Umweltdachverband: Naturschutzpoker rund um Natura 2000 beginnt

- Natura 2000-Verhandlungen mit EU-Kommission am 17./18. März 2015

Wien (OTS) - Wichtige Gebiete wie Unkener Bergmähder (Salzburg) und Warscheneck (OÖ) nach wie vor nicht nominiert
- Länder riskieren damit die Weiterführung des Vertragsverletzungsverfahrens

Wien 16.03.15 (UWD) "In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob Österreich mit den inzwischen nachnominierten Gebieten endlich seinen europaweiten Naturschutzverpflichtungen nachkommt oder weiterhin eine peinliche Vorstellung abgeben wird", so Franz Maier, ehrenamtlicher Präsident des Umweltdachverbandes. Denn: Am 17. und 18. März wird der Ausweisungsstand von Natura 2000 in Österreich neuerlich bewertet:
VertreterInnen der Europäischen Kommission, der Europäischen Umweltagentur, der österreichischen Behörden, der Wissenschaft und der NGOs werden die neuen Nachnominierungsvorschläge fachlich überprüfen und entscheiden, ob die Schutzgüter im österreichischen Natura 2000-Netzwerk ausreichend repräsentiert sind. Bereits 1998 (!) - drei Jahre nach Österreichs EU-Beitritt - hätte die Gebietsfestlegung abgeschlossen sein sollen.

20 Jahre nach dem EU-Beitritt: Natura 2000 ist immer noch Thema

"Dass der Naturschutz 20 Jahre nach Österreichs Beitritt zur Europäischen Union im europäischen Vergleich aktuell immer noch nachhinkt, ist höchst bedauerlich. Einer der Hauptgründe für diesen unhaltbaren Zustand ist, dass es in Österreichs Naturschutzpolitik keine zentrale Koordination und bundesweite Vorgehensweise gibt", erklärt Maier. Die Bundesländer verfolgten in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedliche Strategien in der Gebietsausweisung, was zu einem inkohärenten Natura 2000-Netzwerk geführt hat. Einige Bundesländer wie Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Vorarlberg, Niederösterreich - und zuletzt auch Tirol - haben sich in den letzten Monaten zwar redlich bemüht, die Versäumnisse aus der Vergangenheit wett zu machen, doch der Nachnominierungsprozess insgesamt verläuft immer noch schleppend. "Die offenkundige Strategie einiger Bundesländer, bestgeeignete Gebiete zurückzuhalten, wird definitiv nicht von Erfolg gekrönt werden. Insgesamt pokern die Bundesländer hoch, denn sie riskieren eine Weiterführung des Vertragsverletzungsverfahrens und in der Folge teure Strafzahlungen", so Maier.

UWD fordert: Naturschutzlücken endlich schließen

Insgesamt wurden seit Eröffnung des Vertragsverletzungsverfahrens im Jahr 2013 24 neue Gebiete bis Ende 2014 nachnominiert, 14 davon in Oberösterreich (darunter Mond- und Attersee, die Steyrschlucht und das Machland Nord), vier in Salzburg (z. B. das Südufer des Zeller Sees), zwei in Vorarlberg (Üble Schlucht, Davenna) und zwei in Kärnten (Mittagskogel, Großedlinger Teich). Tirol hat am 3. März 2015 fünf neue Gebiete nominiert, darunter die seit 15 Jahren seitens zahlreicher NGOs geforderte Isel. Diese neuen Gebiete entsprechen einer Fläche von rund 7.500 Hektar (ha). Gebietserweiterungen bei bereits ausgewiesenen Natura 2000-Gebieten wurden im Ausmaß von insgesamt 9.000 ha vorgenommen, darüber hinaus wurden Schutzgüter in den Standarddatenbögen einiger bestehender Natura 2000-Gebiete ergänzt. Zahlreiche Studien wurden in Auftrag gegeben und bringen neue Erkenntnisse für weitere Gebietsmeldungen, die bis jetzt nicht erfolgt sind. "Trotz der Bemühungen einiger Bundesländer fehlen noch zahlreiche und wichtige Gebiete im Nachmeldungsvorschlag, um das österreichische Natura 2000-Netzwerk zu vervollständigen: Weder die Unkenberger Mähder in Salzburg noch das Warscheneck in Oberösterreich wurden bis dato nach Brüssel gemeldet", so Maier abschließend.

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