Steirische Legehennenhalter stöhnen unter hohen Kosten und sinkenden Preisen

Titschenbacher: Pro Ei bleiben der Bauernfamilie nur 0,3 Cent

Graz (OTS) - "Die heimischen Legehennenhalter sind europaweit Pioniere. Sie füttern ihre Tiere mit gentechnikfreiem, klimafreundlichen, zertifizierten Donau-Soja, sie halten ihre Hennen nach dem weltweit strengsten Tierschutzgesetz, sie sind früher als von der EU vorgeschrieben aus der Käfighaltung ausgestiegen und ein Schnabelkürzen ist in Österreich ohnehin kein Thema. Diese hohen Standards garantieren, dass heimische Eier höchste Qualität haben, und den Konsumenten ermöglichen sie einen sicheren Genuss mit gutem Gewissen. Diese pionierhafte Vorreiterrolle erhöht den Aufwand und die Kostenbelastungen für die Legehennenhalter erheblich, sie stehen unter enormen Kostendruck, zumal die Preise für die inländischen Qualitäts-Eier zuletzt stark gesunken sind", wies heute der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher auf die wirtschaftlich schwierige Lage der Betriebe hin.

"Nach Abzug der Produktionskosten bleiben einer Bauernfamilie pro verkauftem Ei nur 0,3 Cent. Bei 10.000 Legehennen sind das rund 10.600 Euro brutto, wovon noch die Sozialversicherung und Steuern abzuziehen sind", rechnete Titschenbacher vor. "Während die Eierpreise im Vorjahr wieder stark gesunken sind, haben die Betriebsmittelpreise nur wegen der geringeren Futterkosten etwas nachgegeben. Die Preis-Kosten-Schere klafft weit auseinander. Mehr Wertschätzung für die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern ist hier angebracht. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern werden unsere Eier zu wesentlich höheren Tierschutz-, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards hergestellt. Die heimischen Legehennenhalter brauchen daher verbesserte Preise", stellte der LK-Präsident fest.

Klare Kennzeichnung in der Gastronomie und Verarbeitung gefordert

"Viele Nudelerzeuger, Bäckereien, Convenience-Hersteller und teils auch Gastronomie- und Hotelleriebetriebe sowie Kantinen verzichten auf tierfreundliche heimische Qualitätseier und verwenden für ihre Backwaren, Nudeln, Kuchen und Co billige, illegal hergestellte Käfigeier", gab Titschenbacher zu bedenken. Die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln mit Ei-Anteil sowie in der Gastronomie müsse daher endlich umgesetzt werden, zumal dies auch ein großer Wunsch der Bevölkerung sei: "Die Konsumenten haben das Recht, zu wissen, woher die Eier in Nudeln, Kuchen, Bäckereien und Mayonnaise kommen und wie die Legehennen gehalten werden. Daher verlangen wir mit Nachdruck eine verpflichtende, klare und gut erkennbare Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Ei-Anteil sowie eine verlässliche Herkunftsangabe in der Gastronomie nach Schweizer Vorbild. Die eidgenössischen Kunden können auf der Speisekarte die Herkunft der Eier ersehen", so der Präsident.

Aktuelle Umfrage: Konsumenten wollen klare Deklaration

Auch in Österreich wünscht man sich laut jüngster Konsumentenbefragung im Auftrag der AMA Marketing eine umfassende Deklaration der Ei-Herkunft: 83,7% der Befragten wollen eine klare Kennzeichnung der Eier in verarbeiteten Produkten. Auch in der Gastronomie hat der Großteil der Befragten (64,6%) angegeben, dass es ihnen wichtig ist, zu wissen, woher die Eier in den Speisen kommen.

Einkaufstest der Landwirtschaftskammer fördert trauriges Bild zutage

In mehr als 900 Lebensmitteln, die in Supermärkten angeboten werden, sind Eier enthalten. Dabei handelt es sich meist um Billigst-Eier aus illegalen Käfighaltungen der EU sowie aus Nord- und Südamerika. Ein Einkaufstest der LK Steiermark zeigt, dass in verarbeiteten Produkten meist Tierleid steckt: Von 30 Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs, in denen Eier verarbeitet werden, kommen bei 18 (60%) die Eier aus illegaler Käfighaltung. Bei sechs (20%) sind Herkunft und Haltung anonym. Nur bei sechs Produkten sind Haltungsform und Herkunft klar durch das AMA-Gütesiegel angegeben.

