Brennpunkt Bildgebung: Optimale Diagnose und Therapie durch bildgebende Methoden bei Eierstockläsionen

Wien (OTS) - Die urogenitale Bildgebung umfasst
jenen Teilbereich der Radiologie, der sich mit der Darstellung der Nieren und ableitenden Harnwege inklusive der Harnleiter und der Harnblase, sowie mit der Bildgebung der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane beschäftigt. Es wird darin das gesamte Spektrum an Anomalien, von Fehlbildungen zu entzündlichen, tumorösen und traumatischen Veränderungen abgedeckt. Zu den häufigeren abnormen Befunden zählen zystische Läsionen der Eierstöcke. Hierbei wird eine Abklärung benötigt, da das Spektrum breit ist und benigne Veränderungen bis hin zum Eierstockkrebs umfasst.

"Glücklicherweise handelt es sich dabei aber zum überwiegenden Anteil um benigne (gutartige) Veränderungen. Insbesondere bei Frauen im geschlechtsreifen Alter sind das typischerweise funktionelle Veränderungen der Follikulogenese, die sich verzögert zurückbilden. Nun gibt es auch zystische entzündliche, sowie gutartige und bösartige zystische Tumore der Eierstöcke, den Eierstockkrebs. Diese zu differenzieren und bei der Diagnose eines Tumors Patientinnen eine optimale Therapieplanung zu ermöglichen, ist wesentlicher Beitrag der Radiologie. Derartige Veränderungen werden zumeist während der gynäkologischen Untersuchung entdeckt oder im Rahmen anderer Untersuchungen des Beckens, häufig bei CT oder Ultraschalluntersuchungen", erklärt Professorin Rosemarie Forstner, Fachärztin für Radiologie an der Paracelsus Medical University in Salzburg.

Unterteilung in drei Risikogruppen

Mittels Ultraschalluntersuchung können Eierstockläsionen in die drei Gruppen benigne, unklare (indeterminate) und maligne Läsionen eingeteilt werden. Dies ist insofern entscheidend, da dadurch das weitere Prozedere bestimmt wird. Benigne Veränderungen der Eierstöcke können entweder kontrolliert oder - falls nötig - operiert werden. Bei unklaren Veränderungen ist die Magnetresonanztomografie (MRT) als Methode der Wahl anzusehen, da diese im Großteil aller Fälle eine spezifische Diagnose ermöglicht. Bei malignen Veränderungen (Krebs) wird die Computertomografie (CT) empfohlen. Diese eignet sich zur Bestätigung des Befundes, hat aber auch einen wesentlichen Einfluss auf die Optimierung der Therapieplanung, etwa ob eine Operation, eine Chemotherapie oder eine Gewebsgewinnung sinnvoller ist. Die Entscheidung fällt typischerweise in den Tumorboards.

"Die zentrale Untersuchungsmethode zur Beurteilung der Gebärmutter und der Eierstöcke ist die Endosonografie, die in Österreich und Deutschland zumeist von den Gynäkologen durchgeführt wird. Alter, Anamnese, klinische Information und Befunde in der Sonografie sind entscheidende Parameter für die Diagnosestellung. Die Klassifizierung in die drei oben erwähnten Gruppen indiziert auch den Einsatz weiterer Untersuchungen", so Prof. Forstner.

Traditionelle Methoden treten in den Hintergrund

Moderne Bildgebung ist heute von den Schnittbildtechniken Ultraschall (US), CT, PET/CT und MRT geprägt. In der urogenitalen Radiologie treten traditionelle konventionelle Verfahren wie Röntgenuntersuchungen weitgehend in den Hintergrund.
"Wir verwenden seit Jahren in allen bildgebenden Verfahren (Ultraschall, CT, MRT) morphologische Kriterien und kombinieren diese nun zunehmend mit funktioneller Information. Hier sind insbesondere die Entwicklungen der PET/CT und die MRT zu erwähnen. Morphologische Kriterien wie Größe, Aufbau, das Ausmaß solider Anteile oder die Septendicke dienen bei Eierstockläsionen als Kriterien, die uns helfen, gutartige von bösartigen Veränderungen zu differenzieren. Mit der MRT haben wir aber zwei wichtige funktionelle Parameter, nämlich Tumorvascularisation und die Diffusion, die über den zellulären Aufbau von Geweben Rückschlüsse ziehen lässt", erklärt Prof. Forstner.

Es ist noch zu klären, ob und welche der genannten Parameter als Biomarker für frühzeitiges Tumoransprechen und Vorhersage einer Prognose geeignet sind.

"Vieles erwarte ich mir auch von einem zukünftigen frühzeitigen Therapiemonitoring mittels Bildgebung, etwa unter der konkomitanten Radiochemotherapie bei Uterustumoren, und somit einer verbesserten Therapieplanung und Therapiesteuerung. Ein solcher Ansatz gilt selbstverständlich auch für die Vorhersage und die Kontrolle des Ansprechens auf Chemotherapie. Hier zeigen erste MRT Ergebnisse beim Ovarialkarzinom schon vielversprechende Ergebnisse", so Prof. Forstner weiter.

Auch die hoch moderne und aktuelle Methode PET/CT wird bereits durch funktionelle MRT Techniken herausgefordert. Es wird sich weisen, ob sich auch hier neue diagnostische Möglichkeiten durch den komplementären Einsatz dieser Techniken ergeben werden. Ob die Integration funktioneller Techniken in der MRT eine Kontrastmittelgabe bei vielen Fragestellungen in der Urogenitalradiologie ersetzen kann, wird man erst nach der Überwindung von derzeit noch bestehenden technischen Schwierigkeiten evaluieren können.

Zufallsbefunde als zunehmendes Problem

Inzidentalome sind Zufallsbefunde, die unabhängig sind von der Erkrankung, die diese Untersuchung indizierte. Diese sind zunehmend ein Problem in den Schnittbildverfahren, insbesondere trifft das zu für CT Untersuchungen.

"Hier ist bei Beckenuntersuchungen immerhin in 5% bis zu 15% mit derartigen Zufallsbefunden zu rechnen, die uns in ein gewisses Dilemma versetzen. Allerdings handelt es sich selbst bei Patientinnen mit einer Tumoranamnese zumeist um benigne Veränderungen. Es wurden kürzlich Management Guidelines publiziert, die als Hilfestellung dienen, wie man am besten mit derartigen Zufallsbefunden umgeht. Morphologie und Patientinnenalter sind hierbei die wesentlichen Kriterien für das weitere Prozedere", so Prof. Forstner abschließend.

Ab 4. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 27. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2015 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 62.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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