ORF-Premiere für berührende Neuverfilmung „Nackt unter Wölfen“

Außerdem am 1. April in ORF 2 anlässlich 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs: Doku „Buchenwald – Heldenmythos und Lagerwirklichkeit“

Wien (OTS) - Bruno Apitz’ Roman wurde im Osten Deutschlands zum Symbol für den antifaschistischen Widerstand und bewegte ganze Generationen: Mit "Nackt unter Wölfen" steht am Mittwoch, dem 1. April 2015, um 20.15 Uhr anlässlich 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs die filmische Neuinterpretation seines gleichnamigen historischen Werks auf dem Programm von ORF 2. Aus der Perspektive der Opfer erzählt der Film vom Widerstand der Buchenwaldhäftlinge und von einem dreijährigen jüdischen Kind, dessen Rettung zur Metapher für Menschlichkeit unter barbarischen Lebensbedingungen wird. Bei der an Originalschauplätzen gedrehten Neuverfilmung führte Philipp Kadelbach Regie; Stefan Kolditz zeichnet für das Drehbuch verantwortlich, das nach Motiven des Apitz-Romans entstanden ist und von Gesprächen mit Zeitzeugen und umfassenden historischen Recherchen begleitet wurde. Neben dem Buben, verkörpert von Vojta Vomáčka, überzeugen in den Hauptrollen Florian Stetter, Peter Schneider, Sylvester Groth, Jens Harzer, Sabin Tambrea, Robert Gallinowski und Leonard Carow.

Ab 22.30 Uhr in ORF 2: "Buchenwald - Heldenmythos und Lagerwirklichkeit"

Mit bisher kaum bekannten Bilddokumenten setzt die Dokumentation "70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg: Buchenwald - Heldenmythos und Lagerwirklichkeit" um 22.30 Uhr den sozialistischen Heldenmythos und die rekonstruierbare Lagerwirklichkeit zueinander in Beziehung und zeigt, wie schwierig es war, unter den Peitschenhieben der SS Würde und Empathie zu bewahren.

"Nackt unter Wölfen"-Regisseur Philipp Kadelbach: "Der Film erlaubt dem Betrachter nur wenige kurze Augenblicke des Glücks"

Regisseur Philipp Kadelbach: "Gereizt hat mich das Projekt, weil das exzellente, differenzierte Drehbuch von Stefan Kolditz die Geschichte aus einem neuen Blickwinkel erzählt. Der Film erlaubt dem Betrachter nur wenige kurze Augenblicke des Glücks, welche den Schmerz noch unerträglicher machen."

Mehr zu den Inhalten der beiden Programmpunkte

"Nackt unter Wölfen" (Mittwoch, 1. April, 20.15 Uhr, ORF 2)

Mitte 1943. Der Zimmermann Pippig (Florian Stetter) und sein Vater (Robert Hunger-Bühler) werden wegen des Widerstands gegen die Nazidiktatur in das KZ Buchenwald eingeliefert. Pippigs Vater stirbt unter den Schlägen der SS. Anderthalb Jahre später, Ende März 1945, nur wenige Wochen vor der Befreiung des KZ Buchenwald durch die Amerikaner, wird der Pole Zacharias Jankowski (Robert Mika) in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. In seinem Koffer: ein dreijähriger Bub (Vojta Vomáčka). Pippig, der mittlerweile in der Effektenkammer arbeitet, entdeckt den Buben im Inneren des Koffers während der Aufnahmeprozedur. Das Kind wäre dem Tod geweiht, würde sich nicht Pippig, der selbst Vater ist, des Buben annehmen und ihn in der Effektenkammer vor der SS verstecken. Pippigs Vorgesetzter André Höfel (Peter Schneider), der mit anderen kommunistischen Gefangenen dem Internationalen Lagerkomitee (ILK), einer illegalen Widerstandsorganisation, angehört, sieht dadurch jedoch nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch die Widerstandsbewegung in Gefahr.

Seit Monaten versucht die SS, die Widerständler ausfindig zu machen. Wenn die SS das Kind findet, wird sie Höfel, der der militärische Ausbilder der Bewegung ist, unter Druck setzen. Um den Widerstand nicht zu gefährden, beschließt der Leiter des ILK, dass der Bub mit dem nächsten Transport nach Bergen-Belsen das Lager wieder verlassen muss. Es ist Pippig, der sich gegen die Anweisung seines Vorgesetzten Höfel stellt und entscheidet, den Buben im Lager zu behalten. Auch die anderen Häftlinge entschließen sich dazu, ihn vor dem sicheren Tod zu retten. Dies wird zur schwersten Prüfung der einzelnen Häftlinge, die teilweise widerwillig, teilweise mit größten Bedenken im kleinsten Entscheidungsspielraum, den es geben kann, zwischen Leben und Tod, so handeln, wie es ihnen ihre Werte vorgeben. Das Kind zu beschützen wird mehr und mehr zu einem Hoffnungssymbol für Menschen, die in einem System gefangen sind, das dazu eingerichtet wurde, die Menschlichkeit zu zerstören.

"70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg: Buchenwald - Heldenmythos und Lagerwirklichkeit" (Mittwoch, 1. April, 22.30 Uhr, ORF 2)

Von 1937 bis April 1945 internierte die SS im Konzentrationslager Buchenwald 250.000 Häftlinge. 56.000 von ihnen fanden hier den Tod. Nach dem Krieg suggerierte die DDR-Geschichtsschreibung jahrzehntelang, dass es vor allem die deutschen Kommunisten gewesen seien, die in Buchenwald litten und starben und trotzdem todesmutig den Widerstand gegen ihre Peiniger organisierten. Nach dem Mauerfall fand man im Archiv der SED geheime Dokumente, die ein ganz anderes Bild von der Lagerwirklichkeit und der Rolle der deutschen Kommunisten zeichneten. Die Häftlinge bildeten keine homogene Leidensgemeinschaft, sondern kämpften in einzelnen Gruppen mit brutalsten Methoden gegeneinander ums Überleben.

Mit bisher kaum bekannten Bilddokumenten setzt die Dokumentation den sozialistischen Heldenmythos und die rekonstruierbare Lagerwirklichkeit zueinander in Beziehung und zeigt, wie schwierig es war, unter den Peitschenhieben der SS Würde und Empathie zu bewahren. Mit aufwendigen 3-D-Animationen zeichnet die Dokumentation die Architektur des heute weitgehend zerstörten Lagers nach. Ein Film von André Meier.

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