TV-MEDIA exklusiv: Gerhard Zeiler über seine ORF-Programmreform vor 20 Jahren

„Es wäre an die Existenz gegangen“

Wien (OTS) - In der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe des Fernseh-Magazins TV-MEDIA blickt der ehemalige Generalintendant des ORF, Gerhard Zeiler, zurück auf seine Programmreform vor 20 Jahren, die ab 6. März 1995 den ORF in ein neues TV-Zeitalter führte.

Zeiler im Rückblick: "Der ORF war letztlich immer noch ein auf ein Monopol ausgerichtetes Unternehmen, die Hälfte der Haushalte konnte keine anderen TV-Programme empfangen. Es war schon klar, dass sich relativ viel ändern musste, um den ORF in die nächste erfolgreiche Etappe seiner Existenz zu bringen."

An die Reaktionen damals erinnert sich der nun an der Spitze von Turner Broadcasting System International stehende TV-Manager folgendermaßen: "Von der Politik gab es in den ersten 1 1/2 Jahren kaum Kritik. Den meisten Politikern war klar, dass, wenn die Programmreform nicht gelingt, der Erhalt des ORF in dieser Form nicht sicher war. Wenn wir ähnliche Werbeverluste gehabt hätten wie die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender, dann wäre es an die Existenz gegangen."

Aktuell sieht Zeiler das Medium Fernsehen vor gewaltigen Herausforderungen: "Wir stehen wieder vor signifikanten Veränderungen. Es wird nicht alles auf den Kopf gestellt. Fernsehen wird weiter dominant sein, aber jedes TV-Unternehmen muss darauf achten, die Inhalte entweder selbst zu produzieren oder sie zu kontrollieren, um sie dann auf allen Plattformen zu präsentieren."

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den ORF sieht er in diesem Zusammenhang nicht als Problem an: "Ich hatte immer schon Respekt vor der Lobbyingtätigkeit des ORF. Wenn sich eine gesetzliche Bestimmung für den ORF als wirklich schädigend herausstellt, so gibt es immer die Möglichkeit, das zu ändern. Die Zukunft wird ihm sicher nicht per Gesetz abgedreht."

Und Zeiler zum Thema Privat-TV in Österreich: "PULS 4 und ATV profitabel zu gestalten, wird sicherlich möglich sein. Dem ORF nur annähernd Konkurrenz zu machen, ist aber unmöglich, solange der ORF so aufgestellt ist, wie er aufgestellt ist."

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