Umstrukturierung des Wiener Gesundheitssystems: Offener Brief der Ärztekammer an Gesundheitsstadträtin Wehsely und WGKK-Obfrau Reischl

Angestellte und niedergelassene Ärzte fordern Reformpartnerschaft mit Stadt Wien und WGKK – Szekeres: „Ansonsten haben wir einen ‚No Point of Service‘“

Wien (OTS) - Der Vorstand der Ärztekammer für Wien hat am Dienstagabend eine Resolution für eine Umstrukturierung des Wiener Gesundheitssystems beschlossen. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um neue Arbeitszeitmodelle in den Spitälern, die auch umfassende Auswirkungen auf das Kassensystem im niedergelassenen Bereich haben, fordern die Wiener angestellten und niedergelassenen Ärzte gemeinsam die Stadt Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse auf, in eine Reformpartnerschaft einzusteigen, um das Wiener Gesundheitssystem für die Zukunft weiterhin solidarisch zu gestalten. "Wenn nun nicht rasch gehandelt wird, stehen die Patientinnen und Patienten bald vor einem ‚No Point of Service‘", so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.****

Der Vorstand der Ärztekammer für Wien hat zudem weitere Geldmittel beschlossen, um allfällige Kampf- und Streikmaßnahmen sowie Kampagnen im Sinne der Spitalsärzteschaft und auch der niedergelassenen Ärzteschaft durchführen zu können.

Nachstehend der offene Brief im vollen Wortlaut:

"Sehr geehrte Stadträtin Wehsely,
sehr geehrte Obfrau Reischl,

die aktuellen Entwicklungen rund um neue Arbeitszeitmodelle in den Wiener Spitälern bedeuten nicht nur Leistungskürzungen und längere Wartezeiten in den Spitälern, sondern auch umfassende Auswirkungen auf das Kassensystem im niedergelassenen Bereich. Um die Versorgung der Wiener Bevölkerung vor den Herausforderungen des medizinischen Fortschritts, der Demografie der Bevölkerung unter Berücksichtigung von medizinischen Notwendigkeiten, der Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung bei den Ärztinnen und Ärzten und anderen Gesundheitsberufen, sowie einem möglichst effizienten Ressourceneinsatz öffentlicher Mittel weiterhin im bisherigen Niveau zu garantieren, fordern die Ärztekammer für Wien und ihre beiden Kurien der angestellten und der niedergelassenen Ärzte gemeinsam eine Umstrukturierung des Wiener Gesundheitswesens. Daher hat der Vorstand der Ärztekammer für Wien in seiner Sitzung am 31. März 2015 eine Resolution beschlossen.

Die Ärztekammer für Wien fordert in dieser Resolution die Stadt Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse auf, gemeinsam mit den niedergelassenen und angestellten Ärzten Wiens in eine Reformpartnerschaft einzusteigen, um das Wiener Gesundheitssystem für die Zukunft weiterhin solidarisch zu gestalten.

Die Umstrukturierung des Wiener Gesundheitswesens muss unbedingt folgende zentrale Maßnahmen beinhalten:
- Reduzierung der Rettungszufahrten zu Spitälern durch Ausbau des Ärztefunkdienstes
- Stärkung der Position der Hausärzte
- Vermehrung der Kassenplanstellen, vor allem im fachärztlichen Bereich durch mehr Gruppen- und Einzelpraxen zur Entlastung
der Spitalsambulanzen
- Strukturen, die ausreichend (fach-)ärztliches Personal in allen Abteilungen Wiens garantieren, um die Arbeitszeitgrenzen einzuhalten, die Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung zu reduzieren, und eine qualifizierte Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung zu garantieren
- eine gesicherte Ausbildung von künftigen Ärztinnen und Ärzten, u.a. durch eine gesicherte Lehrpraxisfinanzierung

Diese Maßnahmen können nur erreicht werden, wenn die beiden Hauptverantwortlichen des Wiener Gesundheitswesens, die Stadt Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse, diese Reformmaßnahmen gemeinsam mit der Ärzteschaft einleiten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Nur durch eine derartige Strukturveränderung im Wiener Gesundheitswesen wird es gelingen, dass die Versorgung der Bevölkerung weiterhin solidarisch gewährleistet ist und auch für die Ärzteschaft attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Wir ersuchen Sie, sich gemeinsam mit dem Vorstand der Ärztekammer für Wien zu einem solidarischen, sozialen Wiener Gesundheitswesen, in dem alle Patientinnen und Patienten unabhängig von ihrer sozialen Lage rasch nach dem State of the Art der Medizin durch Wiener Ärztinnen und Ärzte versorgt werden, zu bekennen und so rasch wie möglich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit für die Umstrukturierung des Wiener Gesundheitswesens mit uns zu starten.

Mit freundlichen Grüßen

MR Dr. Johannes Steinhart
Vizepräsident und Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte

Dr. Hermann Leitner
Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident"

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Ärztekammer Wien
Mag. Susanne Schönmayr
(++43-1) 51501/1407
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