• 25.02.2015, 23:34:22
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Tägliche Bewegungseinheit an ganztägigen Schulen kommt ab Herbst

Zentralmatura: Grüne machen mit Misstrauensantrag gegen Heinisch-Hosek mobil

Utl.: Zentralmatura: Grüne machen mit Misstrauensantrag gegen
Heinisch-Hosek mobil =

Wien (PK) - Von A wie Autonomie für Schulen bis Z wie Zentralmatura
entspann sich heute im Nationalrat eine lebhafte Grundsatzdebatte
über die heimische Schulpolitik. Seitens der FPÖ und der Grünen kam
vor allem scharfe Kritik an der laufenden Vorbereitung zur
standardisierten Reifeprüfung im Mai, da unter SchülerInnen,
LehrerInnen und Eltern eine steigende Unsicherheit zu verzeichnen
sei. Vorfälle wie die unlängst aufgetretenen Überlastung des Servers
für die vorwissenschaftlichen Arbeiten zur Reifeprüfung brachten die
Grünen dazu, mit einem selbständigen Misstrauensantrag gegen die
Ministerin aufzutreten. Der Antrag wurde dem Unterrichtsausschuss
zugewiesen und kam im Plenum deswegen nicht zur Abstimmung.
"Sicherheit geben, nicht verunsichern", mit diesem Aufruf erwiderte
Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Vorwürfe und sie
unterstrich, die Zentralmatura sei gut vorbereitet worden - so gebe
es beim Uploaden der vorwissenschaftlichen Arbeiten keinerlei
Probleme mehr. Nunmehr müssten alle Beteiligten zum Erfolg des
Projekts zusammenarbeiten.

Hauptfokus der Debattengrundlage, einer schließlich mit breiter
Mehrheit angenommenen Sammelnovelle, war allerdings die
Qualitätssteigerung in der schulischen Ganztagsbetreuung. Fix ist
damit, dass ganztägige Schulformen ab kommendem Schuljahr eine
tägliche Bewegungseinheit in ihren Stundenplänen vorsehen müssen. Wie
die Schulen die Vorgaben umsetzen, bleibt ihnen weitgehend selbst
überlassen: Die vorgeschriebenen fünf Bewegungseinheiten pro Woche
können aus Turnstunden im Unterricht und Sport im Freizeitteil
bestehen. Erstmals sind auch TrainerInnen aus Sportvereinen als
"Bewegungscoaches" zur Betreuung der SchülerInnen zugelassen.

Mit dem Qualitätsschub an Schulen mit Tagesbetreuung werde nun der
nächste Schritt im Ausbau dieser Schulformen gesetzt, beschrieb
Heinisch-Hosek die Zielsetzung der Novelle. Bis 2018 solle
flächendeckend für 30 Prozent der österreichischen SchülerInnen ein
qualitativ hochwertiges Angebot an schulischer Ganztagsbetreuung
vorhanden sein. Auch Halbtagsschulen könnten gemäß Novelle
ausgeweitete Bewegungsangebote autonom festlegen, im Sinne der
Wahlfreiheit der Eltern fokussiere man aber derzeit auf die
ganztägigen Schulformen. Die Anregung der Grünen, mit einem
"Bewegungs-Tausender" für jede Schule auch an halbtägig geführten
Standorten Bewegungsinitiativen zu unterstützen, wurde von der
Plenumsmehrheit folglich abgelehnt. Nicht ausreichend Zustimmung gab
es auch für die NEOS-Forderungen nach einem parteiübergreifenden
Schulterschluss für mehr Schulautonomie und die Schaffung von
Bildungsregionen anstelle der Landesschulräte sowie für den Antrag
der Grünen auf ein Pflichtfach "Politische Bildung".

Mehrheitlich angenommen wurde hingegen ein Antrag der
Regierungsfraktionen, mit dem Externistenprüfungen im
standardisierten Maturaformat auf 2017 verschoben werden, um den
KandidatInnen die Organisation einer außerschulischen Vorbereitung
auf die neue Prüfungsform zeitlich zu ermöglichen.

