Faymann übt in ÖSTERREICH Kritik am Handling der Griechenland-Krise: "Athen, EU-Finanzminister und Hochfinanz müssen sich bewegen."

Kanzler im Interview: "Regierung Tsipras in ihrer Professionalität noch im Lernprozess" Aber: EU müsse flexibler sein - auch "ohne die Märkte vorher um Erlaubnis zu fragen".

Wien (OTS) - Im Interview für die Sonntag-Ausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH übt Bundeskanzler Werner Faymann Kritik am Handling der Griechenland-Krise.

Die Regierung Tsipras hätte zwar die Probleme "unterschätzt". Faymann: "Die Regierung ist in ihrer Professionalität sicher noch in einem Lernprozess. Sie hat maßlos viel versprochen und vielleicht selbst geglaubt, es halten zu können." Allerdings: "Wenn nun der Herr Schäuble beweisen will, dass er ein Vollprofi ist, und die in der griechischen Regierung lauter Anfänger, wird ihm das gelingen. Nur:
Ich kann keinen großen Sinn darin erkennen. Das löst die Probleme der EU und der Menschen in Griechenland kein bisschen. Wir haben keinen Grund zu feiern, dass wir so gut sind, wenn gleichzeitig Südeuropa in eine humanitäre Katastrophe schlittert. Das gemeinsame Europa lebt davon, dass der Nachbar nicht verhungert."

Alle Seiten müssten aufeinander zugehen. Faymann: "Die Griechen müssen sich bewegen, aber auch die Finanzminister und die europäische Hochfinanz hat das zu tun. Wir werden uns Europa nicht von der Finanzwelt, die ja leider oftmals im Gegensatz zu uns Politikern, spektakulär und international perfekt vernetzt ist, zerstückeln lassen. Wir werden flexibler sein müssen und manchmal Ländern auch erlauben, sich nicht an die Maastricht-Kriterien zu halten, wenn diese glaubhaft versichern können, dass sie das Geld beispielsweise dringend für Investitionen in die Zukunft brauchen. Und das alles ohne vorher die Märkte um Erlaubnis zu fragen. Die Politik muss endlich wieder das Heft in die Hand nehmen und nicht nur jeden Morgen die Financial Times in die Hand nehmen und schauen, was die Märkte sagen."

Faymann glaube an eine Bewältigung der Krise, aber: "Es wird sehr oft große Risiken geben und die Zukunft Griechenlands wird auch noch einige Male an der Kante stehen."

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