Lunacek/Pirklhuber: „Aus für Milchquote startet Turbo für industrielle Milcherzeugung“

Grüne warnen vor existenzbedrohenden Auswirkungen für Österreichs Milchbetriebe

Brüssel/Wien (OTS) - "Die Milchindustrie will Milch als billigen Rohstoff. Wir wollen Milch dort produziert sehen, wo es Sinn macht:
In Bergregionen, auf Dauergrasland in Grünlandregionen, aber nicht in Betonhallen in Hafennähe mit importierten Sojafutter aus Lateinamerika und den USA. Das Aus für die Milchquote ab 1. April wird jedoch einen weiteren Turbo für die industrielle Milcherzeugung in Europa starten, die wir ablehnen. Anstatt in Europa stabile regionale Märkte mit qualitativ hochwertigen Produkten zu entwickeln und die Produktion am europäischen Verbrauch zu orientieren, wird an der überholten Exportorientierung und Marktliberalisierung festgehalten. Dabei sind die großen Nachteile der Export-Ausrichtung offensichtlich: Weder der russische noch der chinesische Markt sind als Handelsplatz sicher, wie die aktuelle Lage zeigt. Stattdessen verbreiten die EU-Kommission und in ihrem Gefolge der österreichische Landwirtschaftsminister samt Kammer zwanghaften Optimismus, der angesichts der existenzbedrohenden Auswirkungen für die österreichischen Milchbetriebe eine Augenauswischerei ist", kritisieren Ulrike Lunacek, Delegationsleiterin der österreichischen Grünen im Europaparlament, und Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen im Nationalrat, die Konsequenzen aus dem Auslaufen der Milchquote.

Mit dem Blick auf die Situation in Österreich fordert Pirklhuber:
"Ich vermisse hier klare Antworten an die Bauern und Bäuerinnen. Anstatt eine Strategie in Richtung Bio zu betreiben und auf das Konzept "Alpenmilch" zu setzen, liefert Landwirtschaftsminister Rupprechter die heimischen Milchbetriebe einem ruinösen Wettbewerb mit Großkonzernen aus. Wir wissen alle, dass eine erfolgreiche bäuerliche Zukunft in der regionalen Vermarktung besteht, stattdessen träumt der Landwirtschaftsminister von TTIP und dem Export Richtung Übersee. Dazu kommt, dass die Intensivierung und extreme Rationalisierung der Produktion auf Kosten der Tiergesundheit, der Biodiversität, des Klimas und der Produktqualität geht."

Gleichzeitig wird das europäische Ziel der nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume konterkariert, sagt Lunacek: "Wenn nun Regionen, die nicht intensiv produzieren können, über eine Art Biotop-Pflege mit weiteren öffentlichen Geldern unterstützt werden, dann führt das in Europa zu einer Auseinanderentwicklung von Schmutz- und Schutzregionen. Das ist teurer Unsinn und bringt keine Entwicklungschancen für ländlicher Räume. Stattdessen brauchen wir in Europa die Schaffung von Wertschöpfung durch "Mehr-Wert" über eine stärkere Förderung von Qualitätsproduktion und Produktinnovation im Molkereiwesen. Die Überschwemmung des Marktes mit Basis-Produkten, die sich nur im Preis voneinander unterscheiden macht keinen Sinn. Für KonsumentInnen spielt neben Sicherheit und gesundheitlicher Unbedenklichkeit die Prozessqualität (Anbausysteme, Umweltverträglichkeit, Tiergerechtheit) eines Lebensmittels eine immer größere Rolle. Diese Qualitätsunterschiede sollten auch bei Milch erkennbar gemacht werden."

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