"382 Mio. Billigst-Eier werden überwiegend aus Ländern mit illegalen Käfighaltungen importiert. Sie schwächen die heimischen Legehennenhalter mit tierfreundlicher Haltung und gentechnikfreier Fütterung", kritisierte Titschenbacher. Er verlangte, dass alle Importe verpflichtend in die Eierdatenbank aufgenommen werden sollen, was Grundlage für die Kennzeichnungspflicht nach Herkunft, Haltungsform und gentechnikfreier Fütterung, auch für verarbeitete Lebensmittel mit Ei-Anteil, und für die Gastronomie sei.

Uitz: Ruinöser Wettbewerb

"Die illegalen Käfigeier, die auf den österreichischen Markt drängen, liefern den heimischen Legehennenhaltern einen ruinösen Preiskampf", berichtete auch Anton Uitz, Obmann der steirischen Legehennenhalter. "Die heimischen Betriebe haben höhere Haltungs- und Fütterungskosten. Deutschland, Frankreich, Dänemark und Großbritannien sind von der gentechnikfreien Fütterung abgesprungen", so Uitz. Er verlangte, dass die Mehrkosten durch die teurere Fütterung mit gentechnikfreiem Donau Soja vom Lebensmittelhandel -wie in Aussicht gestellt - auch abgegolten werden.

Rund um die Osterzeit essen die steirischen Konsumenten acht Eier, insgesamt 9,6 Mio. Stück. Erfreulich ist laut Landwirtschaftskammer, dass die Supermärkte nur heimische Frischeier und Ostereier anbieten - Herkunft und Haltungsform sind klar gekennzeichnet. Das bestätigt auch der jüngste Einkaufstest.

Farbeier: Heimische Herkunft durch AMA-Gütesiegel erkennbar

Auf gefärbten Eiern ist der Kennzeichnungs-Stempel meist nicht mehr gut erkennbar. Die heimische Herkunft und die tierfreundliche Haltung werden aber durch das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel oder das rot-weiß-rote AMA-Biosiegel garantiert. Weiters stehen die Herkunftsmarken "Gutes vom Bauernhof" und das EZG-Logo für die heimische Herkunft.

Eier-Datenbank bringt Transparenz

Jedes Ei wird noch am Bauernhof mit einem Stempel versehen. Dieser enthält folgende Informationen: Herkunftsland (AT = Österreich), Haltungsform (0 = Bio, 1 = Freiland-, 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfighaltung - diese wurde aber bereits verboten) sowie die Nummer des Legehennenbetriebes. Danach kommen die Eier zur Packstelle. Bei der Übernahme werden die Ziffern in die Eierdatenbank eingegeben. Dann wird die Ware sortiert, kleinverpackt und an den Lebensmittelhandel verkauft. Auch diese Warenflüsse werden von der Packstelle in die Datenbank tagesaktuell eingespielt. Sämtliche Ein-und Verkäufe werden gleichzeitig von Lieferscheinen mit allen relevanten Angaben begleitet. Das wird regelmäßig von unabhängigen Stellen kontrolliert. Wird der Stempel-Code auf dem Ei dann auf der Homepage www.eierdatenbank.at eingegeben, werden sofort Legehennenbetrieb und Haltungsform ersichtlich.

Steiermark ist Österreichs Eier-Land Nummer 1

Die Steiermark ist mit einem Anteil von 37% das größte Eier produzierende Bundesland und war auch Wegweiser in der alternativen Haltung der Legehennen. "Wir sind weltweit Vorreiter bei der gentechnikfreien Fütterung und haben die höchsten Tierschutzstandards", unterstreicht Obmann Uitz.

Hoher gesundheitlicher Wert

Das Ei konnte sich in den letzten Jahren zunehmend als gesundes, unverzichtbares Lebensmittel positionieren. Es liefert essenzielle Fettsäuren, die lebensnotwendig sind und vom Körper selbst nicht aufgebaut werden können. Besonders hervorzuheben sind die Omega-3-Fettsäuren, die insbesondere für Gehirn und Nervensystem wichtig sind. Zusätzlich enthalten Eier zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe und sollten daher auf keinem gesunden Speiseplan fehlen. Das Ei ist also "Brain Food" wegen des enthaltenen Lecithins, welches das Gehirn in Schwung hält und "Beauty Food" wegen des enthaltenen Biotins und des Vitamins E, die als Schönheitselexiere wirken.
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