EY-Statement betreffend Profil-Artikel „Im Interesse der Steuerzahler“ vom 16. März 2015

Wien (OTS) - Am 12. März 2015 hat das Nachrichtenmagazin Profil EY schriftlich um eine Stellungnahme im Zusammenhang mit der Abschlussprüfung der Hypo Alpe Adria International Bank AG 2013 gebeten. EY hat unmittelbar und umfassend schriftlich Stellung bezogen. Nachfolgend findet sich die Stellungnahme im Originalwortlaut:

EY-Antwortschreiben an die Profil-Redaktion vom 12. März 2015:

"Es ist gem. § 273 UGB unter anderem die Pflicht des Abschlussprüfers, Aufsichtsrat und Vorstand unverzüglich darüber zu berichten, wenn der Abschlussprüfer im Laufe seiner Prüfung Tatsachen feststellt, die den Bestand des geprüften Unternehmens gefährden oder seine Entwicklung wesentlich beeinträchtigen können. Ein derartiger Warnbrief ist bei Kreditinstituten auch dann auszufertigen, wenn die Gefahr besteht, dass das Kreditinstitut seine Eigenmittelerfordernisse unterschreitet. Da die Adressaten eines derartigen Warnbriefs ausschließlich der Vorstand und der Aufsichtsrat, bzw. bei Kreditinstituten darüber hinaus auch die FMA und die OeNB sind, und dieser somit nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, können wir Ihnen auf Grund unserer beruflichen Verschwiegenheitsverpflichtung keine Auskünfte über eine derartige Berichterstattung geben.

Üblicherweise dient ein Warnbrief auch dazu, den Unternehmensorganen Gelegenheit zu geben, durch geeignete Maßnahmen (z. B. Zufuhr von Kapital durch den Eigentümer, Bestandsgarantie durch den Eigentümer etc.) die unmittelbare Bestandsgefährdung vor Aufstellung des Jahresabschlusses abzuwenden. Es ist daher weder ungewöhnlich noch unüblich, dass trotz Ausfertigung eines Warnbriefes in der Folge ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk erteilt werden kann, vorausgesetzt es sind im Zeitraum zwischen der Ausfertigung des Warnbriefes des Abschlussprüfers und der Aufstellung des Jahresabschlusses durch den Vorstand entsprechende Maßnahmen seitens der Unternehmensorgane oder des Eigentümers getroffen worden, die die Bestandsgefährdung abwenden können.

Wie Ihnen auf Grund Ihrer Recherchen sicher bekannt ist, hat die Hypo Alpe Adria Bank International AG in ihrer Presseaussendung vom 21. März 2014 auf die Notwendigkeit zusätzlicher Kapitalmaßnahmen zur Abdeckung von weiteren Abwertungen und Risikovorsorgen hingewiesen. Wie Sie der Finanzberichterstattung der Hypo Alpe Adria über das Geschäftsjahr 2013 entnehmen können, wurde am 9. April 2014 im Rahmen der Hauptversammlung der Bank seitens der Eigentümerin, der Republik Österreich, eine Zufuhr von Eigenkapital in Höhe von EUR 750,0 Mio. beschlossen. Die Einzahlung erfolgte am 11. April 2014.

EY hat sämtliche Abschlussprüfungen der Hypo Alpe Adria International Bank AG mit der gebotenen Sorgfalt durchgeführt und über die Ergebnisse entsprechend den allgemein anerkannten Prüfungsgrundsätzen umfänglich Bericht erstattet. Unter anderem hat EY im Bestätigungsvermerk zum Konzernabschluss 2013 der Hypo Alpe Adria Bank International AG insbesondere darauf hingewiesen, dass durch die in 2014 durchgeführte Kapitalerhöhung die Kapitalerfordernisse der Gesellschaft bis zu der vom Eigentümer angekündigten Einrichtung einer Abbaueinheit im September 2014 für den ordentlichen Geschäftsbetrieb abgedeckt sind, dass darüber hinaus aber wesentliche Unsicherheiten über zukünftige Verluste und damit in Bezug auf das Eigenkapital des Konzerns bestehen.

