Das kleine 1x23 der Wiener Bezirke: Ottakring

Der 17. Teil der inwien.at-Serie über Bezirksstatistiken

Wien (OTS) - Der längste Straßenmarkt, die älteste Müllverbrennungsanlage und die größte Brauerei Wiens. Dass es in Ottakring nicht nur Bier gibt, beweist jedoch die "10er Marie", die als der älteste Heurige Wiens gilt. Die Buschenschank ist bereits seit 1740 im 16. Bezirk daheim.

Rund um die Innere Stadt wurden über 100 ehemals eigenständige Gemeinden zu den 23 Wiener Gemeindebezirken zusammengeschlossen. Ottakring setzt sich neben der Brigittenau aus den wenigsten Dörfern zusammen - aus Neulerchenfeld und dem namensgebenden Ottakring. Dennoch ist der Bezirk in sich so bunt wie kaum ein zweiter:
ArbeiterInnenviertel, Wienerwald, Zuwanderbezirk, Kleingartensiedlungen, Villengegend, Industrieregion, Erholungsgebiet, all das ist Ottakring.

Eben, hügelig, ein Berg, viel Wald

Ebenso vielfältig ist auch die Topografie des Bezirkes. Während er im Osten eher flach und dicht verbaut an den Gürtel grenzt, befinden sich im Westen die hügeligen Ausläufer des Wiener Waldes. Die höchste Erhebung ist mit 449 Metern der Gallitzinberg, auch Wilhelminenberg genannt. Fürst von Gallitzin, ein russischer Botschafter, war bis 1793 Besitzer des heutigen Schlosses Wilhelminenberg sowie einigen Ländereien der Umgebung. Mehrere Besitzerwechsel, Umbauten und einen Erbschaftsstreit später erstand Fürst von Montleart das Schloss. Dieser schenkte es 1866 seiner Gattin Wilhelmine. Da sich die Gemeinde weigerte, den Berg auf Wilhelminenberg umzubenennen, ließ der Fürst an allen Zugängen zum Schloss Tafeln mit der Aufschrift "Wilhelminenberg" anbringen und erreichte somit eine indirekte Namensänderung. Auf dem Gipfel des Berges befindet sich die 31 Meter hohe Jubiläumswarte. Die Aussichtsplattform auf rund 480 Meter über dem Meeresspiegel ist der höchste Punkt Ottakrings.

Mit 867,3 Hektar nimmt der 16. Bezirk lediglich zwei Prozent der Stadtfläche und Platz elf im Bezirksvergleich ein. 30,4 Prozent des Bezirkes bestehen aus Grünflächen, wovon über 75 Prozent bewaldet sind. Der Ottakringer Wald über Jahrhunderte Holz- und Wasserlieferant für die Bevölkerung, dient heute hauptsächlich als Erholungsgebiet. Er reicht vom Rosental bis zum Gallitzinberg. Der Bezirk verfügt insgesamt über 37 Spielplätze mit 14 Ballspielplätzen, 30 städtische Parkanlagen, sechs Großsportanlagen und fünf Naturdenkmäler.

Unternehmerisches Ottakring

Der ehemals wirtschaftlich bedeutende Weinbau ist aus Ottakring beinahe verschwunden. 60.000 Quadratmeter Rebflächen sind noch im Bezirk zu finden, die knapp ein Prozent des Wiener Weinbaus ausmachen. Aber im Sechzehnten befindet sich Wiens letzte Großbrauerei, die 1838 von Müllermeister Heinrich Plank unter dem Namen Planksche Brauerei eröffnet wurde. 1850 wurde sie von den Cousins Ignaz und Jakob Kuffner übernommen. Ignaz' Sohn Moriz war es übrigens, der die Kuffner-Sternwarte, heute eine beliebte Sehenswürdigkeit und im Besitz der Stadt Wien, gründete.

Die Müllverbrennungsanlage Flötzersteig ist Wiens und gleichzeitig auch Österreichs älteste Müllverbrennungsanlage. Bis zu 200.000 Tonnen Restmüll werden hier jedes Jahr in umweltfreundliche Wärme verwandelt.

Auch "Orient ums Eck" genannt, ist der Brunnenmarkt Wiens längster Straßenmarkt. 2009 wurde der Yppenmarkt in den Brunnenmarkt eingegliedert, und ist mit rund 160 Marktständen der größte ständige Straßendetailmarkt Europas. Der Brunnenmarkt ist mit seinem bunten Ambiente ein interkulturelles Stadtgrätzel, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit zusammentreffen.

JedeR Vierte lebt alleine

Über die Hälfte des Bezirks wird von Bauflächen beansprucht, knapp 86 Prozent davon sind wiederum dem Wohnbau gewidmet. Auf diesem Gebiet leben 5,6 Prozent aller WienerInnen, in Zahlen 99.094 Personen - nur vier Bezirke sind mehr bevölkert. Die 50.329 bewohnten Wohnungen sind im Schnitt 62 Quadratmeter groß und somit nach Brigittenau und Rudolfsheim-Fünfhaus die kleinsten. Aber: 47,4 Prozent dieser Wohnungen werden von nur einer Person bewohnt, was bedeutet, dass fast ein Viertel der OttakringerInnen in einem Singlehaushalt lebt. Mit einem Durchschnittsalter von 39,8 Jahren sind die BezirksbewohnerInnen jünger als DurchschnittswienerInnen. Der MigrantInnenanteil beträgt 30,9 Prozent.

Bevölkerungsentwicklung in Ottakring

Im 20. Jahrhundert verzeichnete Ottakring EinwohnerInnenverluste. Im Jahr 2001 wurde der bisherige Tiefststand erreicht - rund 86.000 Personen. Im Zuge der letzten Jahre stieg die EinwohnerInnenzahl beträchtlich. Schon bald könnte die 100.000-Marke überschritten sein. Bis zum Jahr 2034 dürfte der Bevölkerungszuwachs mit neun Prozent unter dem Wien-Durchschnitt von 15 Prozent liegen. Auffallend hoch sind die EinwohnerInnenverluste, die durch die innerstädtische Abwanderung aus dem Bezirk resultieren; diese könnten die positive Außenwanderungsbilanz bis zu 90 Prozent wettmachen.

Insgesamt sind die zu erwartenden Veränderungen der Altersstruktur nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Gemeindebezirken. Ein Rückgang wird nur für die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen prognostiziert, die verstärkt an den innerstädtischen Umzügen partizipieren. Man wird sich jedoch auch in Ottakring auf eine deutlich steigende Zahl älterer BewohnerInnen einstellen müssen, die zu 72 Prozent für den EinwohnerInnenzuwachs verantwortlich sind.

Quelle: MA 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik / Statistik Austria / Wien Geschichte Wiki/ Wikipedia.org

Statistisches Jahrbuch 2014

Das Statistische Jahrbuch 2014 der Stadt Wien sowie die Studie "Wien wächst..." unter Federführung der MA 23 stehen als kostenloser Download zur Verfügung unter www.wien.gv.at/statistik/publikationen/jahrbuch.html. www.wien.gv.at/statistik/pdf/wien-waechst.pdf

Als Publikation (32,70 Euro, ISSN 0259-6083) erhältlich ist das Statistische Jahrbuch bei der Magistratsabteilung 23: 2., Meiereistraße 7, Sektor B; Montag bis Freitag jeweils 8.00 bis 14.30 Uhr; Telefon 01/4000-83059, Bestellung per E-Mail an post@ma23.wien.gv.at.

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