"kreuz und quer" am 17. März: "Fasten im Kloster" und "Todsünden - Ein Menü in sieben Gängen"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - zeigt am Dienstag, dem 17. März 2015, um 22.35 Uhr in ORF 2 die in HD produzierte Dokumentation "Fasten im Kloster", in der Helmut Manninger Einblicke in die Fastenwelt hinter Klostermauern, aber auch in die persönlichen Krisen, Wünsche und Sehnsüchte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gibt.

Wie schmeckt eine Todsünde? Um 23.10 Uhr gibt Haubenkoch Walter Eselböck namhaften Gästen - unter ihnen Ursula Strauss, Hans Peter Haselsteiner, Martina und Karl Hohenlohe - kulinarische Antworten. In Michael Cencigs HD-Dokumentation "Todsünden - Ein Menü in sieben Gängen" mutet er seinen Gästen eine breite Variation von kulinarischen Interpretationen der sieben Todsünden zu - vom gefüllten Schnittlauch für den Geiz bis zur "erwürgten Bluttaube" für den Zorn. Das Einzige, worauf sich bei diesem gleichermaßen heiteren wie tiefsinnigen, jedenfalls aber kontroversen Gelage alle Gäste einigen können: "Es schmeckt vorzüglich."

"Fasten im Kloster" - Ein Film von Helmut Manninger

Jesus hatte es leicht: Er suchte eine Oase der Stille - und fand sie gleich nebenan in der Wüste. Aber was machen Normalsterbliche heutzutage, wenn sie fasten, schweigen, beten oder einmal raus wollen aus Alltag und Gewohnheiten? 2.000 Jahre n. Chr. sind es vor allem Klöster, die sich immer mehr für Fastenwillige öffnen: Ihre dicken Mauern verheißen Schutz und Ungestörtheit. Auch im Stift Göttweig werden in den Wochen vor Ostern "Fastenexerzitien" abgehalten. Das Besondere daran: Es geschieht unter geistlicher Anleitung durch die Mönche. Abt Columban Luser: "Diese Tage hier wollen helfen, wieder auf die stille Gegenwart Gottes im Leben aufmerksam zu werden." Entstanden ist ein Film über unmittelbare Erfahrungen von Menschen, die bewusst verzichten und gestärkt daraus hervorgehen wollen. "Ein Privileg", so Regisseur Manninger, "bei diesem sehr intimen Prozess mit der Kamera dabei gewesen zu sein."

Keine Frau, keine Familie - Mönche wissen, was es heißt, zu verzichten. "Fastenkrisen" sind ihnen gut bekannt - weil sie solche selbst durchlebt haben. Im übertragenen Sinne können sie ihre Erfahrungen an die Teilnehmer der Exerzitien weitergeben. Diesmal an mehr als ein Dutzend Frauen und Männer aus Deutschland und Österreich. Einer von ihnen ist Konrad Gutlederer. In seiner "besten Zeit" wog der Wiener Oberkellner 164 Kilogramm. Auf dem Göttweiger Berg will er sich die Kraft holen, endlich "Nein" sagen zu können. "Allein schaffe ich es nicht", klagt der 56-Jährige. Essen war wie eine Sucht für ihn. Kuraufenthalte, Medikamente - nichts hat bisher geholfen. Sein Arzt hat ihm jetzt etwas anderes "verschrieben": eine Woche Kloster.

Eine Woche, in der das Leben auf das Wesentliche reduziert wird, aber in der sich auch Wesentliches ändern kann. Ein Bett, ein Kasten, ein Tisch. Das Zimmer, neun Quadratmeter groß. Um 45 Euro pro Tag bekommt hier jeder gleich wenig. Eine harte Semmel zum Frühstück, eine Fastensuppe mittags und abends - und dabei nichts reden. Kein Radio, kein Telefon, kein Fernseher, stattdessen ein herrlicher Blick in die Wachau. Gemeinsam wird auf Dinge verzichtet, die im alltäglichen Leben als unverzichtbar gelten. Dies und die Stille helfen, Gewohnheiten zu hinterfragen und wieder die leise, "innere Stimme" wahrzunehmen. "Man glaubt gar nicht, wie gut das Einfache tut", sagt Herr Gutlederer, und freut sich auf den Gesang der Mönche allmorgendlich in der Chorkapelle. "Es gibt kein Medikament, das das ersetzen kann."

Mit 20 Jahren ist Kerstin Pachschwöll die mit Abstand Jüngste. Und doch fühlt sie sich oft wie eine alte Frau. Ständige Schmerzen im Rücken und in den Knien wollten ihr die Lebensfreude rauben. Dazu kommt ein jugendlicher Weltschmerz, von dem sie nicht weiß, wo er herkommt. Die Studentin hat sich vorgenommen, sich mit ihren Sehnsüchten und Ängsten zu konfrontieren, will gefordert werden und anders aus dieser Fastenwoche herauskommen, als sie in diese Woche hineingegangen ist.

