nationalsozialisten sie verstanden, ausgeschlossen, wurden ob ihrer Kunst verfolgt und starben zum Teil dafür.

Lotte Tobisch: "Für jemanden, der kein Nazi war, der das alles nicht wollte, für den war die unmittelbare Nachkriegszeit eine wunderbare Zeit."

Arik Brauer: "Für mich war das Ende der Naziherrschaft der Unterschied zwischen Leben und Tod. Plötzlich gehe ich nicht mehr im Rinnsal mit einem Judenstern, sondern am Trottoir wie alle anderen. Das war derart überwältigend, dass alles andere keine Rolle gespielt hat, auch nicht der Hunger, der für alle Beteiligten vorhanden war."

"Aus den Trümmern" ist eine Koproduktion von Terra International (Produzent Norbert Blecha) und ORF (Hauptabteilung TV-Kultur), hergestellt mit Unterstützung von Filmfonds Wien und FERNSEHFONDS AUSTRIA.

"Aus den Trümmern" ist als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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