Neues Volksblatt: "Selbstbestimmung" (von Dietmar Leitner)

Ausgabe vom 2. März 2015

Linz (OTS) - Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen das letzte Woche im Nationalrat beschlossene Islam-Gesetz wettert. Er fährt dabei schwere Geschütze auf, indem er es gar als Verstoß gegen die Normen der Europäischen Union und als Maßnahme zur Unterdrückung von Muslimen kritisiert -und sich dabei offensichtlich als großer Kenner der europäischen Gesetzgebung outet. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Befürchtet Erdogan durch das neue Islam-Gesetz nicht vielmehr einen starken Einflussverlust der Türkei auf "seine muslimischen Gläubigen" in Österreich, zumal die 65 türkischen Imame künftig nicht mehr auf seiner Gehaltsliste stehen? Denn das Islam-Gesetz schafft die Voraussetzung für eine Abnabelung der österreichischen Musilme vom großen "Übervater Erdogan", ist somit auch eine Chance, erwachsen zu werden, Eigenverantwortung zu übernehmen und ihren selbstbestimmten Platz im modernen Europa zu finden. Der türkische Präsident will die Rechte der Musilime "verteidigen". Welche Rechte meint er? Das Recht, frei zu denken - auch in religiösen Fragen? Oder doch das bisherige Recht Ankaras, die Antworten auf diese Fragen vorzugeben? "Wir wollen einen Islam in Österreich, der sich frei und ohne Bevormundung aus dem Ausland entfalten kann", erwidert Außenminister Sebastian Kurz auf die Kritik Erdogans - die richtige Antwort!

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