ÖGKH engagiert im Kampf gegen Krankenhausinfektionen

Patientenschutz nicht dem Zufall überlassen!

Wien (OTS) - Im Vorfeld der "Semmelweis CEE Conference on Hospital Hygiene and Patient Safety 2015" in Wien, lud die Österreichische Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) Vertreter aus Wissenschaft und Politik zum gemeinsamen Dialog zum Infektionsschutz im Krankenhaus. In diesem Rahmen präsentierte Präsident Prof. Dr. Ojan Assadian ein Positionspapier der ÖGKH, das unter anderem die Einführung verbindlicher und bundesweit einheitlicher Hygienestandards sowie eine Stärkung des Berufsbildes der Hygienefachkräfte fordert.

In Europa kommt es jährlich zu ca. 3,2 Millionen[1] nosokomialen Infektionen. Das sind Erkrankungen, die in Einrichtungen des Gesundheitswesens erworben wurden und in der Regel als Komplikationen im Rahmen von Diagnostik und Therapie anderer Grunderkrankungen eintreten können. Häufig haben sie schwerwiegende Folgen für den Patienten und können im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Deshalb lud die wissenschaftliche Fachgesellschaft ÖGKH nun im Vorfeld der "Semmelweis CEE Conference on Hospital Hygiene and Patient Safety 2015" Vertreter aus Wissenschaft und Politik zu einem Hygiene-Brunch, um sich interdisziplinär mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen über den Kampf gegen Krankenhausinfektionen auszutauschen.

Verbindliche und bundesweit einheitliche Hygienestandards sind gefordert

Bereits jetzt existieren in Österreich direkte und indirekte Regelungen und Empfehlungen zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen, wie zum Beispiel die "PROHYG 2.0". Die gewährleisten zwar in der Regel ein hohes Schutzniveau, flächendeckend durchgesetzt haben sie sich aber noch nicht. Dazu ÖGKH-Präsident Prof. Dr. Ojan Assadian: "Regelungen und Empfehlungen liegen aktuell fragmentiert über die einzelnen Bundesländer und unterschiedlichen Organisationsstrukturen vor und werden nicht über eine zentrale Stelle koordiniert. Bundesweit verbindliche Hygienequalitätsstandards gibt es bisher nur wenige." Vergleichbarkeit und Qualitätstransparenz blieben bisher deshalb auf der Strecke. Aus Sicht der ÖGKH ist aber gerade dies ein wesentlicher Baustein für einen verbesserten Schutz der Patienten. Einheitliche Standards sind auch dem Bundesministerium für Gesundheit ein Anliegen. "Krankenhaushygiene ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen. Daher wurde die Erstellung eines bundesweit einheitlichen Standards zur Krankenhaushygiene (PROHYG 2.0) auch in das Arbeitsprogramm des Bundeszielsteuerungsvertrages, welcher im Rahmen der Gesundheitsreform zwischen dem Bund, den Ländern und der Sozialversicherung abgeschlossen wurde, aufgenommen", schildert DDr. Reinhild Strauss, Leiterin der Abteilung für Nosokomiale Infektionen und Krankenhaushygiene des BMG.

Das Berufsbild der Hygienefachkräfte stärken

Um verbindliche Standards in der Praxis auch tatsächlich umzusetzen braucht es mehr fachlich qualifizierte Hygieneteams. "Hygienefachkräfte haben durch ihr fachliches Wissen seit den 90er Jahren die Aufbau- und Ablauforganisation der Krankenhaushygiene maßgeblich geprägt. Doch die öffentliche Wahrnehmung und finanzielle Honorierung dieses Berufsbildes entspricht nicht den damit verknüpften verantwortungsvollen Aufgaben. Vielmehr wird ihre Arbeit von Trägern der Gesundheitseinrichtungen noch häufig als Neben-beschäftigung angesehen. Die ÖGKH setzt sich deshalb für eine einheitliche Ausbildung ‚Krankenhaushygiene‘ ein, die im Sinne der Bologna-Kriterien Hygienefachkräften die ihnen zustehende Anerkennung verschaffen wird", erklärt DGKS Gerlinde Angerler, Hygienefachkraft und Vorstandsmitglied der ÖGKH.

