Das kleine 1x23 der Wiener Bezirke: Rudolfsheim-Fünfhaus

Teil 13 der inwien.at-Serie über Bezirksstatistiken

Wien (OTS) - Brunhildengasse, Guntherstraße, Kriemhildplatz - wer vergessenes Schulwissen aus dem Nibelungenlied auffrischen möchte, sollte den 15. Bezirk besuchen. Dort ist zwischen 1911 und 1926 auf dem östlichen Teil der Schmelz ein Wohngebiet errichtet worden, dessen Straßen hauptsächlich nach Figuren der Sage benannt wurden. Im Volksmund hat sich deshalb auch die Bezeichnung "Nibelungenviertel" eingebürgert. Das Zentrum des Nibelungenviertels bilden der mit Pappeln bestandene Kriemhildplatz und die Allee der Markgraf-Rüdiger-Straße. Die genannten sind als ProtagonistInnen vielleicht noch gut bekannt. Aber wie steht es mit der Alberichgasse, benannt nach dem Zwerg Alberich, oder der Dankwartgasse, nach einem burgundischen Ritter, der mit einem Tankwart wenig gemein hat, und der Pilgerimgasse, benannt nach der Sagengestalt eines Bischof Pilgrim? Das sind aber nur einige der rund 190 Gemeindestraßen des Bezirks, der zu 34,7 Prozent von Verkehrsflächen eingenommen wird -und das, obwohl die Rudolfsheim-FünfhauserInnen mit 0,3 Autos pro Person die wenigsten Pkw in ganz Wien besitzen. Die Straßen werden von 2.420 Straßenbäumen gesäumt. 180 davon sind Robinien - nur die viel größeren Bezirke Floridsdorf und Donaustadt haben mehr dieser Bäume.

Ein eher untypischer Außenbezirk

Rudolfsheim-Fünfhaus umfasst mit einer Fläche von 391,8 Hektar lediglich 0,95 Prozent des Wiener Stadtgebietes und ist damit der kleinste Bezirk außerhalb des Gürtels, und rangiert im Bezirksvergleich auf Rang 16. Für einen Außenbezirk untypisch, ist er dicht besiedelt und hat einen Grünflächenanteil von lediglich 8,7 Prozent. Knapp ein Drittel davon entfällt auf die Kleingärten der Schmelz. Diese war übrigens zu Kaisers Zeiten ein Parade- und Exerzierplatz. Die Bezeichnung Schmelz wird heute hauptsächlich für das durch Schrebergärten und Sportanlagen geprägte Gebiet gebraucht. Der größte Park ist mit 110.000 Quadratmetern der Auer-Welsbach-Park. Errichtet wurde er Ende des 19. Jahrhunderts als "Schönbrunner Vorpark". In ihm befindet sich heute auch eine Jugendsportanlage für jeglichen Ballsport und mit Weitsprunganlage, 100-Meter-Laufbahn und Kinderspielgeräten. Insgesamt gibt es im Bezirk 37 Spielplätze wovon 20 für Kleinkinder eingerichtet wurden - damit liegt der 15. Bezirk mit Donaustadt und Penzing auf Platz zwei.

Stadthalle, Westbahnhof und Shopping

2015 wird Wien Austragungsort des Eurovision Song Contest sein. Genauer betrachtet wird von 19. bis 23. Mai 2015 Rudolfsheim-Fünfhaus als Heimatbezirk der Wiener Stadthalle Austragungsort des größten TV-Unterhaltungsevent der Welt sein. Die Stadthalle und auch die Zentrumsnähe machen den Umstand wenig überraschend, dass der 15. mit 920.569 Gästenächtigungen auf Platz vier im Bezirksvergleich liegt.

