AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer zum Zweiten Arbeitsmarkt: „Finanzielle Sicherung und Ausbau sind Gebot der Stunde!“

Linz (OTS) - Rund 60.800 Oberösterreicher/-innen sind derzeit von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Sozialökonomischen Betriebe und Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekte (SÖB und GBP) des Zweiten Arbeitsmarkts bieten für viele Arbeitsuchende die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Die positiven Effekte wurden nun in einer Studie, die die AK Oberösterreich und der Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (FAB) in Auftrag gegeben haben, nachgewiesen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert die finanzielle Absicherung der Angebote: "Gerade in Zeiten der Rekordarbeitslosigkeit ist es umso wichtiger, genügend Geld für aktive Arbeitsmarktpolitik und den Zweiten Arbeitsmarkt bereitzustellen."

Ältere oder gesundheitlich angegriffene Arbeitsuchende sind oft verzweifelt, weil es für sie besonders schwierig ist, wieder einen Job zu finden. Die Angebote des FAB sind insbesondere für sie, aber auch für Jüngere, gering qualifizierte Menschen, Wiedereinsteiger/-innen oder Bezieher/-innen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung ein wichtiges Auffangnetz. In der Studie "Sozialökonomische Betriebe und Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte im Wandel", die vom Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung durchgeführt wurde, stand die Veränderung der Teilnehmerstruktur in den Sozialökonomischen Betrieben und Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten des FAB im Zeitverlauf von 2005 bis 2011 sowie Beschäftigungserfolge nach einer FAB-Beschäftigung im Zentrum des Interesses. Die relevantesten Studienergebnisse:

  • Von 1.1.2005 bis 31.12.2011 waren 6.086 Personen in Oberösterreich in SÖB und GBP des FAB als Transitmitarbeiter/-innen beschäftigt. 53 Prozent waren männlich.
  • Das durchschnittliche Alter beim Austritt aus dem FAB lag bei rund 40 Jahren.
  • 15 Prozent hatten eine ausländische Staatsbürgerschaft.
  • Knapp die Hälfte (49 Prozent) verfügte über keine abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Rund drei Viertel (73 Prozent) waren in Vollzeit (35 oder mehr Stunden pro Woche) beschäftigt. Dabei war jedoch der Anteil bei den Frauen mit 46 Prozent wesentlich geringer als jener der Männer mit 94 Prozent.
  • Im Durchschnitt waren die Personen 5,2 Monate in einem SÖB oder GBP des FAB beschäftigt.
  • Drei Monate nach Beendigung der FAB-Beschäftigung befanden sich 29 Prozent der Transitmitarbeiter/-innen in einem Arbeitsverhältnis. Der Anteil stieg danach noch weiter an und pendelte sich längerfristig auf ca. 40 Prozent ein.
  • Vor der FAB-Beschäftigung wiesen die Transitmitarbeiter/-innen niedrigere Beschäftigungsniveaus auf als danach. Zwar waren drei Monate nach der FAB-Beschäftigung noch 53 Prozent als arbeitslos registriert, dieser Anteil sank aber auf 35 Prozent nach einem Jahr und pendelte sich dann bei rund 30 Prozent ein.

Der Zweite Arbeitsmarkt ist zweifellos notwendiger denn je, denn für immer mehr Menschen wird es immer schwieriger, eine Beschäftigung auf dem Ersten Arbeitsmarkt zu finden und auch langfristig behalten zu können. Problematisch ist, dass Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Zweiten Arbeitsmarkt trotz des Anstiegs der (Langzeit-)Arbeitslosigkeit durch Einsparungen beim AMS-Budget massiv reduziert wurden. 2014 gab es noch 1080 Arbeitsplätze für Transitmitarbeiter/-innen in den oberösterreichischen Beschäftigungsprojekten. 2015 wurde das Angebot nun um 137 auf 943 Plätze reduziert. In den nächsten Jahren sind weitere Einschnitte zu erwarten, da unter anderem ab 2017 das sogenannte "Beschäftigungsprogramm 50+" wegfallen wird. In diesem Programm werden derzeit Arbeitnehmer/-innen, die älter als 50 Jahre sind und länger als 180 Tage beim AMS vorgemerkt sind, gefördert.

Für AK-Präsident Kalliauer sind nun die Finanzierungssicherheit der aktiven Arbeitsmarktpolitik und der bedarfsgerechte Ausbau von Arbeitsplätzen auf dem Zweiten Arbeitsmarkt Gebot der Stunde. Der aktuell geltende Budgetplan für aktive Arbeitsmarktpolitik sieht trotz stark steigender Arbeitslosigkeit ein Absinken der Mittel vor. Von 2014 auf 2015 sank das Budget von 1,16 Mrd. Euro auf 1,14 Mrd. Euro, 2017 soll es nur noch 879 Mio. Euro betragen. "Diese Budgetkürzung ist ein schwerer wirtschaftspolitischer Fehler zum Schaden der gesamten Volkswirtschaft und natürlich auch der von der Kürzung Betroffenen. Die geplante Kürzung muss deswegen ausgesetzt werden, der aktuelle Wert muss zumindest beibehalten werden", sagt Kalliauer.

Die gesamte Unterlage zur heutigen Pressekonferenz mit AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer und FAB-Geschäftsführerin Mag.a Silvia Kunz finden Sie unter: ooe.arbeiterkammer.at

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