Mineralölindustrie: Österreich bei Tankstellenmargen weiterhin im untersten Viertel der Tabelle

Margensituation aus betriebswirtschaftlicher Sicht besorgniserregend

Wien (OTS) - Nur in wenigen Ländern Europas sind die Ertragsmöglichkeiten beim Kraftstoffverkauf so gering wie in Österreich. Entsprechend bescheiden sind die Gewinnspannen. Dies zeigt neuerlich der im deutschen Energie Informationsdienst veröffentlichte Bericht über die Brutto-Tankstellenmargen von Wood Mackenzie für das Jahr 2014. Bei Eurosuper belegt Österreich Platz 14 von 16 untersuchten Ländern, bei Diesel ging sich der 13. Platz aus. Die jeweils erstplatzierten Länder können sich hingegen über doppelt so hohe Bruttomargen freuen. Hauptgrund für die niedrigen Spannen in Österreich ist der harte Wettbewerb zwischen den einzelnen Tankstellen. Bei vielen Servicestationen stufen die Unternehmen ihre Verdienstsituation daher als prekär ein.

Der internationale Vergleich hatte die Brutto-Tankstellenmargen in 16 europäischen Ländern für 2014 zum Inhalt. Trotz geringer Verbesserungen im zweiten Halbjahr landete Österreich im jüngsten Ländervergleich erneut auf einem der hintersten Plätze. Während Österreich bei Eurosuper im ersten Halbjahr noch den vorletzten Platz belegte, rangierte man im Jahresmittel mit 10,05 Cent auf dem vierzehnten von 16 Plätzen. Bei den Dieselmargen lag Österreich im ersten wie im zweiten Halbjahr auf Platz 13 und verzeichnete im Gesamtjahr 2014 pro Liter eine Bruttomarge von 10,77 Cent.

Heimische Margen nur halb so hoch wie die der Spitzenreiter

Insgesamt gesehen sind laut Wood Mackenzie die Brutto-Tankstellenmargen, die nicht mit dem viel geringeren Gewinn verwechselt werden dürfen und Kosten wie für Transport, Investitionen, Betrieb, Instandhaltung und Pächterprovision beinhalten, bei Eurosuper lediglich in Deutschland (9,92 Cent) und in Großbritannien (8,44 Cent) geringer. Bei Diesel liegen die Margen nur in Großbritannien (9,88 Cent), Deutschland (9,64 Cent) und Frankreich (6,39 Cent) unter Österreich. Die höchsten Brutto-Margen pro Liter können übrigens seit Jahren in Norwegen (Eurosuper 22,51 Cent; Diesel 18,47 Cent) und der Schweiz (Eurosuper 19,40 Cent; Diesel 21,34 Cent) erreicht werden.

Netto oft weniger als ein Cent

Letztlich bleibt den Mineralölfirmen bei ihren Tankstellen auf das Jahr gerechnet oft weniger als 1 Cent pro verkauftem Liter Kraftstoff übrig, wobei es sich hierbei um einen Durchschnittswert handelt. "Die Unternehmen müssen aufgrund des Preiskampfes oft am Minimum oder kurzfristig sogar darunter kalkulieren. Dieser in vielen Fällen ruinöse Wettbewerb ist auch an der sinkenden Zahl an Tankstellen ablesbar. Die betriebswirtschaftliche Sorgfalt lässt somit keine geringeren Preise zu", sagt Dr. Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbandes der Mineralölindustrie.

Kraftstoffgeschäft allein kaum kostendeckend

Der Wood Mackenzie-Bericht zeigt einmal mehr, dass die immer gleichlautenden Kritiken an den Mineralölunternehmen überzogen sind. Österreich mit seinem in der EU vergleichsweise geringen Anteil am Kraftstoffverbrauch kann sich einerseits nicht von der internationalen Marktentwicklung abkoppeln, andererseits stehen die Tankstellenunternehmen in einem harten Verdrängungswettbewerb mit daraus resultierenden sehr niedrigen Spannen. Wesentliche Gestaltungsspielräume bei den Kraftstoffpreisen bleiben aus.

Je nach Lage der jeweiligen Tankstellen haben sich in den letzten Jahren am österreichischen Tankstellenmarkt zusehends zwei Überlebensstrategien entwickelt. Entweder versuchen die Unternehmen als Fullservice-Stationen über zusätzliche Dienstleistungen, wie Autowäsche, Shop- und Gastroangebote, ihre Kosten zu decken, oder sie rüsten Standorte auf unbemannte Automatentankstellen um, um die Betriebskosten möglichst gering zu halten.

Über den FVMI

Der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) ist eine bundesweite Fachorganisation im Bereich der Wirtschaftskammer Österreich und als gesetzliche Interessenvertretung Bindeglied zwischen Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mitglieder sind österreichische Unternehmen, die Rohöl aufsuchen und fördern (upstream), in Pipelines transportieren (midstream) und in eigenen oder konzernverbundenen Raffinerien verarbeiten sowie Mineralölprodukte vertreiben (downstream).

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