E-Control: Strom- und Gaskunden sind deutlich mobiler geworden

Vergangenes Jahr so viele Strom- und Gaslieferantenwechsel wie noch nie – Laut Umfrage Potenzial von 890.000 wechselbereiten Haushalten, die bisher noch nicht gewechselt haben

Wien (OTS) - Mit rund 268.000 Haushalten und Unternehmen haben in Österreich im vergangenen Jahr so viele Kunden wie noch nie ihren Strom- und Gaslieferanten gewechselt. "Die Kunden sind deutlich mobiler geworden", sagt Martin Graf, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, heute auf einem Pressegespräch anlässlich der Präsentation des Jahresberichts. Mit jährlichen Wechselraten von 3,5 Prozent bei Strom und 4,6 Prozent bei Gas wurden 2014 "für österreichische Verhältnisse absolute Rekordwerte erreicht", so Graf. Ein Grund für die gestiegenen Wechselzahlen in Österreich ist für Graf das hohe Einsparpotenzial. "Bis zu 520 Euro kann sich ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr mit dem Wechsel vom angestammten Versorger zum günstigsten Strom- und Gaslieferanten derzeit sparen. Das sind die höchsten Einsparungen seit der Liberalisierung", betont Graf. Bedeutend zu den hohen Wechselzahlen beigetragen hat zudem die Aktion "Energiekosten-Stop" des Vereins für Konsumenteninformation, innerhalb derer 2014 rund 100.000 Haushalte ihren Strom- oder Gaslieferanten wechselten. Graf bewertet es daher als äußerst positiv, dass der VKI seine Gemeinschaftswechselaktion heuer wiederholt. Bisher haben sich für die Neuauflage der Aktion knapp 50.000 Haushalte angemeldet. "Das ist ein wichtiger Impuls für einen stärkeren Wettbewerb am heimischen Strom- und Gasmarkt", sagt Graf.

"Kunden wird stärker bewusst, wie einfach der Anbieterwechsel ist"

Ein weiterer Grund für die gestiegenen Wechselzahlen: "Den Kunden wird immer stärker bewusst, wie einfach der Wechsel des Anbieters ist", sagt Graf. Das bestätigt auch eine aktuelle Umfrage von Peter Hajek im Auftrag der E-Control unter 1.000 Befragten. Insgesamt 83 Prozent der Befragten, die bereits gewechselt haben, waren mit der Einfachheit des Wechsels sehr zufrieden oder zufrieden, rund 60 Prozent vergaben die Bestnote und gaben an, dass der Wechsel für sie "leichter als gedacht" war. Mehr als die Hälfte wechselte den Strom-oder Gaslieferanten online (per Ausfüllen eines Webformulars oder Rücksenden des unterschriebenen Vertrags per E-Mail). Am häufigsten wechseln laut der Umfrage Männer, Personen mittleren Alters mit einem höheren Bildungsgrad sowie Personen, die in einem Mehrpersonenhaushalt leben.

890.000 potenzielle zusätzliche Erstwechsler

Bisher haben in Österreich seit der Marktöffnung insgesamt rund 930.000 Haushalte ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt. "Diese Zahl könnte laut der Umfrage verdoppelt werden", sagt Graf. Unter jenen befragten Haushalten, die noch nie gewechselt haben, kann sich knapp ein Viertel vorstellen, sich erstmals einen neuen Lieferanten zu suchen. Das entspricht einem Potenzial von rund 890.000 zusätzlichen wechselwilligen Haushalten. "Das Reservoire an wechselbereiten Haushalten ist noch lange nicht ausgeschöpft", betont Martin Graf.

Regulator startet Whistleblowerplattform

Wem ein Fall von Insiderhandel, Marktmanipulation oder ein Wettbewerbsverstoß im Strom- oder Gasbereich bekannt ist, kann diesen ab sofort anonym der Regulierungsbehörde auf einer neu eingerichteten Whistleblowerplattform mitteilen. Auf einer eigenen abgesicherten Webseite können Personen Hinweise zu Missständen oder Verstößen abgeben. Ein Verweis zu der Plattform ist auf der Homepage der E-Control unter www.e-control.at/whistleblower zu finden. Die Einrichtung der Plattform sei notwendig, da "Wettbewerbsverletzungen volkswirtschaftliche Schäden verursachen und einen fairen Wettbewerb verhindern", so Vorstand Walter Boltz. "Derartige Delikte sind allerdings für uns als Regulierungsbehörde schwer nachweisbar und bleiben ohne Hinweise aus dem Markt häufig im Verborgenen", sagt Walter Boltz, der erwartet "dass durch die Whistleblowerplattform einige Fälle an uns herangetragen werden, von denen wir sonst nicht erfahren hätten."

"Schutz des Hinweisgebers hat oberste Priorität"

Die Hinweise können mittels der Whistleblowerplattform völlig anonym abgegeben werden. Die Plattform ist durch neueste Techniken abgesichert, es sind keine Rückschlüsse auf die Identität der Person möglich. "Der Schutz des Hinweisgebers hat für uns oberste Priorität", betont Walter Boltz. "Wir sind einzig an relevanten Meldungen interessiert, keinesfalls daran, wer diese Meldungen abgegeben hat. Die Person des Hinweisgebers ist uns egal." Ziel sei es, allfällige Delikte frühzeitig aufzudecken und "einen fairen Wettbewerb am österreichischen Strom- und Gasmarkt sicherzustellen." Über einen geschützten Postkasten können allfällige Rückfragen an den Hinweisgeber gerichtet werden, der auch während dieses Dialogs anonym bleibt. Hilfreich sind für den Regulator vor allem Hinweise zu Wettbewerbsdelikten wie Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung oder Preisabsprachen, Verstöße gegen Entflechtungsvorgaben zwischen Lieferant und Netzbetreiber (etwa Diskriminierung; Weitergabe vertraulicher Informationen vom Netzbetreiber an den Lieferanten; Quersubventionierung vom Netzbetreiber an den Lieferanten) sowie Fälle von Insiderhandel oder Marktmanipulation. Derzeit laufen beim Regulator zahlreiche Missbrauchsverfahren wegen Verstößen gegen Entflechtungsbestimmungen etwa aufgrund von Ungleichbehandlungen, bei denen alternative Lieferanten vom Netzbetreiber benachteiligt und der im Konzern verbundene Lieferant bevorzugt wird.

www.e-control.at/whistleblower

Der aktuelle Jahresbericht 2014 der E-Control zum Download:
http://www.e-control.at/de/publikationen/jahresberichte

Audiostatements von dem Pressegespräch stehen demnächst auf www.o-ton.at zur Verfügung.

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