AK: 60 Prozent der ATX-Unternehmen zahlen 2015 mehr an die Aktionäre aus

Erwirtschaftete Gewinne sollen im Unternehmen verbleiben

Wien (OTS) - Die frisch veröffentlichten Bilanzen der börsenotierten Leitunternehmen im ATX zeigen für 2014 zum Teil deutliche Einbußen bei den Gewinnen. Trotzdem haben mehr als die Hälfte der Unternehmen ihre Dividenden gegenüber dem Vorjahr gesteigert. "Damit wird den Unternehmen wichtiges Kapital für Investitionen, Forschung und Entwicklung und Ausbildung der Beschäftigten entzogen" sagt Markus Oberrauter von der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien. 2014 werden bei diesen Unternehmen 83 Prozent der Jahresüberschüsse an die Gesellschafter verteilt, ein Fünftel der Unternehmen schütten sogar aus, obwohl sie Verluste geschrieben haben. Diese Unternehmen schütten ihre Dividenden unter Substanzverlust aus.

In Summe reduzieren sich die Gewinne aller 20 ATX Unternehmen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr dramatisch um neun Zehntel von 5,1 Mrd. Euro auf knapp 600 Mio. Euro. Gemessen am Anteil der Aktionäre bleiben nach Abzug von Minderheitenanteilen, Zinsen für Partizipationskapital und Hybridkapital, eigentlich nur mehr 7,9 Millionen Euro an den Aktionären zurechenbaren Gewinnen über. Mehr als ein Drittel der Unternehmen schrieb Verluste, ein weiteres Viertel musste deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen. Trotzdem erhöhen 60 Prozent der ATX-Konzerne ihre Dividendenzahlungen zum Teil beträchtlich. Aufgrund der Gewinneinbußen erreichen die Ausschüttungsquoten, also das Verhältnis zwischen Dividenden und zurechenbaren Gewinnen, mit durchschnittlich 82,8 Prozent ein absolutes Rekordmaß.

Die Ergebnisse in den einzelnen Branchen zeigen aber auch Unterschiede: Die sieben im ATX tätigen Industriekonzerne konnten trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ihre Gewinne in Summe leicht erhöhen. Obwohl Wienerberger und Lenzing 2014 Verluste einfahren, hat dies auf die Dividende keine Auswirkung - denn ausnahmslos alle 7 Industriekonzerne zahlen stattliche Divididenden. Nominell gesehen an der Spitze der Industrie steht die Voestalpine mit einer erwarteten Ausschüttung von 185 Mio. Euro (TOP 2 der Ausschüttungsliste).

Im Segment Banken schreiben die beiden Kreditinstitute (RBI und Erste) einen Verlust von knapp 2 Millarden Euro und die Aktionäre können heuer keine Dividenden lukrieren.
Die im ATX gelisteten Versicherungskonzerne Vienna Insurance Group AG und Uniqa Insurance Group AG können beide auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2014 zurückblicken, beide Unternehmen steigerten ihr Ergebnis. Sie schaffen es mit ihren Rekorddividenden von 179 Mio. Euro bzw. 129 Mio. Euro in die TOP 5 der Ausschüttungsrangliste.

Die betragsmäßig höchste Dividende findet sich bei der OMV AG mit rd. 408 Mio. Euro (TOP 1). Auch gemessen an der Auschüttungsquote liegt die OMV mit 114 Prozent an der Spitze. Das heißt, sie schüttet mehr als den erwirtschafteten Gewinn aus. Auch Verbund AG bringt trotz Gewinneinbruch und Reduktion der Dividende 2015 noch immer 101 Mio. Euro an Ausschüttungen auf die Waage.

Auch die Dividendenzahlungen 2015 bei den ATX-Konzernen der Daseinsvorsorge haben es in sich: Während die Arbeitsplätze ständig verringert werden, wird bei der Österreichischen Post AG Jahr für Jahr fast der gesamte Gewinn 1:1 als Dividende verpackt - 2015 gibt es eine Rekorddividende von 132 Mio. Euro und Platz 4 im Ranking. Auch die Telekom Austria AG lässt trotz Verlust von 200 Mio. Euro ihre Aktionäre nicht ohne den Schutzschirm einer Dividende im Regen stehen.

Im Immobiliensegment sind mit der Abspaltung der BUWOG seit September 2014 vier Immobilienkonzerne im ATX gelistet. Bei diesen derzeit hart umkämpften Immo-Konzernen ist in Summe mit Dividenden von 205 Mio. Euro zu rechnen.

Für die Arbeiterkammer zeigen die hohen Dividendenausschüttungen, dass kurzfristig orientiertes Renditedenken immer noch vorherrschend ist. Für eine Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich fordert die AK: "Das in den Betrieben erwirtschaftete Kapital muss auch dort wieder eingesetzt werden, nur so können die Arbeitsplätze in Österreich gesichert werden", so Oberrauter.

SERVICE: Den AK Dividendenreport finden Sie unter www.arbeiterkammer.at.

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