Opposition ruft zum Überdenken der Schulpolitik auf

Angesichts der neuen Reifeprüfung im Mai an sämtlichen allgemein
bildenden höhere Schulen (AHS) rief Grünen-Bildungssprecher Harald
Walser dazu auf, zur Fehlerbehebung in der Vorbereitungsphase das
Krisenmanagement des Ministeriums zu verbessern. Mit einem
"Notfallplan" sei als Übergangslösung für die nächsten drei Jahre die
Prüfungsordnung zu verbessern. Nach Vorstellung der Grünen sollte bei
einer negativ beurteilten Klausurarbeit die Note des betreffenden
Unterrichtsfach bei der Maturabenotung miteinbezogen werden, um die
Beurteilung möglicherweise auf Genügend anheben zu können. "Unsere
Kinder sind zu schade, als dass sie als Versuchskaninchen dienen",
machte der Freiheitliche Bildungssprecher Walter Rosenkranz seinen
Unmut über die Planung der Zentralmatura geltend. Insgesamt
verurteilte Rosenkranz die Bildungspolitik der letzten Jahre als
unausgegoren und er sagte dem von Walser initiierten
Misstrauensantrag gegen die Ministerin die Zustimmung seiner Fraktion
zu.

Geteilter Meinung sind Walser und Rosenkranz jedoch hinsichtlich der
Neuerungen im Betreuungsplan ganztägiger Schulformen: Während der
Grüne Mandatar darin eine unterstützenswerte Initiative für mehr
Bewegung an den Schulen, wenn auch nur an ganztägigen, sieht,
kritisierte der FPÖ-Abgeordnete, damit werde die verschränkte
Ganztagsschule vorangetrieben, was die Wahlfreiheit einschränke und
daher grundsätzlich abzulehnen sei. Dem schloss sich auch sein
Parteikollege Wendelin Mölzer (F) an, der sich abgesehen davon für
den Erhalt von Klein- und Kleinstschulen, etwa in Form von
Schulverbänden, stark machte.

Ganz anders wertete Robert Lugar vom Team Stronach das Konzept der
verschränkten Ganztagsschule: diese biete auch sozial benachteiligten
SchülerInnen einen Bildungserfolg und mache Nachhilfeunterricht
weitgehend unnötig. Der Bildungsministerin warf er allerdings vor,
nicht ausreichend Mittel in den Ausbau von Schulen mit abwechselnden
Unterrichts- und Freizeitstunden zu investieren. Eine tägliche
Bewegungseinheit an ganztägigen Schulen komme derzeit nur 3% der
SchülerInnen zugute, womit von einer "täglichen Turnstunde" für alle
keine Rede sein könne. NEOS-Klubobmann Matthias Strolz bemängelte
zwar ebenfalls, dass nur ein geringer Prozentsatz der Schulen von der
neuen Betreuungsordnung mit vermehrtem Sport profitiere, er schlug
aber auch eine Lösung vor. Es gelte, "die Bildungswende von unten zu
realisieren" und über erweiterte Schulautonomie die gestaltenden
Kräfte im System zu fördern und zu fordern. Mit einem
Entschließungsantrag forderte Strolz als Bildungssprecher seiner
Fraktion, parteiübergreifend und gemeinsam mit SchulpartnerInnen,
ExpertInnen und Sozialpartnern bis Dezember 2015 eine Strategie zur
Umsetzung von weitreichender Schulautonomie zur erstellen.

Notwendig ist aus Sicht der NEOS auch eine Reorganisation der
Schulverwaltung. In einem weiteren von Strolz eingebrachten Antrag
heißt es, die Landesschulräte sollten in Bildungsregionen überführt
werden, die wiederum proaktiv für die Qualitätssicherung an den
autonomen Schulstandorten Sorge tragen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek replizierte auf die
Anmerkungen von Lugar und Strolz, tatsächlich nütze die
Bewegungsinitiative einer weitaus höheren Zahl an SchülerInnen -
nämlich 20%. Ihr Ressort sei zudem dabei, das Angebot an
verschränkten Ganztagsschulen der Nachfrage entsprechend auszubauen,
wiewohl hier vor allem noch die Sprengel-Frage zu klären sei. Eine
tägliche Bewegungseinheit für alle Schulen bilde den nächsten Schritt
in ihrem Arbeitsprogramm.

