Heinisch-Hosek: Ergebnisse der NMS: Pädagogisches Konzept bringt teils deutliche Verbesserungen, Umsetzung zum Teil noch unvollständig

"Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur ist das Engagement der Lehrkräfte."

Wien (OTS) - "Die Neue Mittelschule ist ein starkes und ein gutes Projekt. Die Evaluierung zeigt, wo noch nachzubessern ist, doch die deutliche Verbesserung des Schulklimas und der Schulkultur zeigen den richtigen Weg", so BMIn Heinisch-Hosek zur Evaluation der NMS.

Die Implementierung der 2008 als Schulversuch gestarteten und 2012 gesetzlich verankerten Neuen Mittelschule (NMS) wurde in den vergangenen Jahren durch eine wissenschaftliche Evaluation begleitet. Es wurden Generation 1 + 2 untersucht. Mittlerweile startet im Herbst bereits die 8. Generation mit 1.118 Standorten ins erste Schuljahr.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden gestern bei der Sitzung der Bildungsreformkommission präsentiert. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Bei der Umsetzung des pädagogischen Konzepts der Neuen Mittelschule bestehen große Unterschiede zwischen den Standorten.
  • Je vollständiger das pädagogische Konzept der NMS umgesetzt wird, desto stärker fallen die Leistungssteigerungen aus.
  • Schulklima und Lernkultur verbessern sich durch die Einführung der NMS deutlich.
  • das Problem der sozialen Selektion von Schülerinnen und Schülern nach der vierten Schulstufe bleibt aber weiterhin bestehen.
  • Bildungsministerin Heinisch-Hosek setzt sich für eine Weiterführung und noch bessere Umsetzung des bewährten pädagogischen Anspruches der NMS ein.

Maßnahmen der Bildungsreformkommission vorgeschlagen

Als erste Maßnahme hat Bundesministerin Heinisch-Hosek den zielgerichteten und bedürfnisgerechten Mitteleinsatz vorgeschlagen. "Es wäre ohne weiteres möglich, die zweckgewidmeten Mittel (6 Stunden des Bundes) die bisher auf die Fächer D/M/E begrenzt waren für weitere standortspezifische Schwerpunktfächer zu öffnen", so der Vorschlag der Bundesministerin.
Ein weiterer Schritt wäre die Entscheidung den Schulen bzw. Ländern darüber freizustellen, ob mit den Ressourcen für diese Bundesstunden LandeslehrerInnen oder BundeslehrerInnen beschäftigt werden. "Dieser uneingeschränkte Einsatz der Bundes und LandeslehrerInnen ist natürlich nur für pädagogische Lernsettings vorgesehen - nicht für verwaltungstechnische Aufgaben. Auch die Option Schülercoaching statt Teamteaching anzubieten wäre möglich. Die Einhaltung darüber müsste natürlich die Schulaufsicht beaufsichtigen", manifestiert Heinisch-Hosek.
Die dafür vorgesehen Gesetzesänderung wäre aus Sicht der Bundesministerin schnell und einfach schon ab Herbst umsetzbar.
Bei der gestrigen Bildungsreformkommission wurden sowohl die Ergebnisse der Studie präsentiert als auch die Maßnahmen vorgeschlagen. "Die Mitglieder der Reformkommission haben die Vorschläge wohlwollend zur Kenntnis genommen."

NMS-Konzept unterschiedlich stark umgesetzt

Insgesamt wurden 169 NMS-Standorten (65 der ersten und 104 der zweiten Generation) von anerkannten Fachleuten aus dem In- und Ausland analysiert. An den untersuchten Standorten zeigten sich dabei große Unterschiede hinsichtlich der Umsetzung des pädagogischen Konzepts der NMS.

In rund 20,4 Prozent der Klassen ("Modellklassen") wurden die NMS-Komponenten relativ umfassend und in weiteren 26,0 Prozent der Klassen weitgehend, aber weniger intensiv umgesetzt. In 31,6 Prozent der Klassen ("Normalklassen") waren die zentralen NMS-Merkmale durchschnittlich ausgeprägt und in 22,0 Prozent der Klassen ("Traditionsklassen") wurde eher die bisherige Art der pädagogischen Arbeit beibehalten. Insgesamt war der Anteil der "Modell- und Plusklassen" in der ersten NMS-Generation mit 61,2 Prozent deutlich höher als in der zweiten NMS-Generation mit 37,3 Prozent der Klassen.

