„profil“: Kampfgas-Übung im Gefängnis blieb ohne Folgen für die Justiz

Verletzte Krankenschwester leidet daran seit 2010

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, wurde vor fünf Jahren eine Krankenschwester bei einer Kampfgas-Übung in der Justizanstalt Wien-Josefstadt schwer verletzt. Die Frau war am 17. Mai 2010 ohne jede Vorwarnung am Gang in eine Wolke des Reizgases CS-Gas geraten und hatte keine Luft mehr bekommen.

Justizwachebeamte hatten an diesem Tag in der Krankenstation für den Fall trainiert, dass ein Häftling sich in seiner Zelle verbarrikadiert und mit Reizgas überwältigt werden soll. Allerdings hatte man vergessen, die Krankenschwester einzuweihen. Wie das Nachrichtenmagazin profil in seiner neuen Ausgabe berichtet, leidet die Frau bis heute körperlich und psychisch an den Folgen des Unfalls. Bei der Übung wurde damals das Reizgas 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril verwendet, kurz CS-Gas, das üblicherweise dazu dient, Aufstände niederzuschlagen oder Demonstrationen zu zerstreuen, allerdings im Freien, nicht in geschlossenen Räumen. Internationale Chemiewaffenverträge verbieten den Einsatz des Kampfstoffes in Kriegsgebieten. Beim Training im Grauen Haus war mit Hilfe eines Reizstoffwerfers eine hinterher nicht mehr eruierbare Menge des Stoffes durch die Speiseklappe in das Innere einer Zelle gesprüht worden. Der Beamte, der den Häftling spielte, konnte nach zehn Sekunden nicht mehr atmen. Die Übung, die seinerzeit von der Vollzugsdirektion genehmigt worden war, wurde nach einer halben Minute abgebrochen. Laut profil zahlte die oberösterreichische Ausrüstungsfirma, die den Reizstoffwerfer und das Kampfgas im Rahmen einer Vorführung zur Verfügung gestellt hatte, im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs Schmerzensgeld und entschuldigte sich bei der verletzten Krankenschwester. Für die Beamten, die Anstaltsleitung und die Vollzugsdirektion hatte die missglückte Übung hingegen keinerlei Konsequenzen. Vor Kurzem ging das letzte Verfahren in der Causa vor dem Arbeits- und Sozialgericht zu Ende, wo die inzwischen pensionierte Krankenschwester um ihre Unfallrente kämpfte. Laut profil musste die Frau 30 Begutachtungen über sich ergehen lassen.

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