"Access to Finance": Präsentation der Studie zum Finanzierungsbedarf in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Teil der Workshop-Reihe des Bundeskanzleramtes zur EU-Kulturpolitik - Schaffung eines EU-Garantiefonds

Wien (OTS) - Heute, Freitag, veranstaltete das Bundeskanzleramt in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) und creativ wirtschaft austria der Wirtschaftskammer Österreich den Workshop "Access to Finance" in Wien. In diesem Rahmen wurde die von der KMU-Forschung Austria durchgeführte Studie "Finanzierungssituation und -bedarf der Österreichischen Kultur- und Kreativwirtschaft" präsentiert sowie die Implementierung des EU-Garantiefonds in Österreich vorgestellt. Im Anschluss daran fand eine Diskussion zu den zentralen Ergebnissen statt. "Der Workshop soll zur Bewusstseinsschärfung dienen, denn der Garantiefonds nimmt eine bedeutende Rolle für den Kultur- und Kreativbereich ein", so Kathrin Kneißel, Leiterin der Abteilung EU-Kulturpolitik in der Kultursektion des Bundeskanzleramtes.

In Österreich zählt jedes zehnte Unternehmen zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Es ist ein äußerst heterogener Bereich mit vielen Branchen und unterschiedlichen Geschäftsmodellen und umfasst sowohl gewinn- als auch nicht-gewinn-orientierte Unternehmen und Organisationen sowie Selbstständige. Strukturell betrachtet handelt es sich meist um kleine Unternehmen und Organisationen, wobei insbesondere den Ein-Personen-Unternehmen mit einem Anteil von über 60 Prozent (2013) eine hohe Bedeutung zukommt.

Im Zuge des EU-Programms "Creative Europe" soll 2016 zusätzlich zu den Förderschienen Kultur und MEDIA ein neuer Garantiefonds eingerichtet werden. Ziel ist es, Organisationen des Kultur- und Kreativsektors den Zugang zu Kapital zu erleichtern. Der Garantiefonds soll jedoch keine Förderung ersetzen, sondern dient als zusätzliches Instrument und springt für fehlende Sicherheiten ein. Diese Rolle übernimmt auf europäischer Ebene der Europäische Investitionsfonds (EIF) und in Österreich die Austria Wirtschaftsservice GmbH. Insgesamt werden 120 Millionen Euro bei einer Laufzeit von fünf Jahren zur Verfügung gestellt. Dieses Geld wird jedoch nicht verteilt, sondern dient als Haftung und soll somit im besten Fall weitere Kredite von 700 Millionen Euro auslösen.

Damit soll sowohl im Kultur- und Kreativbereich als auch bei den Banken Verständnis geschaffen und Aufklärungsarbeit geleistet werden. So fehlt auf Bankenseite oft das Verständnis für Businessprogramme der Kulturschaffenden, auf der anderen Seite mangelt es an betriebswirtschaftlichem Knowhow oder ausreichenden Sicherheiten. Der Garantiefonds soll hier eine Brücke schlagen.

Michael Hofegger vom aws erklärte, dass der Garantiefonds auf zwei Säulen basiere: zum einen auf dem "Financial Instrument", um fehlende Sicherheiten zu ersetzen, und zum anderen auf "Capacity Building", die Expertise bei den Banken auf- und auszubauen. Zielgruppe ist der gesamte Kultur- und Kreativsektor, je Projekt sind bei einer Laufzeit von mindestens 12 Monaten Kreditvolumina von maximal 500.000 Euro vorgesehen.

Aliette Dörflinger von der KMU-Forschung Austria erörterte die Ergebnisse der Studie. Bei den Kultur- und Kreativschaffenden bestehe ein sehr hoher und kontinuierlicher Bedarf an Überbrückungs- bzw. Zwischenfinanzierungen. Zudem gebe es hohe Barrieren beim Finanzierungszugang, unter anderem deshalb, weil bei vielen Banken der kulturelle Wert nicht als ökonomische Größe und (öffentliche) Förderungen nicht als Sicherheit gezählt würden. Vor allem in Hinblick auf immaterielle Vermögenswerte verliefen die Gespräche oftmals schwierig. Es brauche aber in jedem Fall ein "Entgegenkommen" beider Seiten. "Der Garantiefonds setzt bei den richtigen Problembereichen an", so Dörflinger abschließend.

Die in dieser umfassenden Form erstmalig umgesetzte Studie wurde im Auftrag des erp-Fonds der Austria Wirtschaftsservice GmbH, des Bundeskanzleramts, des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und der creativ wirtschaft austria der Wirtschaftskammer Österreich durchgeführt.

Details und Informationen dazu finden Sie unter:
http://www.kunstkultur.bka.gv.at/site/8070/default.aspx

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Kerstin Hosa, MAS
Kabinett des Bundesministers Dr. Josef Ostermayer
Pressesprecherin Kunst & Kultur
Tel.: +43 1 531 15-202122, +43 664 610 63 62
kerstin.hosa@bka.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0006