Presserat präsentiert Fallstatistik für 2014 und bekommt dritten Senat

Der Presserat stellte bei seiner Jahrespressekonferenz seinen neuen Senat 3 vor - Vorsitzende ist Irmgard Griss

Wien (OTS) -

Neuer Senat 3

Heute, Donnerstag, fand die Jahrespressekonferenz des Presserats statt. Dabei wurde bekannt gegeben, dass der Presserat einen dritten Senat einrichtet, dessen Vorsitz die vormalige OGH-Präsidentin Irmgard Griss übernimmt. "Bei der stetigen Zunahme der Fälle - 2014 waren es 238 - war es notwendig, einen dritten Senat zu bestellen", erklärte Astrid Zimmermann, die Präsidentin des Presserats. Stellvertretender Vorsitzender des neuen Senats ist Dejan Jovicevic (Die Pressse). Bei den journalistischen Senatsmitgliedern wurde auf eine ausgewogene Mischung aus anerkannten Journalistinnen und Journalisten geachtet: Der Trägerverein des Presserats wählte Nina Brnada (freie Journalistin), Martin Gebhardt (NÖN), Heide Rampetzreiter (Die Presse), Wolfgang Unterhuber (RMA), Christoph Wurmdobler (Falter) und Christa Zöchling (Profil) in den Senat 3. Als Ersatzmitglieder wurden Andreas Feiertag (VN), Alexandra Parragh (SN) und Wolfgang Sablatnig (TT) bestellt. Zudem wurde Ingrid Brodnig (Profil) als Ersatzmitglied in den Senat 1 entsandt.

Arbeitsgruppe Onlineberichterstattung

Der Trägerverein setzte darüber hinaus auch eine Arbeitsgruppe ein, die Richtlinien zur Online-Berichterstattung ausarbeiten soll. Einer der Hintergründe: Die zahlreichen Beschwerden über verletzende Postings zu Online-Artikeln .

Fallstatistik 2014

Der Presserat zog bei der Pressekonferenz auch Bilanz über das Jahr 2014.
Die Senate des Presserats behandelten im Vorjahr insgesamt 238 Fälle, in 35 Fällen stellten sie Verstöße gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse fest - 2013 gab es bei 155 Fällen 16 Ethikverstöße. Im Vergleich zu 2013 ist die Zahl der Fälle somit um über 50 Prozent gestiegen.
Nachfolgend die Fallzahlen 2014 für einzelne Medien und in Klammer dazu jeweils die medienethischen Verstöße: "Kronen Zeitung" 51 Fälle (16), "Österreich" 30 (11; inkl. 2 Hinweise), "Der Standard" 29 (0), "Heute" 19 (5), "Die Presse" 14 (0), "Kleine Zeitung" 10 (0), "Kurier" 9 (0), "OÖNachrichten" 9 (0), TT 9 (0), SN 7 (0), "Bezirksblätter" 6 (0), VN 6 (0), "Zur Zeit" 3 (2).
In 9 Fällen wurden die Senate eigenständig aktiv; dabei wurden 5 Ethikverstöße festgestellt.

Medienethische Entscheidungen des Jahres 2014

Die meisten Ethikverstöße betrafen Persönlichkeitsverletzungen (Punkt 5 des Ehrenkodex für die österreichische Presse) und Diskriminierungen von Personengruppen (Punkt 7 des Ehrenkodex).

Zu den Persönlichkeitsverletzungen zählten u.a.: Die Bezeichnung von mutmaßlichen jugendlichen Räubern als "elendes, niederträchtiges Pack" und "Dreckskerle"; die Veröffentlichung eines Videos über den Absturzes einer psychisch beeinträchtigten Person aus dem dritten Stock eines Wohnhauses; die Mutmaßung, dass ein Häftling im Falle seiner Entlassung ein Blutbad anrichten werde; die Veröffentlichung von Bildern, die zeigen, wie sich Besucher des Donauinselfestes übergeben oder wie sie im Gebüsch urinieren; die Frage an die Userinnen und User, ob ein IS-Enthauptungsvideo echt sei und die Verlinkung zu diesem Video; die Veröffentlichung eines Bildes einer Frau, die aus einem Altkleidercontainer Kleidung herausholt mit verletzendem Begleittext; die Bezeichnung von Ministerin Heinisch-Hosek als "Polit-Furunkel"; die Veröffentlichung von Bildern von Leichen des Opfers und des Täters nach einer Mordtat; die Veröffentlichung des Bildes eines Bettlers in Zusammenhang mit einem Raubüberfall, mit dem er nichts zu tun hatte.

Als Diskriminierungen werteten die Senate: Die Beschreibung von Roma und Sinti u.a. als "fremdartig, bildungsfern, ekelerregend und ohne Eigentumsempfinden"; die pauschale Zuordnung bestimmter Straftaten zu einzelnen Nationalitäten (z.B., dass die "Serben-Mafia" für Einbrüche und Polen für KFZ-Diebstähle zuständig seien); die Verwendung des Begriffs "Negerkinder"; die Bezeichnung von Nigerianern als "schwarze Plage"; die Veröffentlichung eines Videos über eine betrunkene Lokalpolitikerin; die Bezeichnung eines jemenitischen Kindes mit traditioneller Tracht und arabischem Dolch beim muslimischen Opferfest als "Dschihadist von morgen".

Darüber hinaus gab es auch Verstöße gegen das Gebot, zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten klar zu unterscheiden (zu nennen ist hier z.B. die nicht gekennzeichnete Werbung für einen Energy-Drink auf der Titelseite eines Gratis-Wochenmagazins).
Schließlich wurde in einigen Fällen Punkt 12 des Ehrenkodex missachtet, wonach über Suizide zurückhaltend berichtet werden muss. Darunter fiel etwa die Veröffentlichung eines Bildes, das den Sprung bei einem Suizid zeigt.

Keine Ethikverstöße stellten die Senate in den folgenden Fällen fest:
Die Bezeichnung eines Tafelspitzes in einer Restaurantkritik als "zäh wie ein Pferdesattel"; die Veröffentlichung von größtenteils verpixelten Erschießungsszenen in einem Videoblog über Jihadismus; die Verwendung der Begriffe "Ost-Banden" und "Ost-Kriminelle" im Zusammenhang mit Bandenkriminalität; die Nicht-Berücksichtigung einer wahlwerbenden Gruppe (EU-Stopp) bei einem Überblick zur EU-Wahl; Berichte über die Hintergründe des Rücktritts eines politischen Funktionärs der UETD; der Abdruck einer Maske von Hannes Kartnig als "Halloween Gag".

Den Tätigkeitsbericht 2014, in dem die oben genannten Fälle genauer beschrieben werden, sowie eine detaillierte Fallstatistik finden Sie unter www.presserat.at.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Presserats, Tel.: 01-2369984-01

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