Patienten mit ins Boot holen

Doch auch die Patienten sind gefragt zu einem wirksamen Infektionsschutz beizutragen. Sie wissen immer noch zu wenig über die Ursachen von nosokomialen Infektionen und die mit ihnen verbundenen Gefahren. Deshalb will die ÖGKH die Eigenverantwortung und Handlungskompetenz von Patienten durch Aufklärungsarbeit und den Einsatz neuer Kommunikationsformen stärken. Rückendeckung erhält sie dabei von der Plattform Patientensicherheit: "Entscheidend ist, Patienten und Bürger darüber zu informieren, was sie persönlich für die Erhöhung ihrer Sicherheit tun können, ohne sie zu verängstigen. Die Plattform Patientensicherheit erarbeitet gerade mit der Initiative ‚Sicherheit im OP‘ eine Checkliste, die genau auflistet und darüber informiert, welche Dinge Patienten beachten müssen", erklärt Dr. Maria Kletecka-Pulker, Geschäftsführerin der Plattform Patientensicherheit. Ganz wesentlich sei die Händehygiene, aber auch die Information des Patienten an den Behandler, wenn es z.B. bei der Wundheilung nach einer OP zu Komplikationen kommt. Sozialmediziner und Hygieniker, Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze von der MedUni Wien, sieht für den Bereich der Krankenhausinfektionen ein hohes präventives Potenzial bei Patienten und Angehörigen, das es zu heben gilt und bringt einen epidemiologischen Aspekt ein: "Da die Bevölkerung immer älter wird und zunehmend Patienten bereits mit chronischen Erkrankungen ins Spital kommen, wird die Krankenhaushygiene immer wichtiger. Wir werden mit mehr Patienten konfrontiert, die aufgrund des höheren Alters und der Therapie der Grundkrankheiten bereits abwehrgeschwächt sind. Damit werden auch Erreger zum Problem, die bei einem Patienten ohne chronische Erkrankung keine wesentliche Bedeutung haben."

Abschließend verdeutlicht die ÖGKH ihr Ziel, den konstruktiven Weg in Österreich in Bezug auf die Verbesserung bestehender Hygienestandards sowie die standespolitische Stärkung der Hygienefachkräfte, zu unterstützen: "Es wurde bereits viel erreicht. Österreich liegt mit seiner Infektionshäufigkeit im Europäischen Mittelfeld. Das bedeutet wir müssen unsere Komfortzone verlassen, vorhandene Probleme klar ansprechen, den Dialog suchen, und Lösungen entwickeln. Als Fachgesellschaft freuen wir uns, mit den Akteuren im Gesundheitswesen in verstärktem Maße zusammenzuarbeiten", so Prof. Dr. Ojan Assadian.

Über die ÖGKH

Die ÖGKH ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die gemeinnützig der Förderung der Krankenhaushygiene sowie dem Schutz des Patienten gegenüber nosokomialen Infektionen in Einrichtungen des Gesundheitswesens dient. Zu ihren Aufgaben und Tätigkeiten zählen die Unterstützung für alle im Gebiet der Krankenhaushygiene Tätigen und betroffenen Patienten, die Förderung und die Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit aller krankenhaushygienisch tätigen Personen und Organisationen, die Pflege des Kontaktes und die Förderung der Zusammenarbeit von Arbeitskreisen und Hygieneteams, die Beratung von Patienten, Angehörigen, Interessensvertretungen und Unternehmungen, die medizinische Forschung und Verbreitung der Ergebnisse, die Kommunikation und Bekanntmachung wissenschaftlicher Berichte und Erkenntnisse.

Weitere Informationen: www.oegkh.ac.at

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