Ärztekammer warnt vor Entscheid gegen Interessen der Spitalsärzte

„Votum von fast 90 Prozent der Ärzte muss berücksichtigt werden“ – Sofortige Neuverhandlungen gefordert

Wien (OTS) - Eine unmissverständliche Warnung richtet Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres in Richtung Gemeinde Wien und Gewerkschaft: Sollte das eindeutige Votum der Wiener KAV-Ärzte missachtet werden, indem ein Vertrag gegen die Intentionen von Ärztekammer und Ärzteschaft durchgepeitscht wird, hätte dies gravierende Auswirkungen auf die gesamte Gesundheitsversorgung in Wien. ****

Schon derzeit sei die Frustration der Spitalsärzte aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen in den Spitälern mit einer immer stärker werdenden Arbeitsverdichtung groß. "Wenn nun ein Pakt durchgewinkt wird, der Stellenreduktionen vorsieht, ohne dass davor notwendige Begleitmaßnahmen, wie die Stärkung des extramuralen Bereichs, der Ausbau des Ärztefunkdienstes oder auch die Übernahme von Tätigkeiten durch die Pflege, umgesetzt sind, dann treiben Gemeinde Wien und Gewerkschaft die Spirale der Demotivation nur noch weiter in die Höhe", betont Szekeres.

87,44 Prozent Ablehnung seien ein Votum, an dem in einer Demokratie niemand vorbei könne. Schon derzeit sei es schwer, genügend Ärztinnen und Ärzte zu finden, die unter den gegenwärtigen Bedingungen in den Spitälern der Gemeinde Wien arbeiten wollten. Dies zeige sich speziell bei den Turnusärzten. Szekeres: "Vor Jahren hatten wir noch lange Wartlisten auf eine Ausbildungsstelle. Jetzt fehlen uns die Turnusärzte, und der Krankenanstaltenverbund kann nicht einmal mehr alle Ausbildungsstellen besetzen."

Die schon derzeit vorhandene ärztliche Unterbesetzung zeige sich im Besonderen durch die überlangen Wartezeiten in den Ambulanzen sowie Gangbetten in fast allen KAV-Spitälern. Dieser Trend werde sich noch fortsetzen, sollte die Gemeinde Wien an ihren Plänen einer Personalreduktion festhalten, befürchtet Szekeres.

Als "unglücklich" bezeichnete der Ärztekammerpräsident die Aussage des Vorsitzenden der Gewerkschaft für Gemeindebedienstete - Kunst, Medien, Sport und freie Berufe, Christian Meidlinger, wonach es der Ärztekammer nicht gelungen sei, das Ergebnis "gut zu verkaufen". Denn eigentlich wäre es Aufgabe der Gewerkschaft gewesen, der Ärzteschaft die Vorzüge des neuen Arbeitszeitmodells schmackhaft zu machen.

Er nehme zur Kenntnis, dass die Wiener Stadträtin nun ausschließlich die Gewerkschaft als Verhandlungspartnerin akzeptiere. Dies mache aus Sicht der Politik auch Sinn, "ist die Ärztekammer doch sicherlich die eindeutig weniger willfährige Partnerin". Die Gewerkschaftsvertreter seien aber gut beraten, ein so eindeutiges Votum der Spitalsärzte nicht einfach zu ignorieren und nicht gegen die Interessen der überwiegenden Mehrheit der Spitalsärzte zu agieren.

Szekeres: "Jetzt braucht es neuerliche Verhandlungen aller Partner, um dem drohenden Kollaps in der Wiener Gesundheitsversorgung wirkungsvoll entgegentreten zu können." (hpp)

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