Sexualerziehung: Heftige Kirchenkritik für Ministervorschlag

Bischofskonferenz-Experte für Ehe und Familie, Reinprecht: Breite Debatte über Grundsatzerlass nötig - Vorschlag für "zeitgemäße Sexualerziehung" sei Paradigmenwechsel und Umgehung die Eltern

Wien, 17.4.2015 (KAP) Scharfe Kritik an den Vorhaben des Bildungsministeriums für die schulische Sexualerziehung hat das Institut für Ehe und Familie geäußert: Der vorgelegte Entwurf eines Grunderlasses weise zahlreiche Schwächen auf und sei "wertlose" Sexualpädagogik, die Kinder auf nicht altersgemäße Weise mit Pornografie konfrontiere und "auf leisen Sohlen vorbei an den Eltern" gehe, erklärte der Direktor der Einrichtung der Bischofskonferenz, Johannes Reinprecht, am Freitag gegenüber "Kathpress". Der Familienexperte forderte eine grundlegende Überarbeitung des Erlasses sowie eine "breite und offene Debatte" über dessen Inhalte und Hintergründe.

Ende März hatte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek den Entwurf eines neuen Grundsatzerlasses für "Zeitgemäße Sexualerziehung" in Österreich kommuniziert. Der von einem Expertenbeirat erstellte Vorschlag, der den derzeit gültigen Erlass von 1990 bzw. 1994 ersetzen soll, sieht u.a. Sexualerziehung als Bestandteil aller Unterrichtsfächer und schon ab dem Kindergarten vor. Rückmeldungen dazu konnten bis 10. April eingebracht werden.

Dass Sexualerziehung im neuen Entwurf nur noch als "Form der schulischen Bildung" definiert wird, ist laut Reinprecht ein "Paradigmenwechsel": Von Hauptverantwortungsträgern würden Eltern zu "bloßen Einflussfaktoren wie die Mitschüler oder andere Peers." Bildungspolitik müsse sich jedoch darum bemühen - besonders bei der Sexualpädagogik - die Eltern "zu stärken und nicht zu hintergehen", betonte der IEF-Direktor.

Laut Reinprecht wolle der Erlassentwurf unter Vorgabe des Missbrauchsschutzes die Kinder "eindeutig pornographischen Inhalten, die nichts mit einfühlsamer Sexualpädagogik zu tun haben und schon gar nicht altersgerecht sein können" aussetzen. Stark hinterfragte er zudem die Feststellung des Ministeriums, es sei "nicht Aufgabe der Schule, bestimmte Werte vorzugeben": Durchaus habe der Unterricht die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach sittlichen, religiösen und sozialen Werten mitzuwirken, zitierte er das aktuelle Schulorganisationsgesetz.

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