Gewerkschaft vida: Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Sicherheit in der Luftfahrt!

vida-Schwarcz: „Tragischer Einzelfall darf nicht zu Diskreditierung einer ganzen Branche führen und Vorwand für totale Überwachung sein!“

Wien (OTS) - "Den tragischen Vorfall bei Germanwings als Rechtfertigung für völlig überzogene Datensammelwut zu missbrauchen, halte ich für untragbar und in höchstem Maße pietätlos", kritisiert Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luft- und Schiffverkehr in der Gewerkschaft vida. "Die Ermittlungen nach dem Germanwings-Absturz sind noch lange nicht abgeschlossen. Wenn dieses Ereignis zu einer Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht führt und als Vorwand dient, aus PilotInnen, FlugbegleiterInnen oder FluglotsInnen gläserne PatientInnen zu machen, wird das nicht zu mehr, sondern zu wesentlich weniger Sicherheit in der Luftfahrt führen!", findet der Gewerkschafter klare Worte.++++

Nur bei einer Schweigepflicht sei sichergestellt, dass PilotInnen, FluglotsInnen oder FlugbegleiterInnen ein Vertrauensverhältnis zu ihren FliegerärztInnen aufbauen und offen über ihren gesundheitlichen Zustand berichten können, betont Schwarcz: "Wenn ein Arzt von der Schweigepflicht entbunden ist, ist das Risiko hoch, dass Probleme verschwiegen werden, weil immer die Angst mitschwingt, dass umgehend der Arbeitgeber informiert wird und niemand weiß, wo die Daten letztlich landen." In diesem Zusammenhang erneuert Schwarcz die massive Kritik an der heimischen Flugsicherheitsbehörde Austro Control: "In Österreich werden nach flugmedizinischen Untersuchungen hochsensible, detaillierte Informationen von FliegerärztInnen elektronisch an die Austro Control weitergegeben, das ist untragbar. Alle medizinischen Daten sollen vertraulich beim Fliegerarzt bleiben, einzig die Information, ob ich flugtauglich bin oder nicht, soll weitergegeben werden dürfen", fordert der Gewerkschafter.

Die Austro Control sei noch dazu Arbeitgeber und Aufsichtsbehörde zugleich, kritisiert Schwarcz, von Beruf Flugbegleiter bei der AUA, weiter: "Austro Control Vorstandsdirektor Heinz Sommerbauer hat gestern selbst erklärt (Anm.: ZiB-Magazin vom 30.03.2015), er würde bei gesundheitlichen Problemen von Luftfahrtpersonal vorerst nur die Behörde, nicht aber den Arbeitgeber informieren. Bei der Austro Control ist aber genau diese Trennung alles andere als glaubhaft. Außerdem spricht Sommerbauer in diesem Interview von vier, sechs oder acht Ärzteaugen, die auf sensible medizinische Daten schauen sollen, hier kann von Verhältnismäßigkeit ja wohl keine Rede mehr sein", so Schwarcz.

Der vida-Gewerkschafter weist darauf hin, dass bei Gefahr im Verzug die ärztliche Schweigepflicht schon jetzt aufgehoben werden kann. Außerdem sehe auch die jüngste Umsetzungsrichtlinie der EU zu Flugtauglichkeitsüberprüfungen vom 13. März 2015 klar vor, dass die Daten vertraulich bei den FliegerärztInnen bleiben und nur die Information "fit to fly" oder "unfit to fly" weitergegeben wird: "Die österreichische Behörde mit ihrer Datensammelwut schießt schon bisher weit über das Ziel hinaus. Dass jetzt von einigen Stellen auch noch die Katastrophe bei Germanwings zur Rechtfertigung dafür herangezogen wird oder als Vorwand für weitere Eingriffe dienen soll, ist geschmacklos und wird von uns mit allen rechtlichen und gewerkschaftlichen Mitteln bekämpft werden!", so Schwarcz abschließend.

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