- 11.03.2015, 09:00:02
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Exporte von Agrargütern und Lebensmitteln nach Russland 2014 um etwa 50 Mio. € zurückgegangen
Wien (OTS) - Am 7. August 2014 verhängte die Russische Föderation ein
Importverbot für bestimmte Agrargüter und Lebensmittel aus der EU.
Vor allem Exporteure von verarbeiteten Lebensmitteln sind direkt von
den Maßnahmen betroffen. Im Jahr 2013 hatte Österreich derartige
Güter im Wert von 274 Mio. Euro nach Russland exportiert. Erste
Schätzungen vom Sommer 2014 bezifferten den Wert der vom Importverbot
betroffenen Agrargüter und Lebensmittel pro Jahr auf 102 Mio. Euro.
Der Verlust von Exportmöglichkeiten bis Jahresende wurde auf 53 Mio.
Euro geschätzt. Auswertungen anhand der Außenhandelsdaten bis
November 2014 bestätigen nun die Größenordnung des Exportrückganges:
Insgesamt dürfte Österreichs Export von Agrargütern und Lebensmitteln
nach Russland 2014 um knapp 50 Mio. Euro gedämpft worden sein. Diese
Abnahme der Verkäufe nach Russland ist auch eine Folge der starken
Verteuerung österreichischer Produkte, da der Rubel gegenüber dem
Euro seit Jahresmitte 2014 erheblich an Wert verloren hat, was aber
teilweise ebenfalls auf die verhängten Sanktionen zurückgeführt
werden kann.
Die Gemeinsame Agrarpolitik verfügt über ein breites Spektrum an
Instrumenten, um Schäden durch Marktstörungen abzufedern. Dazu zählen
Maßnahmen zur Marktentlastung wie das Unterlassen der Ernte oder das
Anlegen von Lagern und zur Absatzförderung wie etwa verstärktes
Marketing im Inland, kostenlose Abgabe an bestimmte Zielgruppen. Von
diesen Möglichkeiten wurde bereits unmittelbar nach Verhängung der
Sanktionen Gebrauch gemacht. Bis zum Jahresende 2014 wurden vor allem
Maßnahmen für Obst- und Gemüseproduzenten und deren
Erzeugergemeinschaften gesetzt. Im Bereich der Milchwirtschaft wurden
in baltischen Ländern und Finnland verstärkt Lageraktionen
durchgeführt, um einen starken Preisverfall zu bremsen. Österreichs
Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft sind im Vergleich mit
diesen Ländern nur wenig exponiert.
Unmittelbar nach Verhängung der Importbeschränkung wurden diese
Maßnahmen auf EU-Ebene initiiert; bis Jahresende 2014 wurde ein
Finanzrahmen von etwas über 400 Mio. Euro beschlossen. In Österreich
wurden davon etwa 1/2 Mio. Euro eingesetzt. Nationale Maßnahmen wie
die Exportinitiative zur Verbesserung des Marktzuganges in anderen
Ländern ergänzten die Initiativen der Europäischen Kommission. Die
Maßnahmen zur Marktentlastung in den nordöstlichen EU-Ländern trugen
wesentlich zur Stützung des Preisniveaus auch in Österreich bei.
Der Ausfall der Exporte ist nicht mit den wirtschaftlichen
Einbußen der heimischen Landwirtschaft gleichzusetzen. Je nach Dauer
und Umfang der Exportrestriktionen sind Auswirkungen auf die Preise
im gesamten gemeinsamen Markt zu erwarten. Diese Preiseffekte sind
derzeit jedoch noch nicht im Detail abzusehen, und die Kausalität ist
nicht einfach festzustellen. Die Auswirkungen einer Verbilligung
wichtiger Produkte auf die nominelle Wertschöpfung der Landwirtschaft
und der Lebensmittelverarbeitung sind tendenziell höher als der
Entgang von Exporterlösen.
Diese mittelbaren Folgen der Handelsbarrieren können derzeit nicht
beziffert werden. Die Außenhandelstheorie und auch empirische Befunde
legen nahe, dass die Beschränkung des Handels
Nettowohlfahrtsverlusten bewirkt. Die Folgen sind häufig in dem Land,
das die Sanktionen verhängt, stärker als in den Ländern, deren
Marktzugang erschwert wird.
Nicht nur die Marktordnungspolitik der Gemeinsamen Agrarpolitik
("erste Säule") bietet Instrumente zur Abfederung von Marktstörungen,
auch im Programm der Ländlichen Entwicklung ("zweite Säule") sind
Maßnahmen vorgesehen, die eine Unterstützung von betroffenen
Unternehmen zur Anpassung an die neue Situation erlauben. Solche
Maßnahmen werden jedoch nicht kurzfristig eingesetzt und wirken
strukturell. Als wichtigste mittelfristige handelspolitische Option
bietet sich an, die laufenden Verhandlungen zur Erleichterung des
Exports in die USA und nach Ostasien zu beschleunigen, um Exporteuren
die Möglichkeit zu geben, auf diesen wachsenden - und zudem sehr
attraktiven - Märkten verstärkt Fuß zu fassen.
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