USA: Häfen an der Westküste am Weg zur Entspannung

Österreichische Logistikunternehmen rechnen mit Normalisierung der Geschäftsabwicklung in drei Monaten, Erhöhung der Frachtkosten und starken Jahr 2015

Wien (OTS) - "Die Häfen an der US-Westküste sind das Tor nach Asien und wickeln jährlich etwa ein Viertel des gesamten US-Außenhandels ab, das sind etwa eine Billion US-Dollar. Dementsprechend stark sind die Auswirkungen des neun Monate schwelenden Arbeitskonflikts an den 29 Häfen in den Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington State", berichtet Rudolf Thaler, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles. Die Folge waren verdorbene und abgelaufene Waren, Kfz-Hersteller transportierten dringend benötigte Ersatzteile per Flugzeug und der Einzelhandel kam mit seinen Sonderangeboten nicht rechtzeitig in die Regale. Nach Entsendung eines Vermittlers durch Präsident Barack Obama kam es am 20. Februar zu einer Einigung und Einleitung einer Entspannung der Stausituation. Thaler: "Eine etwaige Blockade der Häfen an der Westküste hätte der amerikanischen Wirtschaft einen geschätzten Schaden von 1,9 Mrd. USD pro Tag zugefügt."

Los Angeles und Long Beach sind mit 40% des US-Containerverkehrs die größten Häfen der USA. Sie haben den auch den gravierendsten Containerrückstau und bemühen sich um einen möglichst raschen Abbau. Vergangene Woche warteten nur mehr 18 Schiffe vor der südkalifornischen Küste auf einen Liegeplatz. Der Normalzustand werde in drei Monaten erreicht. Priorität haben die Reduktion der auf See ankernden Flotte und die Auflösung des Containerstaus im Hafen. 2014 war für die Häfen an der Westküste trotz der Beeinträchtigungen in Folge des Arbeitsdisputs ein geschäftsreicheres Jahr als 2013: Anteil an den Disruptionen haben auch strukturelle Herausforderungen im Hafenbereich. So wurden beispielsweise die Chassis zum Transport der Container an dritte Unternehmen ausgelagert, was Truckern das Aufspüren der passenden Chassis erschwerte.

"Österreichische Transportdienstleister und deren Kunden waren vom langsamen Pulsschlag der wichtigen Transportader an der US-Westküste durch längere Laufzeiten betroffen und reagierten mit Alternativrouten über die Ostküste oder Häfen am Golf von Mexiko", so Thaler. Stückgutverkehr wurde beispielsweise in New York auf Lkw verladen und teurer, aber schneller weitertransportiert. Container an der Westküste wurden am Landweg an die Ostküste und weiter nach Europa geschickt. Termingeschäfte wurden per Luftfracht abgewickelt. Mit einer Normalisierung des Containerstaus rechnet US-Regionaldirektor Johannes Mikula von Cargo Partner in etwa drei Monaten und in Folge knapper Kapazitäten mit einem Anstieg der Frachtraten von Europa nach USA von 20% bis 30%. Weiss-Rohlig USA Manager Damien Griggs stößt in das gleiche Horn und sieht auf der Route USA - Asien eine Preissteigerung von etwa 100 USD pro Container.

Die österreichische Transportwirtschaft ist in den USA stark vertreten und baut das Netzwerk kontinuierlich aus. Cargo Partner hat beispielsweise Anfang des heurigen Jahres Büros in Los Angeles und Houston eröffnet und ist zusätzlich in Chicago und New York präsent. Die Niederlassung in Los Angeles übernimmt die wichtige Brückenfunktion zum Firmennetz in Asien. "Es gibt keinen besseren Platz zu wachsen als in der weltgrößten Wirtschaft", ist das Credo von Cargo Partner für den Ausbau des USA Engagements. Die USA importierten 2014 österreichische Waren im Rekordwert von 10,75 Mrd. USD, 2013 waren es noch 9,78 Mrd. USD. Der starke Dollar steigert zusätzlich die Attraktivität von Massengütern wie Holz, Papier und Stahl, wo es auf jeden Dollar ankommt. Nach einem guten Transportjahr 2014 wird mit einem starken Transport- und Exportjahr 2015 gerechnet.