"Todsünden: Ein Menü in sieben Gängen" - Ein Film von Michael Cencig

Im burgenländischen Taubenkobel wird ein siebengängiges Menü serviert - pro Todsünde eine Köstlichkeit. Bedenkliche Charakterzüge wie Geiz, Trägheit und Hochmut kommen im wahrsten Sinn des Wortes auf den Tisch und werden Gegenstand einer genussvollen Auseinandersetzung, eingebettet in eine Art Völlerei auf höchstem Niveau.

"Ich bin kein sehr maßvoller Mensch", beichtet der Unternehmer Hans Peter Haselsteiner: "Mäßigung ist nicht meine Stärke, Duldsamkeit ist nicht meine Stärke. Insofern neige ich vielleicht zum Zorn. Aber wer mich kennt, weiß, solange ich laut werde, ist alles in Ordnung. Aber wenn der Haselsteiner leise wird und seine Stimme eine bestimmte Tonlage annimmt, dann wird es ungemütlich."

Vom Neid unter Ordensfrauen berichtet die Franziskanerschwester Michaela: "Ich war mit einer zweiten im Noviziat. Sie war äußerst geschickt, besonders im Haushalt, konnte wunderbar kochen, und ich konnte nichts außer beten und meditieren. Der Neid auf sie hat dazu geführt, dass ich mich überwunden habe und selbst zu kochen begann."

Können Todsünden also auch zu etwas Gutem führen? Eher nicht, meint Herbert Pietschmann, Professor für theoretische Physik: "Todsünden heißen so, weil sie die Liebe töten. Zum Beispiel der Hochmut. Wer sich besser fühlt als der andere, kann den anderen nicht lieben. Liebe setzt immer voraus, dass man auf Augenhöhe miteinander verkehrt. Der Hochmut ist also eine Todsünde, weil er die Liebe tötet." Überhaupt gibt es laut Pietschmann nur ein Gegenteil für alle Todsünden: "Die Liebe."

Wie kommt es dann, dass die Wollust - der Inbegriff der ungehemmten körperlichen Liebe - zu den Todsünden zählt? Die an sich sehr freizügig denkende Sexkolumnistin Janina Lebiszczak zieht eine klare Grenze zwischen ethisch vertretbaren und inakzeptablen Sexpraktiken:
"In dem Moment, wo ich dem anderen etwas aufzwinge, wogegen dieser sich sträubt, ist es nicht mehr moralisch."

Ursula Strauss ortet bei sich einen gewissen "faulen Anteil". Die vielbeschäftigte Schauspielerin - derzeit steht sie für den neuen "Schnell ermittelt"-Film "Einsamkeit" vor der Kamera - bekennt also einen gewissen Hang zur Trägheit: "Sie ist mein Motivator. Würde ich nicht so viel arbeiten, würde ich nur den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und fernsehen."

Der Ski- und "Dancing Star" Rainer Schönfelder liefert Belege für gleich mehrere Todsünden: "Als Spitzensportler musst du bis zu einem gewissen Grad geizig sein. Du geizt mit Informationen, die du dir erarbeitet hast. Zum Beispiel auf dem Hardwaresektor. Wenn du dir dort einen gewissen Vorsprung erarbeitet hast, der dich den anderen überlegen macht, teilst du diese Information nicht mit deinen Konkurrenten. Oder mein Zorn. Der ist extrem. Wenn jemand mit mir auf den Golfplatz geht, wird er danach sagen: Das war nicht der Rainer Schönfelder. Da kann es schon einmal sein, dass ich einen Golfschläger übers Knie biege. Aber ich bin nur zornig auf mich selbst. Ich bestrafe mich selbst. Aber ich achte darauf, dass kein anderer Mensch zu Schaden kommt."

Völlerei schließlich ist sowohl für die Restaurantkritiker Martina und ORF-III-Präsentator Karl Hohenlohe ein Thema als auch für den Haubenkoch Walter Eselböck. Karl Hohenlohe kann nicht "ein wenig essen. Wenn wir Restaurants testen, bekommen wir oft 15-gängige Menüs serviert. Meine Frau kostet dann nur von allem ein wenig. Aber ich esse 15 Gänge. Dann ist mir oft fürchterlich schlecht. Und ich empfinde es auch als Sünde, so in sich hineinzufressen. Ich fühle mich dann wirklich schuldig." Walter Eselböck hat diese Neigung überwunden: "Früher hab ich die Völlerei ausgelebt. Aber irgendwann bin ich draufgekommen, dass die guten Köche schlank sind. Sie denken nach - was tut mir gut? Und nur das muten sie sich dann zu und auch ihren Gästen."

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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