AK-Analyse: Nur ein Drittel der Arbeitslosen findet rasch längerfristige Arbeit

Ausgabe „Arbeitsmarkt im Fokus – zweites Halbjahr 2014“ auf wien.arbeiterkammer.at

Wien (OTS) - "Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im EU-Vergleich, aber die Arbeitsmarktlage verschlechtert sich", sagt Ilse Leidl, Arbeitsmarktexpertin der AK Wien. "Die Zahl der Arbeitslosen steigt stark an, die Dauer der Arbeitslosigkeit erhöht sich, die materielle Lage der Arbeitslosen verschlechtert sich zusehends: Immer mehr sind auf Notstandshilfe angewiesen." Diese Probleme auf dem Arbeitsmarkt werden in der aktuellen Arbeitsmarktanalyse des zweiten Halbjahres 2014 von der AK Wien herausgearbeitet. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (im Auftrag des AMS) untersucht die unterschiedlichen Erwerbs- und Arbeitslosigkeitsverläufe der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen und wird in einem Spezialteil von "Arbeitsmarkt im Fokus" dargestellt: Nur ein Drittel der Arbeitslosen findet rasch wieder Arbeit und ist in Summe nicht lange von Arbeitslosigkeit betroffen. "Angesichts dieser Tatsachen darf in der aktiven Arbeitsmarktpolitik nicht gespart werden", sagt Leidl. "Der Finanzminister muss zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mehr Geld zur Verfügung stellen."

Die wichtigsten Punkte der Analyse:

+ Etwas mehr als ein Drittel der von Arbeitslosigkeit Betroffenen findet relativ rasch wieder zurück in den Arbeitsmarkt oder ist in Summe nicht länger als ein Jahr und eher selten von Arbeitslosigkeit betroffen. Etwas weniger als ein Drittel ist von häufig wieder-kehrender Arbeitslosigkeit betroffen - diese Menschen befinden sich in einer Art "Drehtür" zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit, oftmals verbunden mit einer Wiedereinstellung beim "alten" Arbeitgeber. Ein weiteres Drittel ist länger arbeitslos, fast 20 Prozent der von Arbeitslosigkeit Betroffenen waren dabei besonders deutlich vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt und mehr als die Hälfte der Zeit - länger als 2,5 Jahre - arbeitslos (Quelle: Wifo).

+ Ältere, junge Erwachsene und Personen mit maximal Pflichtschulabschluss haben auf dem Arbeitsmarkt deutlich schlechtere Karten: Die Situation der Altersgruppe "55+" bleibt schwierig - hier lag die Arbeitslosenquote im zweiten Halbjahr 2014 bei 10,1 Prozent. Die Beschäftigung Älterer steigt zwar im Vergleich zum Vorjahr (+7,6 Prozent), aber ihre Arbeitslosigkeit steigt mehr als doppelt so stark (+16,5 Prozent). Aber auch junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren haben es schwer, sie weisen im Altersvergleich die höchste Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent auf. Menschen ohne abgeschlossene berufliche Ausbildung sind - unabhängig vom Alter - auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, hier lag die Arbeitslosenquote im zweiten Halbjahr 2014 sogar bei 22,4 Prozent.

+ Kündigungen und Wiedereinstellungen beim ehemaligen Dienstgeber haben in Österreich Tradition: Das hängt zum einen mit dem Anteil saison- oder witterungsabhängiger Branchen zusammen, zum anderen spiegelt es die weit verbreitete Praxis wider, sich in Zeiten geringer Auslastung vorübergehend von Arbeitskräften zu trennen, um sie anschließend (oft auch schon nach kurzer Zeit) wieder einzustellen. Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2013 waren bei rund 20 Prozent der Arbeitssuchenden Wiedereinstellungen beim ehemaligen Dienstgeber in den fünf Jahren davor das dominante Muster.

"Angesichts dieser Tatsachen darf in der aktiven Arbeitsmarktpolitik - besonders bei diesen Arbeitsmarktbedingungen -nicht gespart werden", sagt Leidl. Geht es nach dem momentan gültigen Budgetvoranschlag, stünden der aktiven Arbeitsmarktpolitik bereits ab dem Jahr 2017 nur mehr 879 Mio Euro zur Verfügung, das wäre ein Minus gegenüber dem heurigen Jahr von 220 Mio Euro. Leidl: "Diese massiven Einsparungen wären mit Sicherheit das falsche Rezept gegen die Rekordarbeitslosigkeit. Der Finanzminister muss zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mehr Geld zur Verfügung stellen."

SERVICE: Die Analyse und die Forderungen der AK zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit finden Sie in "Arbeitsmarkt im Fokus - 2. Halbjahr 2014". Download unter
http://wien.arbeiterkammer.at/arbeitsmarktimfokus

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