Greenpeace: HCB in der Gurk über dem Grenzwert

Sanierung der Donau Chemie-Giftmülldeponie hat höchste Dringlichkeit

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat heute die Ergebnisse der am 5. März 2015 aus der Gurk nahe der Donau Chemie-Deponie gezogenen Wasserproben veröffentlicht. Die gefundene HCB-Konzentration liegt dabei deutlich über dem Grenzwert für Oberflächengewässer. Darüber hinaus wurden bei den Analysen vier andere Umweltgifte aus den Altlasten der Donau Chemie in teilweise erheblichen Mengen nachgewiesen, darunter Hexachlorbutadien (HCBD) und das Putzerei-Gift Perchlorethylen. "Die gefundenen Giftmengen bestätigen die Dringlichkeit der Deponie-Sanierung", interpretiert Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster die Ergebnisse.

Konkret betrug der höchste, vom Wiener Labor Biutec, gefundene HCB-Wert 0,12 Mikrogramm pro Liter. Das ist mehr als das Doppelte der zulässigen Höchstkonzentration für Oberflächengewässer bzw. mehr als das Zehnfache des zulässigen Jahresdurchschnittes. Auch die HCBD-Werte liegen mit 0,24 bis 0,43 Mikrogramm pro Liter deutlich über dem zulässigen Jahresdurchschnitt von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Hinzu kommen noch umweltrelevante Mengen an Di- und Trichlorethen (0,13 bzw. 0,77 Mikrogramm pro Liter) sowie des Putzerei-Giftes Perchlorethylen (Tetrachlorethen, 0,18 bis 0,23 Mikrogramm pro Liter). Alle diese Chemikalien sind starke Umweltgifte. Die meisten davon können Krebs verursachen, Trichlorethylen steht zudem im Verdacht, das Erbgut zu schädigen. Die HCB- und HCBD-Konzentrationen sind außerdem deutlich höher als bei den letzten amtlichen Messungen aus dem Jahr 2007, was auf einen Anstieg der Emissionen seit Beginn der Deponie-Sanierung vor zwei Jahren hindeutet.

"Bei dermaßen hohen Schadstoff-Werten sollte jegliche Nutzung der Gurk unterlassen werden. Dazu zählt nicht nur die Fischerei, sondern auch Nutz- und Haustiere dürfen kein Wasser beziehungsweise keine Nahrung aus der Gurk und deren Uferbereich zu sich nehmen. Außerdem sollte das Wasser nicht zur Bewässerung genutzt werden", so Schuster und fordert das Land Kärnten auf, zu prüfen, wie stark die Belastung der Drau nach Einmündung der Gurk ist.

Die Ergebnisse bestätigen, dass die Giftmülldeponie in Brückl die gefährlichste bekannte Altlast Österreichs ist. Nebst der Verschmutzung der Gurk besteht auch die Gefahr, dass der Gift-Cocktail das Klagenfurter Grundwasserschongebiet erreicht. "Die Sanierung der Deponie muss schnellst möglich durchgeführt werden", fordert Schuster und weist darauf hin, dass die Donau Chemie eine EU-weite Neuausschreibung der Blaukalk-Entsorgung unbedingt vermeiden sollte, da dies eine Verzögerung von bis zu zwei Jahren bedeuten könnte. "Die Deponie-Teile, die am stärksten mit Umweltgiften belastet sind, müssen umgehend abtransportiert werden. Außerdem sind streng überwachte Verwertungsversuche mit umfassenden HCB-Messungen in dafür geeigneten Zementwerken durchzuführen. Eine sogenannte Rauchgas-Nachverbrennung, bei der Schadstoffe im Abgas mit hohen Temperaturen verbrannt werden, ist eine wichtige Voraussetzung dafür", so der Chemiker abschließend zum dringenden Handlungsbedarf.

Labor-Ergebnisse im Detail:
Des Analyse-Protokoll des Labors Biutec steht unter nachstehendem Link zum Download zur Verfügung.
http://bit.ly/19b82PO

Bildmaterial:
Eine Auswahl an Bildmaterial der Wasserproben-Entnahme finden Sie unter nachstehendem Link. Die Bilder stehen kostenlos zur einmaligen Verwendung unter Angabe der Photo Credits zur Verfügung.
(c) Arnold Pöschl / Greenpeace
http://bit.ly/1C1AXAW

Rückfragen & Kontakt:

Herwig Schuster
Chemiker
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 431 92 14
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