Internationaler Frauentag: Noch viele offene Baustellen

ÖGB-Frauen fordern Beseitigung von Hürden für Frauen

Wien (OTS/ÖGB) - "Trotz zahlreicher Errungenschaften in den vergangenen Jahren gibt es noch viel zu tun. Vor allem, wenn es darum geht, Frauen eine Vollzeitbeschäftigung zu ermöglichen und Beruf und Privatleben zu vereinbaren", sagt ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende Renate Anderl anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März. Die ÖGB-Frauen fordern einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.500 Euro, einen bezahlten Papamonat, das Recht auf Elternteilzeit für alle, sowie nachhaltige Maßnahmen, um die "gläserne Decke" zu durchbrechen.

Teilzeitbeschäftigung bei Frauen nimmt ständig zu. Laut aktueller "Gender Statistik" der Statistik Austria sind 70,6 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt, aber nur 6,5 Prozent der Männer. "Teilzeit ist nicht nur ein Bremsklotz für die Karriere, sondern führt in späterer Folge zu Altersarmut", warnt Anderl. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit mit einem geringen Gehalt. Niedriglöhne bedeuten, dass Frauen niedrigere Leistungen aus der Arbeitslosen-, aber auch der Pensionsversicherung erhalten. Um möglichst vielen Frauen eine Vollzeitbeschäftigung zu ermöglichen und den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern, fordern die ÖGB-Frauen seit Jahren den Ausbau von flächendeckenden und ganztägigen Kinderbildungseinrichtungen. "Das wäre eine Möglichkeit, um Frauen ein Einkommen zu sichern, von dem sie auch leben können, und zusätzlich ist es ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit von Männern und Frauen. Erst wenn Vereinbarkeit tatsächlich gewährleistet ist, können auch Frauen mit Kindern ihre berufliche Situation verbessern", so Anderl weiter.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Aber auch bei Frauen, die Vollzeit arbeiten, gibt es noch viel zu tun. Der letzte Bericht von Eurostat zum Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen bestätigt, dass Frauen noch immer für die gleiche Arbeit im Schnitt fast ein Viertel weniger Geld bekommen als ihre männlichen Kollegen. "Ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 1.500 Euro bei Vollzeitarbeit ist ein notwendiger Schritt, um zu mehr Einkommensgerechtigkeit zu gelangen. Gerade weil mehr Frauen als Männer in Niedriglohnbranchen arbeiten, würden höhere Mindestlöhne in allen Kollektivverträgen die Einkommensunterschiede verringern", sagt Anderl. Daher bekräftigen die ÖGB-Frauen einmal mehr ihre Forderung nach Einkommensberichten auch in Unternehmen ab 100 Beschäftigten, um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen.

Umdenken der Gesellschaft notwendig

"Frauen leisten täglich tolle Arbeit und sind dabei sehr erfolgreich. Von diesen Erfolgen profitieren nicht nur sie, sondern auch alle anderen", sagt Anderl. Daher ist die Bewusstseinsbildung auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene ein vorrangiges Ziel der Gewerkschafterinnen. "Wir brauchen ein Umdenken der Gesellschaft und eine intensive Diskussion über den Wert der Arbeit, die Frauen leisten - bezahlt oder unbezahlt", sagt Anderl. Rund drei Viertel der anfallenden Haushaltstätigkeiten werden heute noch immer von Frauen erledigt. Das zeigte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts marketagent.com. "Nur mit konkreten Maßnahmen schaffen wir es, uns aus der unrühmlichen Position des Einkommensgerechtigkeits-Entwicklungslandes in der EU zu befreien. Die Arbeit von Frauen muss viel mehr wert sein!", sagt Anderl abschließend.

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