Papst: Altsein heißt nicht "Die Ruder einziehen"

Franziskus spricht sich bei Generalaudienz für eigene "Spiritualität für alte Menschen" aus - Gebet der Senioren "großes Geschenk" und "Weisheitsspritze" - "Erste Predigerin über Jesus war eine alte Frau"

Vatikanstadt, 11.3.2015 (KAP) Papst Franziskus hat eine mangelnde Wertschätzung des Alters kritisiert. Die heutige Gesellschaft sei "moralisch und geistlich" nicht in der Lage, diesem Lebensabschnitt "seinen vollen Wert beizumessen", sagte der Papst am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Es müsse deutlich werden, dass auch das Alter eine Gnade Gottes sei und nicht die Zeit, "die Ruder einzuziehen". "Alt zu sein ist eine Berufung", so der Papst, der sich auch selbst als alter Mensch bezeichnete.

Zugleich sprach sich Franziskus im Rahmen seiner Katechesenreihe über die Familie für eine eigene "Spiritualität für alte Menschen" aus, die heute über viel mehr freie Zeit verfügten als früher. Das Gebet alter Menschen sei ein "großes Geschenk für die Kirche" und eine "Weisheits-Spritze" für die gesamte, oft zu beschäftigte und zerstreute Gesellschaft, so der Papst, und weiter:
"Jemand muss doch auch für sie singen, die Zeichen Gottes verkünden und für sie beten!"

Als Beispiele dafür würdigte der Papst die biblischen Alten Simeon und Anna, die im Jerusalemer Tempel dem neugeborenen Jesus begegnet waren. Beide hätten "keine wichtigere Aufgaben gehabt als diese: auf den Herrn warten und beten", so Franziskus. Simeon sei in dieser Begegnung zum Dichter geworden, Anna zur "ersten Predigerin" über Jesus: Sie "sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten", zitierte Franziskus die Evangelienstelle.

In ähnlicher Weise hob Franziskus seinen Vorgänger hervor: "Schauen wir auf Benedikt XVI., der sich entschieden hat, seinen letzten Lebensabschnitt im Gebet und im Hören auf Gott zu verbringen. Wie schön ist das." Weiter sagte der Papst, alte Menschen könnten ein Vorbild für die junge Generation sein. Sie könnten diese lehren, dass Geben mehr Freude bereitet als das Nehmen und nicht zu selbstverliebt zu sein. Ferner könnten sie sich für die Belange der jungen Leute einsetzen und diese angesichts ihrer Zukunftsangst ermutigen.

Auch die Kirche müsse sich noch mehr bemühen, der "Kultur des Aussonderns" entgegenzutreten "mit der überfließenden Freude einer neuen Umarmung zwischen Jugendlichen und Alten", so die Forderung des Papstes zu mehr Augenmerk auf die Gemeinschaft zwischen den Generationen. Worte von Großeltern hätten "etwas Besonders" für Jugendliche, betonte Franziskus; er selbst trage jenen Brief, den ihm seine Großmutter am Tag seiner Priesterweihe zukommen habe lassen, stets bei sich und lese ihn oft.

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(forts. mgl.) gut/per/

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