Regierungsfraktionen sehen positive Entwicklung im Bildungsbereich

Das Motto "unaufgeregt das Bildungssystem verbessern" biete bei der
Problemlösung etwa hinsichtlich der Zentralmatura weit mehr Hilfe als
"Notfallpläne" hielt Andrea Kuntzl (S) der Oppositionskritik am
Schulwesen entgegen. Immerhin setze Ministerin Heinisch-Hosek wie
ihre Vorgängerin Claudia Schmied konsequent die richtigen Schritte
zur Verbesserung des Systems. Die Einführung der täglichen
Bewegungseinheit sei ein Beispiel dafür. Um auch ExternistInnen
weiterhin den Maturaantritt zu ermöglichen, brachte Marianne
Gusenbauer-Jäger (S) einen SPÖ-ÖVP-Abänderungsantrag zum
Schulunterrichtsgesetz ein, der mehrheitlich angenommen wurde.
Demnach wird für KandidatInnen, die außerhalb der Schule unterrichtet
worden sind und sich daher selbständig um die Betreuung der
Maturavorbereitung kümmern müssen, die neue Reifeprüfung erstmals in
zwei Jahren abgehalten. 2017 ist auch an Schulen für Berufstätige als
Startjahr der Zentralmatura vorgesehen.

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann bezog sich erneut näher
auf den Kern der verhandelten Regierungsvorlage, die
Qualitätssteigerung an den Ganztagsschulen durch erweiterte
Sportangebote, und folgerte, damit lasse sich "der Grundstein für
eine gesundheitsbewusste, sportliche Lebensweise legen".

Zusammengefasst sieht das Maßnahmenpaket zur schulischen
Tagesbetreuung vor, die Anforderungen an Lernzeit und Freizeitteil in
ganztägigen Schulformen mit neuen Bestimmungen zu präzisieren, wobei
die Betreuungspläne zukünftig einen Teil der Lehrpläne bilden. Im
Sinne der Gesundheitsförderung sind mindestens fünf
Bewegungseinheiten pro Woche vorgesehen, die von den Schulen autonom
zu gestalten sind und von der Schulaufsicht qualitativ bewertet
werden. ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank äußerte sich positiv zur
Initiative, speziell weil darin Kooperationen zwischen Schulen und
Sportvereinen erleichtert würden. Sie regte aber an, auch vermehrt
Kunstorganisationen und Unternehmen in Kontakt mit den SchülerInnen
zu bringen. "Schule soll nicht neben, sondern mitten in der
Gesellschaft passieren", so Jank.

Weitere durchwegs positive Kommentare zur Bewegungsinitiative an
Schulen kamen von den Abgeordneten Karlheinz Töcherterle (V) -
"Musische und körperliche Bildung waren schon wesentliche
Bestandteile vom Bildungskonzept der Antike", Hermann Krist (S) -
"die tägliche Bewegungseinheit ist für den organisierten Sport
überaus erfreulich", Eva-Maria Himmelbauer (V) - "Sport, Bewegung und
Gesundheit werden als Aufgabe der österreichischen Schulen
verankert", Marianne Gusenbauer-Jäger (S) - "Die Schule muss bei
mangelnder Bewegung der Kinder einen Ausgleich schaffen" und Erwin
Preiner (S) - "Der Bewegungscoach bietet zusätzliche
Jobmöglichkeiten". Die ÖVP-Mandatare Hermann Gahr und Manfred
Hofinger schlossen sich den VorrednerInnen an, wobei Hofinger
anmerkte, schon die Kleinsten müssten zu mehr Bewegung motiviert
werden, weswegen bereits in den Kindergärten dazu Initiativen am
Laufen seien.

Geht es nach den Grünen, sollten allerdings sämtliche Schultypen von
der Bewegungsinitiative des Ministeriums profitieren. Dazu müssten
vorerst lediglich 2 Mio. € aus dem Bildungsbudget herausgelöst
werden, um jeder Schule bis zu 1000 € für zweckgebundene
Bewegungprogramme bereitzustellen, skizzierte der Grüne
Bildungssprecher Harald Walser in seinem während der Debatte
eingebrachten Entschließungsantrag. Besonders halbtags geführte
Schulen könnten auch durch wenig aufwendige Initiative wie
Bewegungsspiele im Pausenhof den sitzenden Unterricht auflockern.

Zu einem weiteren Antrag der Grünen, der auf ein Pflichtfach
"Politische Bildung" an allen Schultypen abzielt, sagte Asdin El
Habbassi (V), erst sei ein entsprechendes Pflichtmodul einzuführen
und zu evaluieren. Generell sprach er sich aber dafür aus, die
Regierung bei der Umsetzung eines Unterrichtsgegenstandes Politische
Bildung zu unterstützen, besonders zur Klärung von konkreter
Ausgestaltung und Finanzierung des Fachs. (Fortsetzung Nationalrat)
rei

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