Caritas: „Armutsspirale bei Kindern durchbrechen!“

Landau und Schwertner: „Kinder müssen unserer Gesellschaft mehr wert sein.“ Caritas fordert österreichweites System an frühen Hilfen.

Wien (OTS) - 386.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren sind in Österreich von Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung betroffen. 124.000 Kinder und Jugendliche leben in Österreich laut EU Silc Statistik in manifester Armut. "In einem Land, das häufig als eines der wohlhabendsten Länder der Welt beschrieben wird, ist das ein unhaltbarer Zustand. Denn die Kluft zwischen arm und reich wird größer, nicht kleiner", kritisieren Caritas Präsident Michael Landau und Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien. Die Caritas ist Mitglied der Österreichischen Liga für Kinder-und Jugendgesundheit. "Wer die Armutsspirale bei Kindern durchbrechen will, darf nicht warten bis aus Kindern junge Erwachsene geworden sind", betont Schwertner. "Jeder Tag, den ein Kind in Armut verbringen muss, macht krank. Und jeder zusätzliche Tag in Armut erhöht das Risiko, tiefer in der Armutsspirale zu versinken und ein ganzes Leben in Armut zu führen."

Der Blick auf die Armutsstatistiken macht deutlich: Kinder unter zehn Jahren leiden in Österreich unter einem erhöhten Risiko, in einem ausgrenzungsgefährdeten Haushalt zu leben. Für sie liegt die Gefährdungsquote bei 23 Prozent. Und auch Jugendliche unter 20 Jahre sind mit einem Anteil von 22 Prozent überdurchschnittlich stark von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung betroffen (gegenüber 19 Prozent insgesamt). "Die Kinder von heute sind Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft, deshalb müssen wir jetzt handeln.", betont Landau. "Diesen Kindern keine Perspektive zu geben, stellt unserer Gesellschaft insgesamt ein Armutszeugnis aus."

Abhängig von Spenden und lange Wartezeiten

Die Caritas verweist in diesem Zusammenhang auf ihr Angebot der Familienberatung, bei dem Kinder und deren Eltern kostenlose psychosoziale Beratung bei Problemen, Krisen und Konflikten erhalten. "Wie in vielen anderen Bereichen auch, reicht auch hier die öffentliche Förderung nicht aus, um den laufenden Betrieb zu finanzieren", betont Schwertner. "Das Ergebnis ist, dass Eltern und ihre Kinder oft mehrere Monate auf einen für sie wichtigen Betreuungsplatz warten müssen. Und das ist gerade bei Kindern fatal, denn kindgerecht Helfen erfordert sofortiges Helfen. Abgesehen vom menschlichen Leid, ist es auch ökonomisch sinnvoller, rechtzeitig Unterstützung anzubieten, damit sich Krankheitsbilder oder problematische Verhaltensmuster nicht verfestigen." Die Caritas fordert daher ein österreichweites System an frühen Hilfen aus, um die Entwicklungsmöglichkeiten und Gesundheitschancen von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. "Wir müssen in der unmittelbaren und aufsuchenden Familienarbeit mehr Ressourcen investieren, um flexibler und auch längerfristig Familien unterstützen zu können."

Ähnlich das Bild auch bei Wiens mobilen Kinderhospiz Momo, das die Caritas vor zwei Jahren gemeinsam mit der Caritas Socialis und der mobilen Kinderkrankenpflege MOKI-Wien gegründet hat und das zu praktisch 100 Prozent mit Spenden finanziert werden muss. Landau:
"Momo wird immer dann gerufen, wenn passiert, was eigentlich nicht passieren dürfte: Wenn Kinder mit lebensbedrohlichen Krankheiten konfrontiert sind. In den ersten beiden Jahren des Bestehens konnten mehr als 70 Familien von Momo medizinisch, psychosozial und kostenlos begleitet werden. Doch die Nachfrage nach solchen Diensten übersteigt das Angebot in Österreich bei weitem."

Bildung ist die beste Armutsprävention

Abschließend fordern Landau und Schwertner deutlich mehr Tempo der Bundesregierung in Sachen Bildungsreform: "Diese Reform wird seit Jahrzehnten verschleppt. Als Caritas sehen wir aber in unserer täglichen Arbeit: Bildung ist die beste Armutsprävention. Je geringer die Bildung, umso höher die Gefahr von Armut betroffen zu sein. Noch immer wird Armut in Österreich vererbt! Wir benötigen eine Bildungsreform, die diesen Namen auch verdient", betonen die Vertreter der Caritas. Menschen mit Pflichtschulabschluss sind in Österreich heute viel stärker von Armut bedroht als Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen.

Während 19 Prozent der PflichtschulabsolventInnen armutsgefährdet sind, sind es nur elf Prozent der Personen mit Lehre und nur 13 Prozent MaturantInnen. "Wenn wir als Caritas heute in ganz Österreich mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen in 36 Lerncafés kostenlose Lernhilfe und Nachmittagsbetreuung bieten können, dann ist das nur die zweitbeste Lösung. Die beste Lösung wäre, wenn diese Lerncafés gar nicht nötig wären und diese Aufgabe von den Schulen selbst übernommen werden könnte." Ziel muss sein, dass jedes Kind, jeder Mensch auf die Bildungsreise mitgenommen wird, damit keine Begabung und kein Talent verloren ist.

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Martin Gantner
Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
Tel.: 01/87812-221 bzw. 0664/88 952 760
E-Mail: martin.gantner@caritas-wien.at

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