GLOBAL 2000-Stellungnahme: AGES-Kritik an ORF-Berichten unangebracht

AGES-Darstellung der Messergebnisse führt zu Fehlbeurteilung.

Wien (OTS) - Anlässlich der von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf ihrer Website veröffentlichten Kritik an der ORF-Berichterstattung vom 24.2.2015 zum Thema HCB-Belastung von Blut und Muttermilch sieht sich die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zu folgender Stellungnahme veranlasst:

Um das Ausmaß der Schadstoffbelastung von Muttermilch quantitativ einordnen zu können, ist es international üblich, die gemessenen Schadstoffkonzentrationen in der Muttermilch mit sogenannten "Referenzwerten", das sind statistische Werte, die die Durchschnittsbelastung einer Bevölkerungsgruppe abbilden, zu vergleichen. Diese Referenzwerte werden standardmäßig auf den Fettgehalt der Milch bezogen (Maßeinheit: Milligramm pro Kilogramm Milchfett), da die HCB-Belastung von Muttermilch maßgeblich durch den Fettgehalt der Milch beeinflusst wird, und dieser im Laufe einer Stillperiode starken Schwankungen unterliegt. Aus diesem Grund ist ein Vergleich von individuellen HCB-Belastungen mit Referenzwerten nur dann möglich, wenn der Messwert in der selben Maßeinheit angegeben wird wie der entsprechende Referenzwert.

Dass die AGES bei der Untersuchung der Muttermilchprobe offenbar auf eine Bestimmung des Fettgehalts verzichtet hat und die HCB-Belastung im Prüfbericht nicht auf das Kilogramm Milchfett, sondern auf das Gesamtprodukt bezogen hat, stellt eine Abweichung von der international üblichen Praxis dar. Es hat den Anschein, als hätte sie die vorliegende Muttermilchprobe so behandelt, als handle es sich um eine routinemäßige Untersuchung von Kuhmilch im Rahmen der Lebensmittelüberwachung.

Tatsache ist jedenfalls, dass die Muttermilchuntersuchung durch die AGES, und insbesondere die Darstellung des Ergebnisses nicht den im Rahmen eines humanen Biomonitorings üblichen Standards entspricht und diese Abweichung leider erst nach Durchsicht der kleingedruckten Fußnoten im Prüfbericht ersichtlich wird. Tatsache ist auch, dass die nicht standardkonforme Darstellung des Messergebnisses Gesundheitsexperten zu einer Fehlbeurteilung des quantitativen Ausmaßes der HCB-Belastung verleitete. So beruhigte der mit der HCB-Causa betraute Umweltmediziner am 12.12.2014 die betroffene Mutter dahingehend, dass die Belastung ihrer Milch unauffällig, ja sogar niedriger sei als entsprechende Vergleichswerte aus Deutschland. Die betroffene Mutter blieb daraufhin mehr als eine Woche in dem falschen Glauben, ihre Werte wären im Normalbereich, bis sie bei GLOBAL 2000 eine zweite Einschätzung einholte.

Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000, erinnert sich:
"Auch wir haben zuerst aufgrund des mir am Telefon berichteten Messwerts die HCB-Belastung der Muttermilch als unauffällig eingeschätzt, und erst Tage später, bei Vorliegen des Prüfberichts, erkannt, dass die tatsächliche HCB-Belastung im Vergleich zu den existierenden Referenzwerten sehr hoch ist." (Siehe Presseaussendung vom 22.12.2014 - http://bit.ly/1rcg2Yc). Aus diesen Gründen ist aus Sicht von GLOBAL 2000 die Aussage in den ORF-Sendungen "heute konkret" und "ZIB 1" vom 24. Februar 2015, dass die Auswertung des Muttermilch-Untersuchungsergebnisses durch die AGES nicht den für Muttermilch-Untersuchungen üblichen Standards entspricht und in der Folge zu einer Fehleinschätzung der HCB-Belastung durch Gesundheitsexperten geführt hat, absolut zutreffend.

Referenzwerte für Frauenmilch siehe http://bit.ly/1JPILeh

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