WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Das Kreuz mit der Kasse" - von Oliver Jaindl

Wien (OTS) - Eigentlich ist das Image der Krankenkassen nicht schlecht. Ende 2014 etwa rechneten die Kassen mit einem Überschuss von knapp 60 Millionen Euro. Die Kassen sind also auf den ersten Blick ein Musterbeispiel dafür, dass auch im staatsnahen Bereich ausgeglichen oder sogar mit Gewinn gewirtschaftet werden kann.

Toll, oder? Wenn man sich aber die Berichte vieler Unternehmer vor Augen hält, die sich an das WirtschaftsBlatt gewandt haben, bleibt ein schaler Nachgeschmack. Oft berichten Unternehmer davon, dass ihnen die Krankenkassen - als Ermittler und Richter in einer Person -hohe Nachzahlungen aufgebrummt haben. Oft kam es bei Prüfungen vor, dass dabei den Unternehmern ein aus ihrer Warte so empfundener "Kuhhandel" angeboten wurde: Entweder es wird bezahlt, oder es wird weiter geprüft. Die Kassen verteidigen sich stets damit, dass sie sich in ihrer amtlichen Funktion nur an das Gesetz halten und alle Schritte mit höchstgerichtlicher Judikatur in Einklang stehen -Punkt.

In den Fällen ging es meist um Menschen, die in irgendeiner Form als Selbstständige gearbeitet haben. Sei es als reine Freiberufler, sei es unter dem Mantel eines EPU. Die Kasse sah das aber anders und meinte, dass diese frei tätigen Personen als Angestellte oder Arbeiter zu betrachten seien, und stellte saftige Nachzahlungen in Rechnung.

Die Kassen und auch die Gerichte, die naturgemäß aufgrund langer Verfahrensdauern Entwicklungen in der Gesellschaft erst später bemerken, übersehen dabei aber, dass "freies", selbstständiges Arbeiten heute sowohl von den Auftragnehmern als auch von den Auftraggebern nicht umsonst nachgefragt wird. Die Auftraggeber müssen flexibel auf Auftragseingänge reagieren. Die Auftragnehmer wollen nicht nur einem Herren dienen, sondern sich die Arbeit aussuchen, nicht im engen Korsett eines unselbstständig Erwerbstätigen arbeiten -oder schlichtweg die Freiheit genießen, mehr Zeit für Privatinteressen zu haben.

Das ist nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Lebensmodell. Warum soll man Menschen die Freiheit nehmen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie wollen? Daher ist den Kassen dringend ans Herz zu legen, zeitgemäßer und liberaler zu denken und vom alten Klischee "böser Unternehmer - ausgebeuteter Arbeitnehmer" abzukehren.

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