Geprägt wird das Bezirksbild auch vom Wiener Westbahnhof und seinen dazugehörigen Bahngleisen. Nach dem Umbau vor einigen Jahren hat sich hier mit der Bahnhof City ein richtiges Einkaufszentrum entwickelt. Ebenso lockt die Äußere Mariahilfer Straße oder der Meiselmarkt viele Shoppingfans in den 15. Bezirk.
Der Markt wurde 1905 als Provisorium errichtet, 1995 abgetragen und als neuer Meiselmarkt in einen ehemaligen Wasserbehälter der Wiener Wasserversorgung hineingebaut. Er ist somit der einzige Markt in Wien, der in einer Halle abgehalten wird.

Der "jüngste" Bezirk Wiens

48 Prozent der Bezirksfläche nehmen Wohnbaugebiete ein, auf denen sich 38.255 bewohnte Wohnungen befinden, die wiederum von 74.791 Menschen bewohnt werden. Prozentuell gesprochen bedeutet das, dass auf nicht ganz ein Prozent der Wiener Stadtfläche über vier Prozent der WienerInnen leben. Eine Wohnung hat durchschnittlich etwa 61 Quadratmeter, damit ist der 15. Wiener Gemeindebezirk Schlusslicht in puncto Wohnungsgröße. Mit 49,8 zu 50,2 Prozent herrscht ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen, der Wien-Schnitt liegt bei 48 zu 52 Prozent. Das Durchschnittsalter von 38,6 Jahren macht Rudolfsheim-Fünfhaus zum jüngsten aller Bezirke. Nach Gemeindebezirken gereiht ist das Netto-Jahreseinkommen der EinwohnerInnen mit 16.700 Euro am niedrigsten und beträgt nur 79,9 Prozent eines Wiener Durchschnittsgehaltes. Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, der sog. Gender Pay Gap, weist mit 12,4 Prozent hingegen die geringste Einkommensdifferenz aus.

Bevölkerungsentwicklung im 15. Bezirk

Der Stadtteil verzeichnete im 20. Jahrhundert konstant Bevölkerungsverluste. Allein zwischen 1961 und 2001 ist die Einwohnerzahl um 31 Prozent gesunken. Das vergangene Jahrzehnt war jedoch von einer positiven Bevölkerungsentwicklung geprägt, die sich fortsetzt. Zwischen 2014 und 2034 wird das Bevölkerungswachstum aber deutlich unter dem Wien-Durchschnitt von 15 Prozent liegen. Mit plus vier Prozent könnte die Einwohnerzahl im Jahr 2034 nur um etwa 3.000 Personen höher liegen als heute. Bis 2034 werden Geburtenüberschüsse prognostiziert, die sich in den kommenden Jahren jedoch deutlich verringern könnten. Das Wanderungsplus entspricht dem Niveau der natürlichen Bevölkerungsbilanz und unterscheidet sich damit von den anderen Gemeindebezirken.

Bis zum Jahr 2034 wird ein Rückgang für die Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen prognostiziert. In allen anderen Altersgruppen nimmt die Einwohnerzahl zu, wobei der stärkste Anstieg mit 76 Prozent bei den Hochbetagten ab 75 Jahren zu erwarten sein wird. Im Bezirksvergleich ist der Anteil der im Ausland Geborenen relativ stark ausgeprägt und könnte in den kommenden Jahren von 35 auf 38 Prozent noch weiter ansteigen.

Quelle: MA 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik / Statistik Austria / Wikipedia.org

Statistisches Jahrbuch 2014

Das Statistische Jahrbuch 2014 der Stadt Wien sowie die Studie "Wien wächst..." unter Federführung der MA 23 stehen als kostenloser Download zur Verfügung auf www.wien.gv.at/statistik/publikationen/jahrbuch.html. www.wien.gv.at/statistik/pdf/wien-waechst.pdf

Als Publikation (32,70 Euro, ISSN 0259-6083) erhältlich ist das Statistische Jahrbuch bei der Magistratsabteilung 23: 2., Meiereistraße 7, Sektor B; Montag bis Freitag jeweils 8.00 bis 14.30 Uhr; Telefon 01/4000-83059, Bestellung per E-Mail an post@ma23.wien.gv.at.

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