Mückstein: Leitl schickt psychisch Kranke zum Wirten anstatt zur Psychotherapie

Grüne fordern Entschuldigung für unqualifizierte Äußerung

Wien (OTS) - "In seiner Rolle als Schutzpatron der Wirte sind Christoph Leitl wohl kurz vor der Wirtschaftskammerwahl die Pferde durchgegangen. Einen so unqualifizierten Rundumschlag gegen psychisch Kranke und die Entwertung der Gesundheitsberufe aus der Psychotherapie und der Psychiatrie hätte ich mir von ihm nicht erwartet. Eine Entschuldigung ist angebracht", sagt die Gesundheitssprecherin der Grünen, Eva Mückstein. Sie reagiert damit auf die Aschermittwochsrede des Wirtschaftskammerpräsidenten. Leitl hatte - im Zusammenhang mit dem geplanten Rauchverbot in der Gastronomie - dagegen gewettert, dass man die "Wirte sterben" lasse, dafür aber die Psychiater-Ausbildung forciere.

Bedauerlich sind für die Grünen die Aussagen auch wegen des sachlichen Gehaltes aller Problembereiche, die damit angesprochen sind. "Österreich liegt bei den jugendlichen RaucherInnen klar auf Platz eins aller OECD-Länder. Auch der Alkoholkonsum ist unter Österreichs Jungen erschreckend hoch. Österreich liegt hier auf Platz zehn der OECD-Länder", betont Mückstein. "Hier darf nicht verharmlost werden, sondern die Prävention muss gestärkt werden."

Ebenso unerfreulich schaut es bei psychisch Kranken aus. Jeder vierte Österreicher hat das Risiko, mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung zu leiden. Die an psychischen Störungen Erkrankten gehören nach wie vor zu den am meisten diskriminierten und am schlechtesten versorgten PatientInnen-Gruppen. Rund 800.000 ÖsterreicherInnen nehmen das Gesundheitswesen wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch. Aber in Österreich gibt es einen Mangel an FachärztInnen für Psychiatrie mit Kassenvertrag. Immer wieder kommt es zu Engpässen und Notlagen, ganz besonders in der Kinderpsychiatrie.

Dazu kommt die nach wie vor ungeregelte und mangelhafte Versorgung mit Psychotherapie. Das Privatisierungsmodell hat zu einer massiven PatientInnen-Ungleichbehandlung bei Psychotherapie geführt. Kassenfinanzierte Psychotherapie ist Mangelware. Mückstein. "Die letztverfügbare Statistik sagt, dass sich etwa die Hälfte der PatientInnen die Psychotherapie zum Großteil aus der eigenen Tasche bezahlt. Nur etwa ein Zehntel des Psychotherapiebedarfs ist österreichweit abgedeckt. Alles in allem also kein Grund für schlechte Scherze! Sowohl die psychisch Kranken als auch die in diesem Bereich tätigen Gesundheitsberufe haben dafür kein Verständnis und fühlen sich entwertet."

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