Explizit hat EY im Bestätigungsvermerk auch darauf hingewiesen, dass aufgrund der Bewertungsvorschriften absehbare Verluste aus dem Verkauf des SEE-Banken-Netzwerks erst in zukünftigen Abschlüssen ihren Niederschlag finden werden. Weiters wurde in der Ergänzung zum Bestätigungsvermerk darauf hingewiesen, dass es im Zusammenhang mit der Überführung wesentlicher Teile des Kreditportfolios in eine Abbaueinheit zu anderen Bewertungsgrundsätzen kommen kann (von "Going concern"-Bewertung im laufenden Geschäftsbetrieb einer Bank zu "Gone concern" im Rahmen einer Abbaueinheit) und somit nicht auszuschließen ist, dass dadurch zusätzliche Verluste realisiert werden müssen.

EY weist daher Vorwürfe im Hinblick auf Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Abschlussprüfer der Hypo Alpe Adria International Bank AG sowie Unterstellungen, dass auf EY iZm der Erteilung der Bestätigungsvermerke Druck ausgeübt wurde, in aller Deutlichkeit zurück.

Für 2014 ist EY gemeinsam mit KPMG als Abschlussprüfer für den vom Vorstand der Heta Asset Resolution AG aufzustellenden Jahres- und Konzernabschluss bestellt. Die Abschlussprüfung 2014 ist noch nicht abgeschlossen. EY kann daher auf Grund der beruflichen Verschwiegenheitsverpflichtung zur laufenden Prüfung keine Auskünfte erteilen.

Auf die Presseaussendung der Heta Asset Resolution AG vom 4. März 2015, in der auch auf die Ursachen der weiteren, nunmehr auf Grund der Abkehr von der Bewertung zu Going Concern zu berücksichtigenden Verluste eingegangen wird, wird in diesem Zusammenhang verwiesen."

Obwohl sich die schriftliche Stellungnahme von EY im Profil-Artikel vom 15. März in großen Teilen korrekt wiederfindet, enthält der Beitrag unrichtige oder irreführende Aussagen:

1. "Am 10. März des Vorjahres […] hatten die Hypo-Wirtschaftsprüfer einen "Warnbrief" nach Klagenfurt abgesetzt,[…]." Und weiters: "Das ist schon allein deshalb zu hinterfragen, weil die Abwicklung der Bank zum Zeitpunkt, als Ernst & Young brieflich warnte, längst entschieden war; auch wenn das entsprechende Sondergesetz noch nicht vorlag."

Diese Aussage ist falsch. Unabhängig von einer etwaigen Ausstellung eines Warnbriefes, zu der EY aufgrund seiner beruflichen Verschwiegenheitsverpflichtung keine Auskünfte geben kann, entspricht es nicht den Tatsachen, dass die Abwicklung der Bank am 10. März bereits entschieden war. Vielmehr gab es zu diesem Zeitpunkt eine intensive Diskussion über die Insolvenz der Hypo Alpe Adria, der der damalige Bundesminister für Finanzen in seiner Erklärung vom 14. März 2014 entgegentrat: "Auf Basis intensiver Analysen und Konsultationen mit österreichischen und internationalen Experten" wurde die Fortführung der Hypo Alpe Adria entschieden.

Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Abschlusses 2013 lagen weder die Ausgestaltung der Abbaugesellschaft noch die gesetzlichen Grundlagen vor. Daher hat EY in seinem Testat - wie leicht nachvollzogen werden kann - auch auf die bestehenden Bewertungsunsicherheiten in diesem Zusammenhang hingewiesen.

2. "Vier bis 7,6 Milliarden Euro wird die frühere Hypo Alpe-Adria-Bank International AG, nunmehr Heta Asset Resolution AG, benötigen, um aufgelaufene Verluste im Wirtschaftsjahr 2014 auszugleichen. Das haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young und KPMG jüngst im Auftrag des Finanzministeriums errechnet."

Diese Aussage ist ebenfalls falsch. Abschlussprüfer sind grundsätzlich nicht befugt, Bewertungen durchzuführen, die in einen von ihnen zu prüfenden Jahresabschluss einfließen. Dies ist ausschließlich Aufgabe des Vorstandes, der sich dabei externer Experten bedienen kann. Die Ergebnisse sind vom Abschlussprüfer im Rahmen seiner Prüfung zu beurteilen. In diesem konkreten Fall wurde der Asset Review - also die Bewertungen - im Auftrag der Heta Asset Resolution AG von anderen externen Beratern durchgeführt.

EY im Überblick
EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Mit rund 720 Mitarbeitern an vier Standorten erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2013/2014 einen Umsatz von 90 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt 190.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Kunden überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Transaktionsberatung und Managementberatung.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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