"Die Ergebnisse machen deutlich, dass das Konzept der NMS sehr positive Effekte mit sich bringen kann - Voraussetzung dafür ist aber eine vollständige Umsetzung, die vor allem in der zweiten Generation nicht ausreichend gegeben war.

Teils signifikante Leistungssteigerungen

Der Umsetzungsgrad des pädagogischen NMS-Konzepts wirkte sich auch auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler aus. So konnten in der ersten Generation der getesteten NMS in allen drei Testbereichen (Deutsch, English und Mathematik) Verbesserungen beobachtet werden. Nach dem Wechsel zur NMS verzeichneten diese Standorte vor allem in Mathematik eine merkliche Leistungssteigerung ihrer Schülerinnen und Schüler (+31 Punkte) - gefolgt von Deutsch (+19) und Englisch (+13). In der zweiten NMS-Generation, mit ihrem deutlich geringeren Anteil an "Modell- und Plusklassen", fielen diese Effekte entsprechend schwächer aus.

Deutliche Verbesserung bei Schulklima und Schulkultur

Eine Reihe bedeutsamer Effekte offenbarte die Evaluation vor allem im Bereich der pädagogischen Prozesse und des schulischen Zusammenlebens. So lassen sich durch die Einführung der NMS Verbesserungen in der Gestaltung des Unterrichts, ein Rückgang von normabweichenden Verhalten und Gewalt sowie eine positive Entwicklung des Schulklimas feststellen. SchülerInnen fühlen sich in der NMS wohler, empfinden weniger Leistungsdruck und engagieren sich in Folge mehr ihren Lernerfolg. Auch hier zeigt sich, dass diese Effekte in jenen Schulen stärker ausgeprägt sind, die das NMS-Konzept vollständig oder zumindest weitgehend umgesetzt haben.

"Es ist nicht eine einzelne, sondern die Gesamtheit aller Maßnahmen, die positive Effekte bringt - vor allem für die Schul- und die Lernkultur", fasst die Ministerin die Ergebnisse des Forschungsteams zusammen. Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur sei es, das Engagement der Lehrkräfte für die Schülerinnen und Schüler sicht- und erfahrbar zu machen, so Heinisch-Hosek.

Grundproblem der sozialen Selektion bleibt bestehen
In punkto soziale Gerechtigkeit kann auf einige positive Aspekte der Neuen Mittelschule verwiesen werden. So bringt der Besuch der NMS insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache einen Vorteil mit sich. Auch die Zahl der Übertritte in eine weiterführende höhere Schule ist bei den Neuen Mittelschulen angestiegen. Im Vergleich zum Schuljahr 2007/8 - also vor Einführung der NMS - stieg die Übertrittsrate in die AHS-Oberstufe oder BHS in der ersten NMS-Generation um etwa 5 Prozent, während sie im gleichen Zeitraum in einer Gruppe von Vergleichshauptschulen lediglich um 1,7 Prozent stieg.

Ein wesentliches Problem wird durch die Neue Mittelschule allerdings nicht gelöst: Da der Zustrom zur AHS-Unterstufe auch an NMS-Standorten unverändert geblieben ist, bleibt die soziale Spaltung des österreichischen Schulwesens ab der 5. Schulstufe bestehen. Bei den getesteten NMS-Standorten handelt es sich mehrheitlich um frühere Hauptschulen, die soziale Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler hat sich noch nicht maßgeblich verändert. "Solange es sich bei der NMS um ein Parallel-Angebot handelt, zieht die AHS-Unterstufe jene ,Zugpferde' ab, von denen sich schwächere Schülerinnen und Schüler etwas abschauen können," fasst Heinisch-Hosek ein zentrales Problem dieser Spaltung zusammen. Von einem gemeinsamen Unterricht würden aber alle profitieren: "Das Teamteaching ermöglicht die zielgerichtete Förderung aller Schülerinnen und Schüler. Sowohl auf Stärken als auch auf Schwächen kann besser eingegangen werden."

Heute präsentierte Bildungsministerin Heinisch-Hosek den PräsidentInnen und VizepräsidentInnen der LSR, Schulaufsicht und die BildungslandesrätInnen die Ergebnisse, die sich über den Vorschlag über die 6-Bundesstunden schulautonom verfügen zu können, begeistert zeigten und weiterhin am NMS-Modell festhalten wollen.

Web-Tipp:

Sowohl die Kurzfassung als auch die Vollversion des NMS-Evaluationsberichts stehen ab sofort auf den Webseiten des Ministeriums www.bmbf.gv.at und des BIFIE www.bifie.at kostenlos zum Download zur Verfügung.

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Mag.a Veronika MARIA
Büro der Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
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