Sensible Lieferketten

Als Folge der Krise 2008 halten Unternehmen ihre Lagerbestände möglichst klein und ordern bei Bedarf. Die monatelangen Verzögerungen hatten eine Diversifizierung der Transportwege und Häfen zur Folge. Thaler: "Das Cargovolumen fiel im Jänner und Februar - es ist von einem vorübergehenden Zustand auszugehen - an den Häfen der Westküste um nahezu 18% im Vergleich zum Vorjahr, während es an der Ostküste um 10% stieg." Der Hafen in New York löste erstmals innerhalb einer Dekade den Hafen in Long Beach als die Nr. 3 ab und der Hafen in Houston verzeichnete ein Plus von 44% bei ankommenden Containern. "Es ist fraglich, wieviel Cargo für immer von Häfen an der Westküste abgezogen wurde, vor allem jene Fracht, die nicht geographisch an einen bestimmten Hafen gebunden ist. Kleine Unternehmen und die Landwirtschaft bleiben an nahegelegene Häfen gebunden. Auch haben viele große Unternehmen ihre Distributionszentren im Westen aufgebaut", sagt Thaler. Lieferketten werden nach Kosten- und Risikoüberlegungen gemanagt. Die kostengünstigste Option ist die Westküste. Allerdings werden Unsicherheiten beispielsweise in Form schwelender Arbeitskonflikte zunehmend sensibel von Unternehmen beobachtet. Neben den jüngsten Verwerfungen ist noch die elftägige Blockade der Häfen im Jahr 2002 in Erinnerung. Für die Hafenverantwortlichen steht daher das Rückholen umgeleiteter Transporte durch Wiedergewinnen von Vertrauen mit effizienten Arbeitsabläufen im Fokus.

Herausforderung durch Megaschiffe

Der Cargorückgang nach der Krise 2008 hat strukturelle Probleme im Hafenbereich vielfach kaschiert. Schiffe werden immer größer, was mehr und größere Kräne, mehr Chassis zum Transport der Container, tiefere und längere Hafenbecken bedeutet und innovative Prozesse zur Erhöhung der Containergeschwindigkeit im Hafen erfordert. Zunehmende Investitionen in Ausrüstungen, Infrastruktur und Systeme sind zur effizienten Abfertigung der Mega-Schiffe erforderlich. Seit 2011 ist die Schiffsgröße um jährlich 8,2% gestiegen. Waren es vor kurzem noch Schiffe mit 5.000 bis 8.000 TEU - 1 TEU = ein 20-Fuß-ISO-Container -so sind es heute Schiffe mit der nahezu doppelten Kapazität, die anlegen. Megaschiffe mit 19.000 TEU durchpflügen bereits die Weltmeere. Große Schiffe werden von Allianzen bedient, die ein Aussortieren der unterschiedlichen Container erfordern, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt. In den Häfen werden gerade moderne Systeme getestet.

Die Erweiterung des Panamakanals wird 2016 Containerschiffen aus Asien das direkte Anlaufen der Häfen an der US-Ost- und Golfküste ermöglichen. Bisher wurde die für die Ostküste bestimmte Fracht aus China zu 80% in Los Angeles/Long Beach gelöscht, da es billiger und schneller ist, diese per LKW oder Zug am Landweg weiter zu transportieren. Das Bedrohungspotential liegt in den kosteneffizienten Mega-Schiffen, die Fracht im Ausmaß von 16 Zügen transportieren. Die Häfen an der Ost- und Golfküste sehen darin Chancen zum Gewinn von Marktanteilen und investieren in den Ausbau der Hafeninfrastruktur. In den vergangenen zehn Jahren fielen die Marktanteile der Häfen Los Angeles und Long Beach von etwa 46 % auf 41 %. Dieses Mega-Logistikprojekt wird Auswirkungen auf die globale Lieferkette haben. Es ist abzuwarten, inwieweit dies zu einer weiteren schleichenden Erosion der Marktanteile der Westhäfen führen wird. (PWK238/BS)

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Wirtschaftskammer Österreich
Dr. Rudolf Thaler
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