Reaktion der TKG auf den Auftritt von Herrn Geert Wilders

Wilders Analyse: These,Antithese und Synthese

Wien (OTS) - Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)

Sachverhaltsdarstellung - Stellungnahme, Aufklärung und Kritik der TKG.

Die FPÖ lud für den 27.03.2015 den niederländischen Politiker und bekannten Islamkritiker Geert Wilders in die Wiener Hofburg ein, um einen angeblichen islamkritischen Vortrag zum Thema "Europas Bedrohung durch die Islamisierung" zu halten.

Dies sorgte bereits vorab für Diskussionen, Proteste und Befürchtungen von weiterer Islam-Hetze. Und Wilders liefert: Aussagen wie "Wir werden den Islam besiegen" schlagen hohe Wellen und spalten die Ansichten der Menschen auch geografisch: während innerhalb der Räumlichkeiten das Publikum jubelt, wird vor der Hofburg protestiert.

Wilders schlägt bei seiner Rede sehr eindeutig einen hetzenden, kulturrassistischen (Neo-Rassismus) und einen pauschalisierenden, agressiven Islam(Glaube)-feindlichen Ton an, der pauschalisierend alle MuslimInnen unter Generalverdacht stellt, quasi einer "Terror-Religion" anzugehören.

Mit seiner Argumentation hat Wilders kulturellen Rassismus durch Hetze gegen Moslems und insbesondere Menschen aus der Türkei geschürt und weiter ausgebaut (u.a. durch Verweise auf die Türkenbelagerung von 1683 und Ähnliches). Insbesondere das Wort "Patriotismus" wird im Munde Wilders ausgehöhlt und statt emotionaler Verbundenheit mit Rassismus und Hetze gefüllt. Das alles gut verpackt unter dem Deckmantel des Patriotismus, ist es eigentlich purer und primitiver, hetzender Neo-Rassismus gegenüber allen Türken in Österreich und ihrer Religion bzw. Religionsgemeinde.

Jeder wahre Patriot, egal ob links-liberal oder rechts-konservativ, sollte hier gegen diese Ausnutzung des Wortes "Patriotismus" Einspruch erheben. Denn in der Geschichte wurden die größten Verbrechen unter dem Vorwand von Vaterland, Fahne, Ehre, Nation, Glaube und Konfession getätigt. Europa ist in der Weltgeschichte Zentrum dieser Probleme gewesen und steht noch in Gefahr dieser Probleme, auch durch Ansichten wie jene des holländischen Hetzers, die sich nicht viel von denen der ISIS Terroristen bzw. denen des "Politischen Islams" nach unserer Meinung und Auffassung leider unterscheidet.

Man darf die schönsten Wörter, nämlich Freiheit und Patriotismus, nicht missbrauchen bzw. für sich beanspruchen, wie es Wilders tut! TKG verwehrt sich gegen diesen billigen Etikettenschwindel. Das gilt nicht nur für uns, sondern für alle, die glauben, das Patentrecht -oder gar Gottesrecht - auf die Begriffe Patriotismus, Freiheit und Ehre zu haben. Die Europäische Identität basiert für die TKG nicht nur auf Herkunft, Nationalität und Zugehörigkeit zu einer bestimmten (religiösen) Gruppe oder dem Abstammungsprinzip, sondern auf der Vernunft und dem Verstand und dem Hochhalten von gemeinsamen Werten, gegen die wir leider selbst in anderen Ländern oder an den Grenzen Europas täglich verstoßen.




Geert Wilders wirbt in Wien durch seine Rede unserer Meinung nach jedenfalls nicht für Patriotismus, sondern für puren "Neo-Rassismus" durch das Mittel der Verhetzung.

Es ist sehr bedenklich, wenn sich Wilders in der Hofburg auf das "jüdisch-christliche Erbe" beruft und dagegen Islam und seine Angehörigen pauschal stigmatisiert.

Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce. Passende Worte dazu fand dereinst der Journalist und Publizist Heribert Prantl in dem Artikel "Missbrauch der Juden durch die Politik" in der Süddeutschen Zeitung wie folgt: "Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten." (SZ, Heribert Prantl)

Übrigens: Interessant bei der Betrachtung der Beziehung von FPÖ (H.C. Strache) und dem Islamkritiker Wilders ist im übrigen auch die Tatsache, dass Strache vor nicht allzu langer Zeit in noch sehr distanzierten Tönen von Wilders sprach. So meinte Strache beispielsweise 2011 noch: "Ich halte Geert Wilders für ein Strohfeuer, das bald erlöschen könnte. Eine Zusammenarbeit strebe ich aufgrund seiner undifferenzierten Positionen zur Zeit nicht an", weiters könne Wilders aufgrund seiner radikalen Ansichten und Aussagen "für uns (die FPÖ) kein Partner sein".

Deswegen kann die Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG) hier in Wien solche hetzenden pauschalisierenden, KULTURELLENrassistischen(NEO-Rassimus) Aussagen gegenüber Menschen aus der Türkei und deren Glauben und Religion (Staatlich anerkannte Religionsgemeinde in Österreich - Sunniten und Aleviten) in Österreich von Wilders nicht unkommentiert lassen.

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